Riesige Wellen hatten einen Teil der Frontreling losgeschlagen und in das Panoramafenster katapultiert. Glassplitter und Wasser schossen weit ins Innere des Hochgeschwindigkeits-Katamarans. Bei dem Unglück wurden am Montagabend 24 Passagiere verletzt.
Bei ihnen handelt es sich überwiegend um Urlauber, viele aus Nordrhein-Westfalen. Laut Polizei ist ein Reisender in "kritischem Zustand". Ermittler untersuchen nun das beschädigte Schiff. Fest steht bereits: Die vorhergesagte Wellenhöhe war das absolute Limit, bei dem der Katamaran noch auslaufen durfte.
"Wie diese Reling abreißen konnte, wissen wir nicht", sagte Bernhard Brons, Vorstand des Fährschiff-Unternehmens Reederei AG Ems. Von der Brücke aus sei das Decksgeländer nicht zu sehen gewesen, erst die Besatzung habe den Schaden gemeldet.
Hinter dem zerborstenen Fensterteil, das nur 60 mal 80 Zentimeter groß sei, hätten sich "Dutzende" Passagiere befunden. Die erste Sitzreihe liege nur zwei Meter hinter der Glasfront. "Es hat Schreie gegeben", berichtete Knut Gerdes, Chef des seemännischen Personals der AG Ems. Er hatte mit dem erst 27 Jahre alten Kapitän der "Polarstern" kurz nach den Schrecksekunden telefoniert. "Wir haben da ein Problem", soll der erste Satz der Crew gelautet haben.
An Bord sei keine Panik ausgebrochen, betont Gerdes. "Menschen geraten in Panik, wenn sie keinen Ausweg mehr aus einer Situation sehen." Das sei nicht der Fall gewesen, die zehnköpfige Besatzung sei geschult für solche Szenarien und habe die Gäste "ruhig und geordnet" aus der Gefahrenzone gebracht. Wie sich dabei viele Passagiere teils erhebliche Verletzungen zuziehen konnten, kann die Reederei nicht erklären.
Nach Angaben einer Arztpraxis auf der Insel Borkum, die der Katamaran nach dem Unglück für die Versorgung der Verletzten ansteuerte, leiden drei Passagiere an einem Schädelhirntrauma. Der "überwiegende Teil" der Behandelten habe Platzwunden gehabt. Drei Schwerverletzte seien per Hubschrauber ins Krankenhaus gebracht worden.
Unklar ist noch, warum die Rettungskräfte erst knapp zwei Stunden nach dem Unglück alarmiert worden waren.
(dpa/ig)