Wer das ausgebrannte Wrack des Reisebusses sieht, kann sich nicht vorstellen, dass jemand lebend aus dem verkohlten Gerippe herauskam. 43 Menschen starben laut Gendarmerie in dem Inferno, das sich am Freitagmorgen gegen halb acht auf der Landstraße D17 rund 50 Kilometer östlich von Bordeaux ereignete. Ein Reisebus mit Senioren, die zu einem Tagesausflug unterwegs waren, fuhr in einer Kurve in einen unbeladenen Holzlaster und fing sofort Feuer. Der Lkw-Fahrer hatte auf der feuchten Straße offenbar die Kontrolle über sein Fahrzeug verloren, sodass sein Anhänger quer stand. Der Busfahrer sah den Transporter zu spät und fuhr hinein. Nur acht Menschen überlebten das Unglück, vier davon schwer verletzt.

Nur leicht verletzt wurde der Busfahrer, der geistesgegenwärtig die Türen öffnete, um wenigstens einige Insassen zu retten. Ein Autofahrer, der hinter dem Bus herfuhr, wurde ebenfalls zum Lebensretter: Er schlug laut einem Sprecher der Gendarmerie die Scheibe des Unglücksfahrzeugs ein, um Passagiere herauszuholen. In der Kabine des Lkw-Fahrers, der ums Leben kam, fanden die Rettungskräfte auch die Leiche eines dreijährigen Jungen, wahrscheinlich sein Sohn.

Erst sieben Kilometer waren die Reisenden unterwegs, als sich das Drama im berühmten Weinanbaugebiet Saint-Emilion ereignete. Die Mitglieder des Seniorenclubs waren auf dem Weg in die Pyrenäen, um dort den berühmten Bayonne-Schinken zu kosten, und sollten am Abend zurück sein.

"Ich habe die Nachricht erhalten, als ich Brot kaufte. Meine Frau ist mit zwei Freundinnen gegen sieben Uhr aufgebrochen", berichtete der Lebensgefährte eines der Opfer der Zeitung "Sud Ouest". 16 Senioren aus Petit-Palais, einem Dorf mit gut 700 Einwohnern, saßen im Bus - nur einer überlebte. Bürgermeisterin Patricia Raichini soll drei Familienangehörige verloren haben. Ihr Vorgänger Michel Rogerie, Vorsitzender des Seniorenclubs, soll ebenfalls unter den Opfern sein. Die Kurve, in der sich der Unfall ereignete, war als gefährlich bekannt. "Es gab dort schon früher Unfälle", räumte der stellvertretende Bürgermeister der Gemeinde Puisseguin, wo die Unglücksstelle liegt, ein. Warum der Bus so schnell ausbrannte, ist allerdings noch unklar. "Das ist ein furchtbarer Schock für die Region und ganz Frankreich", reagierte Regierungschef Manuel Valls, der zusammen mit Innenminister Bernard Cazeneuve und Verkehrsminister Alain Vidalies nach Puisseguin gekommen war. Präsident François Hollande äußerte sich in Athen. Der Staatschef sprach auf einer Pressekonferenz von einer Katastrophe. Es handelt sich um den schwersten Unfall in Frankreich seit mehr als 30 Jahren. 1982 waren auf einer Autobahn in der Nähe von Dijon 52 Menschen ums Leben gekommen, als ebenfalls ein Reisebus mit mehreren Autos kollidierte.

Zum Thema:
Dezember 2014: Bei dem Busunfall auf der A 4 bei Bad Hersfeld (Hessen) kommen fünf Menschen ums Leben. Der Bus war mit einem schlingernden Auto zusammengestoßen und eine Böschung hinabgestürzt. Juli 2014: Elf Menschen sterben, als auf der A 4 bei Dresden ein Reisebus aus Polen auf einen ukrainischen Bus auffährt. Juli 2013: Bei Neapel stürzt ein Bus in eine Schlucht, 38 Insassen sterben. März 2012: In einem Schweizer Tunnel kommen 28 Menschen ums Leben, die meisten von ihnen belgische Schulkinder auf einer Klassenfahrt. September 2010: 14 Polen sterben bei Berlin, als ihr Bus von einem Auto gerammt wird und gegen einen Brückenpfeiler kracht.