Marketing fast ohne Unternehmer
Was ist die Lausitz? Die Teilnehmer einer Umfrage in den alten Bundesländern sollen diesen Begriff spontan mit dem Fußballclub Energie und der Wetterkarte verbunden haben. Das jedenfalls berichtete die Lausitz-Spreewald-Regionalmanagerin Dr. Christina Eisenberg gestern auf dem 9.
11.07.2008
Südbrandenburger Wirtschaftstag in Cottbus. Der war, weil das natürlich nicht so stehen bleiben kann, vom Regionalmanagement diesmal unter das Thema «Marketing mehr als Werbung?» gestellt worden.
Also raffte der Potsdamer Universitätsprofessor Ingo Balderjahn «vier Semester Ausbildung» in einen 30-minütigen Marketing-Vortrag. Und das Potsdamer Wirtschaftsministerium machte, was es unbeeindruckt vom jeweiligen Thema immer macht: Es stellte Förderinstrumentarien vor, diesmal durch seinen Amtschef Michael Richter zur Außenwirtschaft. Hinzu kam wieder der thematische Schwerpunkt Vattenfall.
Von Balderjahn war zu lernen, dass Marketing sehr viel mehr ist als Werbung.
Es ist, basierend auf Marktanalysen, ein komplexes Führungskonzept zur «Schaffung eines einzigartigen Kundennutzens» . Dabei müssen innovative Ziele zielgruppenorientiert realisiert werden und am Ende Produkt, Preis, Kommunikation (Werbung) und Vertrieb eine stimmige Einheit bilden.
Die Lausitzer Unternehmer hätten durchaus einiges erfahren können, beispielsweise über den Wert einer guten Marke. Denn «starke Marken schaffen Werte» , betonte Holger Rieß von der Nürnberger Kommunikationsagentur portamundi. Allein, von den Lausitzer Unternehmern waren auf dem Wirtschaftstag nicht viele zu sehen. Bis zur Pause hatten sich 163 Teilnehmer registrieren lassen. Davon kamen nur 33 aus dem produzierenden Gewerbe (inklusive einiger Ingenieurfirmen), von diesen wiederum waren mindestens zehn vom gastgebenden Energiekonzern Vattenfall.
Der nutzte die Gunst der Stunde für sein Unternehmensmarketing. Vorstandsmitglied Dr.
Hartmuth Zeiß schilderte, vor welchen Problemen Vattenfall hinsichtlich der Akzeptanz von Kohlekraftwerken und Tagebauen steht. Der Konzern hält es für außerordentlich wichtig, sich Reizthemen wie Strompreise, Klima, CO 2 -Speicherung, Kernkraftwerksstörungen sowie Tagebau Cottbus Nord zu stellen. Verlässliche Unternehmensstrategie, langfristige Planungen, sozialverträgliche Umsiedlungen, nachhaltige Rekultivierung und konsequente Technologieentwicklung – das alles sind Teile des Führungskonzepts. Vor allem komme es darauf an, das Gespräch mit den Menschen über das komplexe Thema der Zukunft der Energiewirtschaft zu suchen und dabei glaubwürdig zu sein, sagte Zeiß.
Auch das Umfeld hat dabei Reserven. «Die Energieregion Lausitz muss noch mit Leben erfüllt werden» , räumte Eisenberg ein.
Rolf Bartonek
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