6000 Tonnen Abfälle waren am Sonnabend in Brand geraten. 50 Feuerwehrautos rollten aus dem ganzen Elbe-Elster-Kreis, des OSL-Kreis, aus Schwarzheide und Großräschen an, um der Flammen Herr zu werden. Steffen Nadebohr aus Lichterfeld kam direkt aus dem Urlaub von der Insel Usedom zum Einsatzort. Er hatte bereits am Schönefelder Kreuz die Rauchwolke gesehen. Die ABC-Erkunder von der Freiwilligen Feuerwehr Schönborn hatten ständig die Schadstoffkonzentration im Rauchgas gemessen, sie mussten vermehrt Methylmercaptan feststellen. Das kann zu brennenden Augen und gereizten Schleimhäuten führen. „Wir haben die Bevölkerung über den Rundfunk und am Sonntag auch mit Lautsprecherwagen vor den gesundheitsschädlichen Gasen gewarnt“, informierte Schönborns Amtsbrandmeister Horst Gängler die RUNDSCHAU. Man versuche zwar, die Dämpfe mit dem Löschwasser runterzudrücken, aber die Wolke breite sich doch aus. Als sich dann am Sonntag der Wind gedreht hatte, wurde die Fahne nach Finsterwalde geweht. Die Polizei schloss eine Evakuierung des angrenzenden Gewerbegebiets nicht mehr aus – wozu es dann doch nicht kommen musste. Dem Unternehmen wurden keine Versäumnisse und rechtlichen Verstöße nachgewiesen, Untersuchungsergebnisse sprechen von Selbstentzündung – die es in der Massener Firma allerdings schon mehrfach gegeben hat.

Allerdings blieb der Großbrand in Massen nicht ohne Folgen an anderer Stelle. So hatten viele Feuerwehren noch Wochen nach dem Einsatz ein großes Problem: In den Gerätehäusern mussten die Kameraden gegen Tausende Kakerlaken ankämpfen, die sich vor den Flammen und dem Löschwasser in die Fahrzeuge retteten. „So etwas habe ich noch nicht gesehen“, sagte Bernd Funke, Gerätewart der Finsterwalder Feuerwehr. In allen vier Gerätehäusern der Stadt haben sich die Krabbeltiere massenhaft verbreitet. Selbst aus Jacken- und Hosentaschen sowie Stiefeln müssen sie entfernt werden. In den betroffenen Gerätehäusern hatten die Kammerjäger tagelang alle Hände voll zu tun. Die Kakerlaken seien mit dem Müll bereits angeliefert worden, erklärte man bei Eurologistik das Vorkommen der Tiere.

Während Polizei und Feuerwehr in Massen im Einsatz waren, ereignete sich im Finsterwalder Gewerbegebiet Am Holländer folgendes: Ein Lkw-Fahrer beobachtete, wie ein Dieb aus einem Getränkemarkt Kisten mit Leergut klaut. Als die Polizei alarmiert wurde, kann die zunächst nicht kommen. „Wir haben weder Personal noch Fahrzeuge – alle sind beim Recyclingbrand“, bekam der Anrufer zur Antwort. Nach vier Stunden kümmerten sich dann die Polizisten um den Diebstahl. Das Vorkommnis hatte am Ende auch noch ein parlamentarisches Nachspiel im Landtag. Der Abgeordnete Rainer Genilke (CDU) kritisierte, dass die Landesregierung diesen Vorfall bei einer parlamentarischen Anfrage heruntergespielt hat. Auch Barbara Hackenschmidt (SPD) forschte nach den Ursachen des Brandes – und stellte schließlich fest: „Es ist wenig zufriedenstellend, wenn keine rechtlichen Verstöße festgestellt wurden – und es dennoch weiter in Recyclinghöfen brennt.“ Hackenschmidt hatte sich einen Vor-Ort-Termin in Massen organisiert. Zumindest müsse gesichert werden, dass künftig keine Gefahr für die Menschen in der Region ausgeht, erklärte sie. Im Unternehmen erfuhr sie dann: Die Eurologistik-GmbH, die mit Dienstleistern auf 150 Arbeitsplätze kommt und Müll aus Brandenburg, Sachsen, Baden-Württemberg und Bayern verwertet, wird künftig für mehr Sicherheit sorgen. „Wir haben mehr Lagerfläche erworben“, sagte der Prokurist Ronny Münnich. Zudem würden um die einzelnen Areale fünf Meter hohe Erdwälle und Betonmauern errichtet. Damit wäre zumindest ein Übergreifen möglicher Brände erschwert. Das Unternehmen hatte im Oktober eine Dankeschön-Veranstaltung für 350 Kameraden organisiert.