Mit etwas Überraschung nahm Manuela Nowak am Tag des Ehrenamtes die Glückwünsche von Bürgermeister Helmut Wenzel (parteilos) entgegen. Seit vier Jahren wirkt die 50-Jährige bei der örtlichen Hospizgruppe des Malteser Hilfsdienstes mit. Seither spürt sie Dankbarkeit durch die Mitmenschen.

Jeden Mittwochnachmittag ist Manuela Nowak im Lübbenauer Ortsteil Boblitz anzutreffen. Schon sehnsüchtig wird sie von der 91-jährigen Gerda Tiltack erwartet, die einsam ihren Tag verlebt. Familienangehörige arbeiten außerhalb und kehren erst spätabends nach Hause zurück.

„Wer kaum noch aus dem Haus oder der Wohnung kommt, der freut sich über jeden Kontakt mit anderen Menschen. Wir sind zwar eine Hospizgruppe, doch die Tätigkeit im ambulanten Hospizdienst umfasst mehr als nur die Begleitung von Sterbenden, Schwerkranker und deren Angehörigen, wie viele Menschen beim Namen Hospiz immer glauben“, so die ehemalige Maschinistin im Kraftwerk Lübbenau. Zum sozialen Ehrenamt des Malteser Hilfsdienstes gehören häusliche Alten- und Krankenpflege, hauswirtschaftliche Hilfen und ein Mahlzeitendienst – aber auch Treffen mit Senioren, Besuchs- und Begleitdienste sowie gemeinsame Nachmittage. Und diese sind nicht nur auf die Geburtstage, die Advents- oder Weihnachtszeit beschränkt.

Für Manuela Nowak ist es eine Freude, jede Woche mit Gerda Tiltack unterhaltsame Gespräche zu führen. Sie spielen gemeinsam und schmökern in Büchern. Sie blicken in die Familiengeschichte, wenn sie in Fotoalben blättern. Hinter Gerda Tiltack liegt ein wechselvoller Lebensweg. Im Jahre 1920 wurde Gerda Tiltack in der Provinz Posen (Polen) geboren. Seit 1966 lebt die heute 91-Jährige in Boblitz. ImKindergarten war sie 28 Jahre lang in der Küche beschäftigt.

„Die Älteren sind lebende Lexika“, sagt Manuela Nowak, die die Erfahrungen und die Arbeit in der Hospizgruppe nicht mehr missen möchte. „Die Menschen haben viele historische Erlebnisse miterlebt. Diese Ereignisse und Informationen müssten sorgfältig für die Nachwelt aufgeschrieben werden.“

Drei tragische Todesfälle in der eigenen Familie führten Manuela Nowak zum Malteser Hilfsdienst und später zur Lübbenauer Hospizgruppe. Innerhalb von zehn Jahren verstarben in jungen Jahren der Freund, die Nichte und der Bruder. Noch heute prägen diese Erlebnisse den Lebensweg von Manuela Nowak.

Nach einer Zeitungsannonce vom Hilfsdienst und Gesprächen mit dem Leitungspersonal der Malteser absolvierte sie die sechsmonatige Ausbildung zur Hospizhelferin. Unvergessen war und ist für die heutige Saisonkraft bei der Lübbenauer Stadtverwaltung die feierliche Segnung und Sendung durch den katholischen Pfarrer Matthias Grzelka und den evangelischen Pfarrer Siegfried Freye Ende 2008 in der katholischen Kirche in Lübbenau. „Ich spürte deutlich, dass damit ein neuer Lebensabschnitt begann“, so die engagierte Frau. „Es ist eine Arbeit, die mich nun über Lebensjahrzehnte begleiten wird.“

Die soziale Tätigkeit von Manuela Nowak ist ehrenamtlich und unentgeltlich. Dafür bringt sie Freundlichkeit und Kompetenz mit. Sie pflegt einen liebevollen Umgang mit den Menschen, die sie betreut. „Dankbares Lächeln ist der schönste Lohn“, erklärte die Altstädterin.

Auch am kommenden Mittwoch macht sich Manuela Nowak mit ihrem Auto wieder auf den Weg. Gerda Tiltack wartet dann wieder mit frisch aufgebrühten Kaffee.

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Zum ThemaOhne Erfahrungsaustausch geht es auch bei den Maltesern nicht. So treffen sich die elf Mitglieder der Lübbenauer Hospizgruppe jeden ersten Montag im Monat um 18 Uhr im Lübbenauer Hochhaus. Das Büro ist montags von 15.45 Uhr bis 17.45 Uhr besetzt. Erreichbar ist das Büro unter Telefon 03542 87 95 07.