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Regionale Wirtschaft

Spreewälder Bauern gegen Gen-Anbau

Das neue Gentechnikgesetz ist 42 Landwirten der Region nicht genug. Mit einer Selbstverpflichtung schlossen sie sich zum Arbeitskreis "Gentechnikfreier Spreewald" zusammen. Dazu gehören nicht nur Öko-Bauern, sondern auch konventionelle Betriebe. Doch selbst in den Arbeitskreis-Reihen wollen sich nicht alle der Gentechnik verschließen. "Noch ist es nicht gewollt von uns, aber wir bleiben offen", sagt Thomas Goebel, Vorsitzender des Bauernverbandes Niederlausitz-Spreewald. Erprobungsfelder wie in Guben (Spree-Neiße) und Leippe-Torno (Kamenz) sollen zunächst Erkenntnisse über den Freilandanbau bringen.
24.02.2005

"Gentechnikfreie Zone" steht auf einem weißen Schild, das seicht im Abendwind schaukelt. Gleich darüber weist ein Pfeil den Weg zum Hofladen. Auf dem Gut Ogrosen herrscht idyllisches Landleben. Vor 14 Jahren hat Heiner Lütke Schwienhorst gemeinsam mit seiner Frau Toni den Öko-Hof gegründet. Seine Einstellung ist unmissverständlich. Ein Anstecker an seinem abgetragenen grauen Wollpulli verkündet: "Genfood? Nein danke". So gehört auch das Gut Ogrosen zum Arbeitskreis "Gentechnikfreier Spreewald".

Als Biobetrieb muss sich Lütke Schwienhorst gegen genetisch veränderte Organismen (GVO) – wie es im Fachjargon heißt – schützen. Wird seinen Produkten eine Verunreinigung von mehr als 0,9 Prozent nachgewiesen, wird er "un-bio", wie er bei einer Tasse Kräutertee erklärt. Damit wäre seine Existenz verloren.

"Der Anbau von GVO ist unausgereift und gefährlich", sagt er. Das Gentechnikgesetz reiche nicht als Schutz: "Wir halten die vorgesehenen Abstandsflächen für zu gering." Dabei gibt es bislang unterschiedliche Angaben, meist sei von 500 Metern die Rede. Lütke Schwienhorst hält dagegen: "Wir haben jetzt die Chance, mit dem Nichteinsatz von GVO ein Produkt zu schaffen, für das es eine besondere Nachfrage gibt." Für den Spreewald wäre der Gen-Anbau eine Sünde. "Das unverwüstliche Qualitätsmerkmal 'Spreewald' kann dadurch kaputt gemacht werden."

Für Gentechnik auch offen

Differenzierter sieht das Thomas Goebel vom Bauernverband. Er ist zudem Geschäftsführer der Göritzer Agrar GmbH, die auf 1700 Hektar Feld- und Gemüsepflanzen anbaut. Auch sein Betrieb ist im Arbeitskreis "Gentechnikfreier Spreewald". "Das ist eine Imagefrage", sagt der Geschäftsführer. Doch der Landwirt sagt auch: "Wir werden uns in Zukunft der Gentechnik nicht verschließen. Wenn uns der ökonomische Druck dazu zwingt und die Verbraucher diese Produkte auch kaufen, werden wir uns diese Entwicklung nicht verbauen." Die Selbstverpflichtung des Arbeitskreises, keine GVO anzubauen, ist auf ein Jahr beschränkt und wird immer wieder verlängert.

Unter den derzeitigen Bedingungen ist für Goebel der Gen-Anbau undenkbar. "Es gibt keine Versicherung", sagt er. Und meint damit, dass die Landwirte, die Gentechnik anwenden, für Verunreinigungen gentechnikfreier Betriebe haften – unabhängig von jedweder Schuld. So sagt es das Gentechnikgesetz. Genau aus diesem Grund rät auch der Sächsische Landesbauernverband (SLB) derzeit vom Gen-Anbau ab. "Die Genpflanzenzüchter übernehmen nicht die Haftung für die Landwirte, obwohl sie den wirtschaftlichen Hintergrund dafür hätten", kritisiert SLB-Sprecher Manfred Böhm. Zudem seien derzeit die ökonomischen Vorteile des Gen-Anbaus minimal. "Das liegt vor allem an den höheren Preisen für das Saatgut. Außerdem begeben sich die Landwirte stark in Abhängigkeit der Genpflanzenhersteller."

Die 42 Betriebe in dem Arbeitskreis "Gentechnikfreier Spreewald" bewirtschaften eine Gesamtfläche von 24 000 Hektar. "Das ist etwas weniger als ein Sechstel des Wirtschaftsraumes Spreewald", sagt Michael Petschick, Referatsleiter Landwirtschaft im Biosphärenreservat Spreewald. Noch sei die erklärte genfreie Zone ein "Flickenteppich". "Wir wollen aber eine Flächenvernetzung. Die Zone muss geschlossen sein, ansonsten ist die Gefahr der Vermischung gegeben", so Petschick. "Gentechnik kann auch in der Forstwirtschaft oder der Fischzucht angewendet werden."

Entscheidung an der Ladentheke

Dann wird Michael Petschick penibel: "Eigentlich müssten wir von gentechnikfreiem Anbau im Spreewald sprechen, denn den Supermärkten können wir nicht verbieten, gentechnisch veränderte Produkte ins Regal zu stellen." Bio-Bauer Heiner Lütke Schwienhorst weiß: "Die Entscheidung über den Gen-Anbau wird an der Ladentheke gefällt."

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Hintergrund

Anbauflächen für Genmais in der Region

Öffentliches Bundesregister: Mit dem neuen Gentechnikgesetz werden erstmals bundesweit alle Standorte registriert, an denen genetisch veränderte Pflanzen angebaut werden.

In Brandenburg sind 22 Genmais-Felder mit einer Anbaufläche von rund 475 Hektar geplant. Damit liegt jeder vierte der bundesweit 92 Anbaustandorte im Berliner Umland. Die Felder liegen in Guben (Spree-Neiße), Seelow, Gusow, Neurebbin (Märkisch Oderland) und Liebenwalde (Oderhavel).

In Sachsen sind zehn Genmais-Felder mit einer Fläche von rund 165 Hektar registriert. Allein vier Felder sind bei Leippe-Torno (Kamenz) geplant. Weitere Anbauflächen sind in Hasselbachtal und Oberlichtenau (Kamenz), Zabeltitz, Wildenhain (Riesa-Großenhain), Weißnaußlitz (Bautzen) und Arzberg (Torgau-Oschatz) vorgesehen.

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Peggy Kompalla
 
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