Er fiel in ein Rettungsboot, der Steuermann verstand seine Anweisungen nicht und der Felsen war auf keiner Karte verzeichnet - für die Tragödie um die Havarie der "Costa Concordia" fand Unglückskapitän Francesco Schettino viele Erklärungen. Sich selbst sieht er jedoch nicht als Hauptschuldigen. Am morgigen Mittwoch wird nach einer gut einwöchigen Verschiebung wegen eines Anwaltsstreiks der Prozess gegen ihn fortgesetzt.

Der Süditaliener, dessen Bild als braun gebrannter Kapitän mit Sonnenbrille um die Welt ging, muss sich dann vor einem Gericht in Grosseto in der Toskana verantworten. Die Liste der Vorwürfe gegen den 52-Jährigen aus dem Ort Meta di Sorrento bei Neapel ist lang: Ihm werden unter anderem fahrlässige Tötung und Körperverletzung, Havarie und das Verlassen des Schiffes während der Evakuierung vorgeworfen.

Viele Fragen sind vor dem Prozess noch offen: Warum rammte die "Costa Concordia" den Felsen? War der Kapitän Schuld an der Havarie? Oder führte eine Fehlerkette zu der Katastrophe? Hätten mehr Menschenleben gerettet werden können?

Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft war Schettino mitschuldig daran, dass die "Costa Concordia" mit rund 4200 Menschen an Bord am 13. Januar 2012 zu nah an die Toskana-Insel Giglio heransteuerte.

Das Schiff fuhr auf einen Felsen, wurde aufgeschlitzt und kenterte, 32 Menschen starben. Die Ermittlungen rund um die Havarie brachten zahlreiche Vorwürfe gegen Schettino zutage. Er soll das Unglück heruntergespielt, bei der anschließenden Rettungsaktion Fehler gemacht und das Schiff vor Ende der Evakuierung verlassen haben.