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Pfleger dringend gesucht

Hamburg Auf herbe Kritik ist Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bei Fachverbänden gestoßen, als sie den Einsatz von Hartz-IV-Empfängern vorschlug, um den Pflegekräftemangel zu begegnen. Flexibilität heißt das Schlüsselwort und ist Teil eines Zehnpunkte-Plans, den sich die 117 Häuser der Kursana, des nach eigenen Angaben größten privaten Anbieters von Seniorenpflegeeinrichtungen in Deutschland, verordnet haben.

08.09.2010
In den nächsten Jahren wird sich der Fachkräftemangel im Pflegebereich dramatisch verschärfen, warnen Verbände. Große Unternehmen wie Kursana entwickeln eigene Strategien. Foto: dpa
Foto: dpa
Erst kürzlich hatte Bärbel Eickhoff, Direktorin der Kursana-Seniorenrresidenz in Hamburg-Niendorf, einige Fachkräfte an Standorte der Gruppe in Bayern und Baden-Württemberg »ausgeliehen«. Beim Personalmangel im Pflegebereich gibt es ein deutliches Nord-Süd-Gefälle, sagen Branchenvertreter. Im Süden scheiden Mitarbeiter schneller aus dem Pflegebereich aus, wenn sich andere Möglichkeiten auf dem Arbeitsmarkt bieten.

»Schon jetzt fehlen für die schätzungsweise rund 2,2 Millionen Pflegebedürftigen rund 10 000 Pflegefachkräfte. In den nächsten zehn Jahren werden mehr als 77 000 zusätzliche Fachkräfte benötigt, um dem demografischen Wandel nur halbwegs Rechnung tragen zu können«, sagt Thomas Greiner, Vorstandsvorsitzender der Dussmann-Gruppe, zu der auch die Kursana-Pflegeheime in Guben und Forst (Spree-Neiße) und Weißwasser (Kreis Görlitz) gehören.

Teil seines Zehnpunkte-Plans ist eine flexible Gestaltung des Personaleinsatzes. So werden Mitarbeiter quasi als »Springer« für kurze Zeit an Schwesterhäuser »ausgeliehen«. »Inzwischen bauen wir bewusst einen entsprechenden Pool auf und versuchen bereits bei der Einstellung gezielt Leute zu gewinnen, die gern reisen«, sagt Greiner.

Von der Idee der Bundeskanzlerin, Harz-IV-Empfänger in Pflegeberufe zu bringen, hält Greiner, der auch Vorsitzender des Arbeitgeberverbands Pflege ist, nicht viel: »Möchten Sie etwa von jemandem gepflegt werden, der zwangsverpflichtet wurde und gar keine Lust dazu hat?« Hilfreich könnten Umschulungsmaßnahmen und Weiterqualifizierung sein. Kursana versucht, die Leute länger im Beruf zu halten. Durchschnittlich arbeite ein Mitarbeiter nicht länger als sieben Jahre in der Pflege. Mittelfristig will Greiner die Zahl der Auszubildenden von 100 auf 400 erhöhen. Kein leichtes Unterfangen bei dem Image, das die Branche derzeit hat, weiß der Unternehmenslenker. »Wir brauchen auch Leute aus anderen Ländern, Erleichterungen bei der Anerkennung der im Heimatland erworbenen Qualifikation und weniger bürokratische Auflagen«, sagt Greiner. Denn dass die Zeiten, in denen sich Schulabgänger von sich aus bei ihr beworben haben, vorbei sind, spürt auch Direktorin Bärbel Eickhoff.
Von Karolin Köcher
 
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