Die bis spätestens Februar 1923 gesetzlich vorgeschriebene Einziehung des mit regierungsamtlicher Genehmigung in Umlauf befindlichen Notgeldes ist zwar dazu angetan, die unübersichtliche Flut von Notgeld einzudämmen, aber sie ist nicht dazu geeignet, den noch immer erheblichen Mangel an Kleinmünzen bzw. -noten zu beheben. Im Gegenteil, er nimmt wieder rapide zu. Im Sommer 1923 erreichen die Währungs- bzw. Zahlungsgrößen schwindelerregende Größen. Am 26. Oktober 1923 gibt die Deutsche Reichsbank eine Reichsbanknote mit der jemals größten Wertbezeichnung von 100 Billionen (10{+1}{+4}) M heraus. Auf massives Drängen der Wirtschaft sieht sich die deutsche Reichsregierung bereits im August genötigt, gesetzliche Grundlagen für eine "Wertbeständige Anleihe des Deutschen Reiches" (Reichsgoldanleihe) zu schaffen. Auf dieser Grundlage veranlasst sie die Deutsche Reichsbank und die Reichsschuldenverwaltung dazu "wertbeständiges Notgeld" in Form von Schatzanweisungen herauszugeben, die am 25. August, 23. und 26. Oktober 1923 erscheinen. Ebenso erhalten die Kommunen auf Antrag dafür eine Genehmigung. Das wertbeständige Notgeld, ausgestellt auf Goldmark (GM), -pfennig und/oder Teilen eines (US-)Dollar, soll auf Grund seiner hinterlegten, goldgedeckten Schatzanweisungen nicht dem Wertverfall der (Inflations-) Mark unterliegen. Genehmigungen für Kommunen werden unter den Bedingungen erteilt, "... soweit sie auf Beträge der oben angeführten Schatzanweisung lauten, für den einzelnen Schein 4,20 GM nicht übersteigen". Sowohl Arbeitgeber- als auch Arbeitnehmerorganisationen fordern im Raum Finsterwalde die Auszahlung der Löhne in wertbeständigem Geld. Die heimische Tuchindustrie, vertreten durch den "Tuchfabrikanten-Verein Finsterwalde" unter Vorsitz von KommR M. Koswig, schlägt daher dem Magistrat zu seinem Nutzen und auf seine Kosten die Herstellung und Herausgabe von "wertbeständigem Notgeld" vor. Sie erklärt sich auch bereit, die geforderte Anleihe zu zeichnen und das wertbeständige Notgeld in ihren Geschäftsverkehr einzuführen.Der Magisrat beantragt nach Konsultation des Magistrats der Stadt Cottbus, der schon wertbeständiges Notgeld in fünf verschiedenen Stückelungen herausgegeben hat, am 31. Oktober 1923 zunächst telegrafisch die Genehmigung. Vereinbarungsgemäß hat der Tuchfabrikanten-Verein zur Deckung wie gesetzlich gefordert bei der Reichsbankstelle Cottbus den Betrag von 5000 US-Dollar hinterlegt.Auf der Grundlage des Paragraph 3a des inzwischen in der Fassung der Verordnung vom 26. Oktober 1923 geänderten "Gesetzes über die Ausgabe und Einlösung von Notgeld" vom 17. Juli 1922 erteilt der Reichsminister der Finanzen dem Magistrat am 2. November 1923 ebenfalls zunächst telegrafisch die erforderliche Genehmigung zur Ausgabe bis zu einem Gesamtbetrag von 5000 GoldM. Das wertbeständige Notgeld besteht aus einem Schein, einseitig zweifarbig bedruckt und auf gelblichem Wasserzeichen-Papier hergestellt. Neben schwarz ist lebhaftchromgelb die zweite Farbe. Das Papier trägt durchgehend ein Wasserzeichen aus gleichförmigen, achteckigen Waben. Die Größe beträgt 11,3 cm x 7,0 cm. Auf das Aufbringen von Kontroll-Nummern wird verzichtet. Das Textfeld der Vorderseite ist von einem Kordelband eingerahmt. Über das linke Achtel zieht sich senkrecht eine farbig gedruckte Banderole mit der 3-zeilig untereinander stehenden Wertangabe 42, Pfennige und Gold. Das verbleibende Textfeld zeigt neben der Bezeichnung "NOTGELDSCHEIN", die zweizeilig ausgeschriebene Wertangabe "Zweiundvierzig Pfennige gleich 1/10 Dollar" und farbig den zentrischen Abdruck des Magistrats-Siegels.Anders als bei den vorhergehenden Serien wird versichert: "Der Inhaber dieses Scheines kann binnen Monatsfrist nach Abruf den Umtausch in Schatzanweisungen der wertbeständigen Anleihe des Deutschen Reiches oder gegen Aushändigung des Scheines die Zahlung eines gleichwertigen Barbetrages bei der Stadtbank in Finsterwalde verlangen. Die Notgeldscheine sind durch Hinterlegung von wertbeständiger Anleihe des Deutschen Reiches gedeckt."Ort und Datum der Herausgabe sind mit "Finsterwalde, 1. November 1923" verzeichnet. Für den Magistrat sind die Mitglieder Dr. Ostrowski / Wehle benannt. (wird fortgesetzt)