Herr Andrich, Sie hatten gesagt, dass Sie mit dafür sorgen wollen, dass Grün-Weiß Lübben nicht immer gegen den Abstieg in der Brandenburgliga spielt, sondern im Mittelfeld. Nach dem ersten Jahr war alles in Ordnung, nun ist das Team doch wieder im Abstiegskampf gelandet. Woran liegt das?

Wir hatten dieses Jahr richtig deftige Gründe, weshalb es nicht so lief. Nach der Euphorie und der guten Serie im vergangenen Jahr haben wir gedacht, es ginge schrittweise weiter. Ich habe gehofft, dass einige Spieler dazukommen, die den Weg von Grün-Weiß mitgehen wollen. Da fehlte es. Am Geld, aber auch an anderen Dingen. Leute zu überzeugen, hier mitzumachen, das haben wir nicht gepackt. Wir haben zudem noch zwei Spieler verloren, die uns richtig fehlen. Marcus Jugan hat sich als Dachdecker selbstständig gemacht, Nico Schiela lebt jetzt berufsbedingt in Bonn. Dann hatten wir noch Pech in der Vorbereitung. Es gab drei Kreuzbandrisse bei Clemens Becker, Oliver Keutel, Steven Hoffmann. Das ist bei unserem knappen Kader nicht zu kompensieren.

Das bedeutet doch aber, dass Grün-Weiß Lübben mit den Voraussetzungen, die hier gegeben sind - sei es finanziell oder von anderer Unterstützung her - für die Brandenburgliga nicht tauglich ist.

Unter den Bedingungen, die wir hier haben, ist es eigentlich nicht möglich, Jahr für Jahr den Klassenerhalt zu schaffen. Wir sind froh, dass wir in der Liga noch mithalten können und das mit Spielern, die aus Spaß am Fußball hier spielen und aus Liebe zum Verein. Das hatte ich zu Beginn meines Engagements falsch eingeschätzt.

Das heißt, Vereine müssen in dieser Klasse die Spieler bezahlen?

Nicht unbedingt. Allerdings ist es schwer, den Spielern zu erklären, dass sie dreimal während der Woche zum Training fahren sollen und bei jeder Fahrt draufzahlen, wenn sie gleichzeitig hören, dass sie schon bei einigen Landesligisten Geld verdienen können. Ahmet Ayata kommt aus Doberlug-Kirchhain zum Training, Michael Leschnik aus Baruth, Steffen Blaske aus Altdöbern. Das kostet bei den heutigen Spritpreisen richtig Geld. Da müsste der Verein eine Regelung finden, die Fahrzeug- und Fahrtkosten auszugleichen. Zehn Cent pro Kilometer sind da nicht genug. Das reicht ja nicht einmal für das Benzin.

Das hört sich doch einfach an.

Das hört sich aber nur so an. Von den Einnahmen der durchschnittlich 100 Zuschauer könnten die Kosten heute bereits nicht ausgeglichen werden. Das geht nur mit Spenden von Sponsoren, die sich zum Teil schon jahrelang für Grün-Weiß Lübben engagieren. Der Verein bräuchte noch mehr solcher Sponsoren, um mit vielen anderen Klubs auch finanziell mithalten zu können.

Wie lange kann Grün-Weiß in dieser Klasse bestehen, ohne den Spielern Geld zu bezahlen?

Das kann ich nicht sagen. Mit guter Kameradschaft lassen sich Spieler in der heutigen Zeit schwer überzeugen, wenn auf der anderen Seite einer mit Geld winkt. Und die gute Kameradschaft bröckelt, wenn die Erfolge ausbleiben.

Macht sich das auch bei Grün-Weiß Lübben bemerkbar?

Ja, auch bei uns bröckelt die Kameradschaft. Wenn Spieler über Wochen dem Training fernbleiben oder nicht spielen können, weil die Freundin Geburtstag hat oder sauer sind, wenn der Trainer sie nicht ab der 70. Minute sondern erst ab der 80. einwechselt, dann sind die, die immer hier trainieren und auch hart arbeiten müssen und Familie haben, natürlich angefressen. Dann gibt es Konflikte, die nicht gut sind für die Kameradschaft.

Was würde denn passieren, wenn Führungsspieler den Verein verlassen oder sich mehr um ihre Arbeit oder Familie kümmern wollen?

Wenn zwei oder drei von den wichtigen Spielern nicht mehr wollten, dann könnten hier in Lübben schnell die Lichter ausgehen. Allerdings hat der Vorstand die Zeichen schon erkannt und ist dabei, die Gesamtsituation zu verbessern.

Mit Frieder Andrich

sprach Stephan Teske

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Zur PersonFrieder Andrich wurde am 22. Juli 1948 in Röderau (Sachsen) geboren. Er spielte in den 1970er- und 80er-Jahren in der DDR-Oberliga für Stahl Riesa und Vorwärts Frankfurt. In der Saison 1974/75 absolvierte Andrich fünf Länderspiele mit der DDR-Nachwuchs-Nationalmannschaft. 1976 folgte ein B-Länderspiel. Er kam in 14 Oberliga-Spielzeiten auf 277 Spiele, in denen er 91 Tore erzielte. Außerdem spielte er zehnmal im Europapokal. Andrichs Trainer-Stationen waren der Eisenhüttenstädter FC Stahl, Müllroser SV, FSV Luckenwalde und Motor Eberswalde. Seit August 2010 ist er Trainer in Lübben.