Rappelvoll war der Sitzungssaal im Rathaus der Kreisstadt. Rund 70 ehemalige Mitarbeiter, Zeitzeugen und interessierte Bürger waren gekommen. Viele von ihnen finden sich und ihre Schilderungen im Buch wieder. Ohne die Hilfe und Unterstützung zahlreicher Zeitzeugen wäre die Chronik so nicht möglich gewesen. Rolf Ebert dankte ihnen namentlich während der Präsentation, und er spickte seinen Vortrag mit der jeweils ganz eigenen Geschichte. Heidemarie Schott etwa habe „einen dicken Hefter“ mit Material der Wendezeit zur Verfügung gestellt. „Die dortigen Infos sind Gold wert, weil sie in Archiven nicht vorhanden sind“, sagt Ebert. Er dankte auch Astrid Jank, „die wertvolle Erinnerungen geliefert hat“. Jürgen Stephan habe technische Abläufe im Trikotagenwerk erläutert.

Der Heimathistoriker hatte zwar die Idee für das Buch, das aber ohne Detailwissen der Textilarbeiter so nicht möglich gewesen wäre. Erika Köhler habe seine chronistische Arbeit zehn Jahre lang unterstützt. Herausgekommen ist ein 450 Seiten starkes Werk mit vielen Bildern. Es erinnert an die Entstehung, Entwicklung, Leistungsfähigkeit und Schließung des Lübbener Trikotagenwerks. Die Idee für eine Chronologie des Werks ist nicht neu, wie Rolf Ebert erzählt. Schon 1976 sei davon die Rede gewesen. Damals habe er als Klassenleiter mit einer Schulklasse den Betrieb in der heutigen Logenstraße besucht. Und in Folge vergeblich auf die angekündigte Werkschronik gewartet.

Der Heimathistoriker hat sich also selbst auf den Weg gemacht, in Archiven gekramt, Zeitzeugen um Hilfe gebeten. Monika Geißler habe ihm Anfang 2000 umfangreiches Material zur Verfügung gestellt, darunter auch Arbeitsnachweise.

Im Kreisarchiv sei er auf „einen Packen Papier gestoßen, der 40 Jahre lang nicht geöffnet wurde und Schreiben des früheren Werkleiters an seine Mitarbeiter im Zweiten Weltkrieg enthielt“. Rolf Ebert ist dankbar dafür, „dass so viele Menschen mit mir den steinigen Weg bis hin zum Buch gegangen sind“. Einige Zeitzeugen seien ihm zufolge inzwischen verstorben und haben die Fertigstellung der Betriebschronik nicht mehr erlebt. Sie ist unter anderem im Heimat-Verlag Lübben erhältlich.