Herr Mittermeier, Sie sind in letzter Zeit nicht nur in Deutschland unterwegs gewesen, sondern ziemlich international. Wie unterscheidet sich der Humor zwischen Bayern und Norddeutschen oder Deutschen und Amerikanern?
Eigentlich nicht. Es mag mal eine lokale Pointe geben, die in Bayern besser zündet als in Hamburg, aber das liegt in der Natur der Sache. Das Gleiche gilt auch für das Ausland. Es liegt nicht an einem anderen Humor, ob jemand lacht oder nicht, sondern daran, ob man gut und witzig erzählt. Was ist denn DER deutsche Humor oder DER englische Humor? Das gibt's doch gar nicht. Es gibt so viele Humor-Facetten.

Wie würden Sie Ihre Humor-Facette einordnen?
Das ist schwierig. Was ich mache, ist eine ganz persönliche Stand-up-Form. Alles, was ich sehe, höre, fühle, was mich ankäst, das kommt raus. Ich bin keiner, der sich hinsetzt und überlegt, was gerade in die Zeit passt oder so. Das habe ich nie gemacht. Es kommt raus, was raus will. Ich erzähle Geschichten aus meinem Leben, aus der Welt. Und die sind manchmal so absurd, dass man sie kaum glauben kann.

Sie thematisieren in Ihrem neuen Programm die Frage, ob man Witze machen kann über den islamistischen Terror und beantworten das mit einem klaren Ja. Warum?
Wir müssen als Menschen, als Gesellschaft irgendwas entgegensetzen. Wir setzen unsere Kultur gegen eine völlige Unkultur, die mit dem Islam nichts zu tun hat. Der IS ist eine Gruppe Wahnsinniger, die die Vorstellung von Religion pervertiert haben. Millionen Muslime flüchten vor diesem Kalifat, das laut IS das allerhöchste Gut für jeden Muslim sein soll. Wenn das so toll ist, warum flüchten dann alle davor? Es geht ja nicht darum, Witze über die Opfer zu machen, sondern man lacht sich den Schrecken weg. Wir müssen unsere Kultur dem entgegenstellen - das gilt auch für Erdogan. Ich meine: Was soll das denn? Kommt als nächstes Putin und beschwert sich über Witze?

Die AfD will laut Wahlprogramm Museen, Orchester und Theater in Sachsen-Anhalt dazu verpflichten, einen positiven Deutschland-Bezug zu fördern. Macht Ihnen so etwas Angst?
Das ist schon traurig. Aber ich glaube, es ist gut, dass die AfD jetzt ein Programm auflegt. Wenn man das liest, kann man den potenziellen Wählern doch nur sagen: Alter, das wollt Ihr doch nicht wirklich? Die machen ja eine Rolle rückwärts in die Biederzeit der 50er und 60er. Kitas werden verteufelt, Frauen an den Herd, das Schuldprinzip bei der Scheidung . . . Ich glaube, es ist gut, wenn die AfD-Politiker jetzt in die Parlamente kommen. Das Beste, was man gegen sie machen kann, ist, ihnen Redezeit zu geben. Dann hört man, was für ein Bullshit da rauskommt.

Ist eigentlich dieser "Bullshit" eine Goldgrube für Sie als Comedian?
Nein. Es ist ein Trauerspiel. Außerdem brauche ich keine schlechten Politiker und keine schlimmen Dinge, um gute Nummern auf der Bühne zu machen. Nur schlechte Kabarettisten brauchen schlechte Politiker. Mein Job ist es ja, die Leute zu unterhalten. Ich verbreite ja nicht dauernd eine Message mit dem Flammenschwert. Natürlich habe ich eine Message, aber bei mir wollen die Leute auch abschalten und nach zweieinhalb Stunden Bauchschmerzen haben vor Lachen.

Was finden Sie persönlich überhaupt nicht witzig?
Ich kann mit vielen Humor-Arten nichts anfangen. Ich finde es aber nicht schlimm, wenn jemand ein Thema findet, das den Massengeschmack trifft. Das ist das Gleiche wie mit der Volksmusik. Helene Fischer macht nicht meine Musik, aber scheinbar gibt es vielen Menschen irgendwas. Das Einzige, was ich gar nicht mag, ist, wenn Humor und Härte Selbstzweck werden, wenn ich Kollegen sehe, die unter dem Deckmantel des Ho-Ho-Ho eigentlich auch nur billige, reaktionäre Witze reißen und im Grunde genommen keine Haltung haben. Wenn Du keine Haltung hast, dann mach eine Nummer über Hunde, über Lehrer oder Frauen beim Einparken - aber bitte nicht über etwas, wo man Haltung bräuchte.

Mit Michael Mittermeier

sprach Britta Schultejans

Zum Thema:
Michael Mittermeier gehört zu den bekanntesten Komikern in Deutschland. Seinen Durchbruch schaffte er 1996 mit dem Soloprogramm "Zapped - Ein TV-Junkie knallt durch". Seit September 2015 tourt er mit seinem siebten Live-Programm "Wild" durch Deutschland, Österreich und die Schweiz.