Im RUNDSCHAU-Interview gibt Bürgermeister Joachim Dieke (CDU) einen Zustandsbericht seines Heimatortes.Werben liegt im Biosphärenreservat Spreewald. Profitiert die Gemeinde vom Spreewald-Tourismus?
Viele Touristen nutzen Werben als Durchgangsstation von Cottbus nach Burg und machen hier einen Zwischenstopp. Der Brandenburg- und der Gurkenradweg bringen Radler nach Werben. Und auch unsere Gaststätten und Pensionen ziehen Gäste an. Der Wirt des "Sterns" ist sehr rührig und macht auch überregional Werbung für unseren Ort. Kann die Gemeinde vom Tourismus leben?
Nein. Unsere Haupteinnahmequelle ist die Gewerbesteuer. Derzeit sind in Werben 102 Gewerbe angemeldet, und es kommen immer mehr hinzu. Das gibt vielen Werbenern Arbeit. Das Spektrum der Branchen ist breit gefächert. Unser größter Arbeitgeber ist die Agrargenossenschaft mit über 40 Dauerangestellten. Dann ist die Gemeindekasse sicher voll?
Nein. Wie die meisten Kommunen in Brandenburg ist auch Werben verschuldet. Und die Zuschüsse des Landes werden immer weniger. Das ist ein großes Problem. Die Strategie der Landesregierung, die Förderung auf große Standorte zu konzentrieren, fällt kleineren Orten wie Werben auf die Füße. So wird die Landschaft noch mehr ausgedünnt. Hat Werben nicht auch vom Konjunkturpaket profitiert?
122 000 Euro waren uns zugesagt worden. Davon ist aber nur etwa ein Drittel wirklich in Werben angekommen. 40 000 Euro hat der Kreis für die kreislichen Gymnasien einbehalten, weitere 40 000 Euro das Amt Burg für den Ergänzungsbau der Schule. Mit dem Rest haben wir Sanitär- und Heizungsanlagen der Werbener Schulturnhalle erneuert. Die Turnhalle der Schule, die 2012/2013 geschlossen wird?
Ja. Der Schulverband Burg hat entschieden, die Werbener Grundschule, die eine über 200-jährige Tradition hat, zu schließen. Für Werben ist das ein harter Schlag. Und auch Burger Eltern haben sich gegen diese Entscheidung gewehrt. Ich bin überzeugt davon, dass über kurz oder lang auch der Schulstandort Burg unter diesem Entschluss leiden wird. Eine Sekundarstufe II in Burg ist aus meiner Sicht damit in unerreichbare Ferne gerückt. Die Turnhalle unserer Schule sollen unsere Vereine weiter nutzen können. Deshalb haben wir in sie investiert. Der Verlust der Schule wird für Werben ein Einschnitt sein. Was hat die Gemeinde ihren Bürgern sonst zu bieten?
Viel. Bei uns stimmt die Infrastruktur. Wir haben Bäcker, Fleischer und einen Lebensmittelladen. Mit einem Arzt, einer Zahnärztin und einer Physiotherapie gibt es medizinische Versorgung vor Ort. In unserer Kita werden fast 150 Kinder von null bis zwölf Jahre betreut. Und auch unser Straßennetz kann sich sehen lassen. Bis auf ganz wenige Ausnahmen sind alle Straßen mit Schwarzdecke und Medienleitungen versehen. Nach der Ortsdurchfahrt von Brahmow wurde vor kurzem auch die Ortsdurchfahrt von Ruben erneuert. Dafür sind wir sehr dankbar.Machen sich diese Standortvorteile in der Bevölkerungsstatistik bemerkbar?
Anfang der 90er-Jahre hatte Werben mit den beiden Gemeindeteilen Ruben und Brahmow fast 2000 Einwohner, jetzt sind es 200 weniger. Das liegt vor allem daran, dass die Zahl der Sterbefälle die der Geburten regelmäßig übersteigt. So werden es jedes Jahr im Schnitt zehn Werbener weniger. Mit Joachim Dieke sprach Nicole Nocon