Von Christian Taubert

Michael Milde ist einfach nur überwältigt. „Schon beim Abspielen der Friedensfahrt-Fanfare habe ich Gänsehaut bekommen“, verrät er am Sonntagnachmittag beim Sattelfest zum 25. Frühlingsradeln in Cottbus. Als dann noch die Live-Reportage der Friedensfahrt-Etappenankunft von Erfurt 1972 und das Duell mit Wladislaw Neljubin (UdSSR) ins Radoval eingespielt wurde, „habe ich diesen Sprint gleich noch einmal erlebt“. Einen lupenreinen Hattrick hat der heute 68-jährige Milde damals hingelegt. Zu den erneut vielen Hunderten Frühlingsradlern, die spontan Beifall klatschen, sagt er: „Ich komme gern wieder hierher.“

Schon zum Auftakt der Jubiläumsausgabe dieser Freizeitradeltour hat es vor der Leag-Zentrale ein freundliches Hallo zwischen drei Forstern gegeben. Milde und sein Bruder Siegfried Köhler (Olympiasilber im Bahnvierer 1960) hielten Smalltalk mit Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD). Der Regierungschef erzählte, dass er 1978 bei der Etappenankunft in Forst jugendlicher Begleiter für den Schweizer Starter Kilian Blum war: „Ein unvergessliches Erlebnis.“ Während der Regierungschef nach dem Startschuss nach Brüssel aufbrechen musste, um über Strukturwandel und Fördermillionen zu verhandeln, ging der Cottbuser Oberbürgermeister Holger Kelch (CDU) erstmals mit auf den 25-km-Rundkurs zum künftigen Cottbuser Ostsee. „Wenn man selbst erlebt, wo es noch Probleme gibt bei der Rad-Infrastruktur, lässt es sich leichter kritisieren“, sagt er mit einem Augenzwinkern.

Als sich das Peloton bei empfindlicher Kühle, aber strahlendem Sonnenschein mit einem Klingel„konzert“ von vielen Hunderten Radlern in Bewegung setzt, sind auch der Plessaer Friedensfahrtsieger von 1968 Axel Peschel und der FF-Zweite von 1964 Günter Hoffmann aus Finsterwalde mit dabei. Sie rollen über den Stadtring nach Willmersdorf und von dort am künftigen Ostsee entlang zur Forster Chaussee und zur Branitzer Siedlung bis auf die Radrennbahn. „Wir sind diesmal auf den ersten Mai-Sonntag ausgewichen und wollten zum Jubiläum Friedensfahrt-Atmosphäre vermitteln – so wie sie ältere Radler einst Jahr für Jahr erlebt haben“, sagt Axel Viertler, der Geschäftsführer des RSC Cottbus, der diese Tour seit einem Vierteljahrhundert mit den Medienpartnern „Lausitzer Rundschau“ und Antenne Brandenburg organisiert.

Traditionell ist längst das Sattelfest mit Unterhaltung, Verpflegung und großer Tombola. Dafür sind seit Jahren „Fahrrad-Center L. Heßlich“, Stadtwerke, Leag, Waldhotel oder Autohaus Frahnow Unterstützer. In diesem Jahr haben sich viele Augenpaare auf das weiße E-Bike gerichtet, das letztlich der 67-jährige Cottbuser Helmuth Drochol gewann. Er fährt seit 1995 im RSC-Veloteam – mit Muskelkraft. „Vielleicht aber kann sich meine Frau an eine Unterstützung per Akku gewöhnen“, sagt der glückliche Hauptpreisgewinner.

Bildergalerie Hunderte Freizeitradler waren am Sonntag beim 25. Frühlingsradeln der LAUSITZER RUNDSCHAU und von Antenne Brandenburg dabei und starteten so in die Radlersaison. Die rund 25 Kilometer lange Tour führte von der LEAG-Hauptverwaltung über die Dresdner Straße, den Stadtring nach Willmersdorf entlang des Cottbuser Ostsees und vorbei am Merzdorfer Aussichtsturm wieder zurück nach Cottbus ins Radstadion. Dort gab es für alle Teilnehmer das traditionelle Sattelfest mit Blaskapelle und einer Stärkung.