Das kleine gallische Dorf im Zeitalter des Internets? Was kaum vorstellbar erscheint, ist den Autoren Jean-Yves Ferri und Didier Conrad in der Tat gelungen. Asterix und Obelix sind im neuen Band "Der Papyrus des Cäsar", in der Gegenwart angekommen.

Drahtlose Netzwerke sind es, die in diesem 36. Abenteuer der tapferen Gallier immer wieder die Handlung vorantreiben: Die Römer haben im Jahr 50 vor Christus die Brieftaube als Kommunikationsmittel entdeckt.

Der Feind sitzt natürlich wie immer im alten Rom und heißt Julius Cäsar. Der will sein Buch über den gallischen Krieg veröffentlichen, weiß aber nicht, was er mit seiner Schilderung der erlittenen Schlappen gegen das berühmte widerspenstige Dorf machen soll. Zum Glück hat er seinen Spin-Doktor Syndicus (im französischen Original Bonus Promoplus), der mit seiner hohen Stirn und der markanten Nase auffällig an den PR-Berater mehrerer französischer Präsidenten, Jacques Séguéla, erinnert.

Der Bösewicht rät ihm, die Seiten einfach verschwinden zu lassen. Doch natürlich gibt es einen schlauen Gallier, der die Pläne durchkreuzt: Der Journalist Polemix, der einen Scoop wittert. "Er hätte auch Wikilix heißen können", gesteht Ferri bei der Vorstellung des neuen Bandes. Denn den Helden dieser Ausgabe hat er ganz klar an Wikileaks-Gründer Julian Assange angelehnt. Die Affäre um die Enthüllungsplattform des Whistleblowers war den Autoren zufolge auch der Ausgangspunkt der neuen Geschichte.

Ferri und Conrad, die zusammen ihren zweiten Band nach "Asterix bei den Pikten" herausbringen, sparen nicht mit weiteren Anspielungen. So sind beispielsweise die Vögel im Wald blau wie das Symbol des Kurznachrichtendienstes Twitter.

Wer auch nicht fehlen darf, sind die Piraten vor der Küste, bei denen auch prompt eine der Tauben landet. Dumm nur, dass keiner lesen kann. Immerhin fällt dem alten, altklugen Korsaren dazu ein Spruch von Juvenal ein: "Dat veniam corvis, vexat censura columbas" ("Den Raben verzeiht, die Tauben plagt die Kritik.") Soll wohl heißen: "Die Kleinen hängt man, die Großen lässt man laufen." Womit sich der Kreis zu Wikileaks, Assange und seinen Whistleblowern schließt.

"Beim Teutates, dieser Comic ist gut, sehr gut", schreibt die Zeitung "Le Figaro". "Lustig, gut aufgebaut, voller Respekt für das Original und dicht", befindet "Le Monde". Einig sind sich beide, dass der neue Band, der in einer Auflage von gut vier Millionen Exemplaren herauskommt, noch besser ist als sein Vorgänger. Dabei hatten Texter Ferri und Zeichner Conrad für ihr Erstlingswerk 2013 auch gute Kritiken bekommen.

Asterix' Schöpfer, der 88-jährige Albert Uderzo, hatte damals den Pinsel aus der Hand gelegt und sein Werk dem Autorenduo überlassen. Doch der Vater des kleinen Galliers, der nach dem frühen Tod seines Partners René Goscinny die weltweit erfolgreichste Comic-Serie alleine weiterschrieb, schaut auch heute noch auf das, was seine Erben machen. Beim ersten Band korrigierte Uderzo Einzelheiten und übernahm das Titelbild. Doch inzwischen steht der Altvater seinen Nachfolgern nur noch beratend zur Seite: "Jetzt kann ich sie einfach machen lassen." Ein dritter gemeinsamer Band ist bereits in Planung.

Der neue "Asterix"-Band erscheint offiziell erst am heutigen Donnerstag, durch ein Versehen konnte man ihn allerdings in München offenbar schon vorher kaufen. Dort erstand der Journalist Dorin Popa am Dienstag in einem Buchladen die Hardcover-Version der Ausgabe. Er verbreitete dies über seinen Twitter-Account. Wie es zu der Panne kommen konnte, war zunächst noch unklar. "Es handelt sich hierbei aber um einen Einzelfall, den wir gerade prüfen", erklärte eine Sprecherin des Asterix-Verlages Egmont Ehapa in Berlin.

Asterix Nr. 36 - Der Papyrus des Cäsar. Gebundene Ausgabe, ISBN 978-3-7704-3890-7, zwölf Euro; Softcover 6,50 Euro.

Die RUNDSCHAU verlost drei Hardcover-Ausgaben des neuen "Asterix"-Bandes. Rufen Sie am heutigen Donnerstag bis 24 Uhr an unter 01379 - 88 73 10 (legion, 0,50 €/Anruf aus dem Festnetz der DTAG, ggf. abweichende Preise aus dem Mobilfunknetz).