Eine Woche nach der Tat ist der mutmaßliche Mörder der elfjährigen Lena in Emden gefasst. Die kleine ostfriesische Stadt an der Ems atmet auf. Ein 18-Jähriger hat gestanden, das Mädchen getötet zu haben. Eine Woche lang gab es kein anderes Gesprächsthema - und nicht nur in Emden. "Jeder hat mich darauf angesprochen, ob in Greetsiel oder in Oldenburg", sagt ein Taxifahrer am Sonntag am Bahnhof der Stadt. "So einen Mord hat es hier seit Jahrzehnten nicht gegeben, alle waren total geschockt", sagt Gunda Saueressig. Die 35-Jährige, Mutter von vier Mädchen, ist erleichtert, dass "hoffentlich der Richtige geschnappt ist und nicht mehr frei rumläuft."

Viele Eltern haben seit dem Mord an Lena am 24. März ihre Mädchen zur Vorsicht gemahnt. "Ich habe mit meinen Mädchen am Parkhaus Blumen niedergelegt und ihnen gesagt, sie müssen wachsam sein", sagt Saueressig. Jeder in der Stadt habe sich hier sicher gefühlt, plötzlich sei alles anders gewesen.

Gegen den in Emden wohnenden 18-Jährigen bestehe "dringender Tatverdacht des Mordes zur Verdeckungsabsicht einer Sexualstraftat", sagt Oberstaatsanwalt Bernhard Südbeck am Sonntag. Nicht nur das Geständnis, auch der DNA-Abgleich mit Spuren am Tatort untermauern nach Angaben der Polizei die Täterschaft. Mithilfe der DNA-Spur könne dem Mann auch ein Überfall auf eine Joggerin im vergangenen Jahr in der Nähe des Parkhauses nachgewiesen werden.

Die schnelle Verhaftung des unschuldigen 17-Jährigen sei "im Rückblick als bedauerlich anzusehen", betont Südbeck. In der Stadt ist viel Mitleid für den zu Unrecht Verdächtigten zu spüren. "Die Eltern haben die Hölle mitgemacht", sagt der Taxifahrer und berichtet von Belagerungen des Hauses. "Ich hoffe, dass die Facebook-Verrückten sich jetzt entschuldigen." Nach seiner Festnahme am Dienstag waren Hassparolen und Lynchaufrufe gegen den 17-Jährigen im Internet aufgetaucht.