"Wir haben uns hier mit 100 Lufthansa-Mitarbeitern versammelt. Es herrscht blankes Entsetzen. Die Kollegen stehen schweigend in der Eingangshalle vor dem Fernseher."
Laut Baublies müsste kein Kollege, der von den Vorfällen schockiert sei, fliegen. "Im Unternehmen ist es gängige Praxis, dass die Menschen auch vor sich slebst geschützt werden." Bestehe der geringste Verdacht, dass ein Flugbegleiter nicht einsatzbereit sei, werde dieser sofort nach Hause geschickt.

Der Konzern habe mehrere Spezial-Teams mit speziell geschulten Mitarbeitern nach Marseille, Köln und Düsseldorf geschickt. Diese sollen die betroffenen Angehörigen, aber auch schockierte Kollegen betreuen. Für Mitarbeiter gibt es zudem die Möglichkeit, sich telefonisch mit den Krisenteams in Verbindung zu setzen.

Da es sich um den ersten derartigen Vorfall in der Unternehmensgeschichte handele, helfe es auch nichts, wenn man bereits länger im Geschäft sei, so der Ufo-Chef, der selbst als Purser, also als Chef-Steward, jahrelang an Bord unterwegs war. Zwar würden die Mitarbeiter regelmäßig für Zwischenfälle wie etwa den Ausbrauch eines Feuers an Bord geschult. "Was wir bisher wissen, spricht jedoch dafür, dass man dieses Wissen überhaupt nicht hätte anwenden können."

Die Ereignisse hätten Auswirkungen auf die Tarifgespräche. Derzeit gibt es bei der Lufthansa gleich drei Tarifkonflikte: eine Schlichtung mit der Ufo, einen festgefahrenen Tarifstreit mit der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit und Verhandlungen mit der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi über das Bodenpersonal. "Alle irgendwie beteiligten sind gut beraten, die Situation nicht auszunutzen. Wir sollten jetzt alle - Management, aber auch Mitarbeitervertreter - einen Hebel umlegen und uns vorrangig um die aktuellen Ereignisse zu kümmern. Hinterher ist nicht vorher", sagte Baublies.