ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 01:28 Uhr

40 Jahre für Guhrow

Erna Koppermann Foto: Nocon
Erna Koppermann Foto: Nocon FOTO: Nocon
Guhrow. Der 1. April ist für Erna Koppermann ein besonderer Tag. Nicole Nocon

Am 1. April 1970 hat sie ihr Amt als Bürgermeisterin der Spreewald-Gemeinde Guhrow angetreten. Am heutigen Donnerstag feiert sie ihr 40. Dienstjubiläum. Den Zeitungsausschnitt aus der Lausitzer Rundschau vom 21. März 1970, in dem über ihre Wahl zur Bürgermeisterin berichtet wurde, hat Erna Koppermann bis heute aufgehoben. Das Papier ist inzwischen vergilbt. Die Erinnerungen sind es nicht. "Ich war damals Leiterin der Frauenbrigade in der LPG Einheit. Zu DDR-Zeiten gab es einen Schlüssel, der den Frauen- und Sorbenanteil in Führungspositionen festlegte. Als Frau und Sorbin war ich in dieser Hinsicht die Idealkandidatin, als ein neuer Bürgermeister für Guhrow gesucht wurde. So wurde ich vorgeschlagen und gewählt", erzählt Erna Koppermann. Die damals 30-Jährige stellte sich der Herausforderung, wollte mehr sein als Quotenfrau. "Ganz leicht war es anfangs nicht. Vor allem die Männer standen einer jüngeren Frau an der Spitze einer Gemeinde skeptisch gegenüber. Aber es ist mir gelungen, sie zu überzeugen", erinnert sie sich. Neben Fachwissen seien in ihrem Amt aber auch Rückgrat, Ehrlichkeit und auch weibliche Diplomatie gefragt gewesen. "Ich habe mich während all der 40 Jahre an meinen Grundsatz gehalten, nichts zu versprechen, was nicht gehalten werden konnte, und Probleme stets offen anzusprechen. Außerdem sage ich immer, ich habe im Dorf keine Verwandtschaft. Vetternwirtschaft gibt es bei mir nicht", betont Erna Koppermann. Die Guhrower haben diese Gradlinigkeit honoriert und die gebürtige Schmogrowerin, die 1963 in die Gemeinde eingeheiratet hatte, immer wieder im Amt bestätigt. Dreimal seien Gegenkandidaten gegen sie angetreten. Dreimal ohne Erfolg. Bis 1992 war Erna Koppermann hauptamtliche Bürgermeisterin. Seit der Eingliederung Guhrows in das Amt Burg ist sie ehrenamtlich tätig. An ihrem Engagement für den Ort habe sich dadurch wenig geändert. Nur selten könne sie durch das Dorf gehen, ohne dass sie von den Bürgern angesprochen würde. Und auch zuhause klingele oft das Telefon, wenn Mitbürger Fragen oder Anliegen hätten. "Damit habe ich überhaupt kein Problem. Ich bin vor Ort und nehme mir die Zeit, auch für die kleinen Sachen, die ständig anfallen", sagt sie. Dass sie dafür eine Menge Zeit opfern muss, habe sie akzeptiert. Auch die Familie habe sie unterstützt. Ihre beiden Kinder, die aufgrund von Sitzungen am Abend öfter auf sie verzichten mussten, seien inzwischen "ein bisschen stolz" auf ihre Mutter, erzählt Erna Koppermann lächelnd. Die Frage, ob sie über all die Jahre amtsmüde geworden sei, verneint sie klar. "Im Gegenteil. Wer gefordert wird, bleibt jung." Nicole Nocon