In Brandenburg gibt es bei den Ver- und Entsorgerpreisen für Wasser, Fernwärme, Strom und Müll große regionale Unterschiede. Das geht aus einer gestern vom Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU) vorgelegten Analyse hervor. Bei Müllentsorgung, Straßenreinigung sowie Wasserver- und Abwasserentsorgung gebe es die größten Differenzen, sagte BBU-Vorstandsmitglied Ludwig Burkardt in Potsdam. Die erweiterte Preisdatenbank für Brandenburg umfasst Angaben aus 62 statt bislang 30 Städten des Landes.
01.06.2007
Der größte Wohnungswirtschaftsverband der Hauptstadtregion Berlin-Brandenburg untermauert mit seiner gestern vorgestellten erweiterten Preisdatenbank seine bereits im Februar erhobenen Vorwürfe gegen Ver- und Entsorgungsunternehmen. Diese würden mit stetigen Preissteigerungen die Modernisierungserfolge der Wohnungswirtschaft aufzehren. «Im Sinne unserer Mieter muss sich hier etwas tun. Lokale Monopole dürfen ihre Stellung nicht zur Erzielung von Monopolrenditen ausnutzen» , sagte Burkardt. Dem BBU zufolge haben die 365 Wohnungswirtschaftsunternehmen des Verbandes in Berlin und Brandenburg seit 1991 mehr als 36 Milliarden Euro investiert. Dadurch sei unter anderem der Heizenergiebedarf in den Beständen seit 1990 bis heute um rund 20 Prozent zurückgegangen. Die Mieter hätten davon aber kaum profitieren können, «weil die Preissteigerungen bei Heizenergieträgern den Großteil dieser Erfolge aufgezehrt haben» , kritisierte Burkardt. Das gelte auch für Wasser und Abwasser sowie für die Müllentsorgung.
Müll in Perleberg am teuersten Der teuerste Müllentsorger im Land Brandenburg (Perleberg) verlangt laut BBU 72,25 Euro pro Kubikmeter, der billigste (Wriezen) 19,41 Euro. Das ergibt eine Differenz von 52,84 Euro oder gut 270 Prozent. «Damit ist bei einem durchschnittlichen Müllaufkommen die Entsorgung für einen Zwei-Personen-Haushalt in Perleberg pro Jahr knapp 224 Euro teurer als in Wriezen» , erläuterte Burkardt. Da stelle sich die Frage, wie das sein kann. Im Durchschnitt des Landes Brandenburg kostet die Müllentsorgung nach Berechnungen des BBU 46,79 Euro pro Kubikmeter. Davon weichen die Südbrandenburger Städte Forst, Guben und Spremberg (Spree-Neiße) mit jeweils 53,63 Euro deutlich ab. Brandenburgweit sind sie damit die Viertteuersten. Unter dem Durchschnitt und jeweils auf Platz acht von 18 liegen die Städte Bad Liebenwerda, Elsterwerda, Finsterwalde und Herzberg (Elbe-Elster) sowie Großrä-schen, Lauchhammer, Schwarzheide und Senftenberg (Oberspreewald-Lausitz) mit je 46,36 Euro pro Kubikmeter Müll. Im Vergleich am preiswertesten in Südbrandenburg ist die Entsorgung in Cottbus mit einem Kubikmeterpreis von 36,44 Euro. Bei den Wasser- und Abwasserkosten seien die Spannen zwischen dem teuersten und dem günstigsten Anbieter im Vergleich zum Februar größer geworden, erläuterte Burkardt. «Die neu aufgenommene Stadt Luckau hat mit 7,60 Euro je Kubikmeter den bisherigen Spitzenreiter Oranienburg klar vom ersten Platz verdrängt. Zu Lübbenau, Calau und Vetschau mit den günstigsten Wasserpreisen besteht eine Differenz von rund 120 Prozent.» Zweitteuerste Stadt ist Spremberg (Spree-Neiße) mit 7,10 Euro pro Kubikmeter Trink- und Abwasser. Der Brandenburger Durchschnitt beträgt 5,12 Euro. Darunter liegen in Südbrandenburg die Städte Finsterwalde (Elbe-Elster) mit 5,04 Euro pro Kubikmeter sowie Forst (4,55 Euro) und Lübben (4,13 Euro). In den preisgünstigsten Städten Calau, Lübbenau und Vetschau sind jeweils 3,46 Euro zu zahlen. Bei der Fernwärmeversorgung ist nach wie vor Hennigsdorf am teuersten. Hier werden 123,49 Euro pro Megawattstunde (MWh) verlangt. Das sind gut 100 Prozent mehr als in Spremberg, wo Fernwärme mit 61,21 Euro/MWh am günstigsten ist. Bei Gas ist die Stadt Cottbus mit 68,47 Euro je MWh die teuerste, während die Megawattstunde am günstigsten Standort (Templin) mit 53,49 Euro 14,98 Euro billiger ist.
Hohe Strompreise in Südbrandenburg Bei den Stromkosten ermittelte der BBU Preisdifferenzen von 45,34 Euro je Megawattstunde oder 23 Prozent zwischen dem teuersten und dem günstigsten Anbieter. «Bei einem Durchschnittsverbrauch von 2,5 Megawattstunden je Haushalt und Jahr sind das gut 112 Euro Unterschied» , sagte Burkhardt. Der Durchschnitt des Landes Brandenburg liegt bei 226,30 Euro je MWh. Der teuerste Anbieter verlangt 241,12 Euro/MWh. Betroffen sind nach BBU-Angaben die Mieter in Bad Liebenwerda und Elsterwerda (Elbe-Elster), in Calau, Großräschen, Lauchhammer, Schwarzheide und Vetschau (Oberspreewald-Lausitz) sowie in Lübben und Luckau (Dahme-Spreewald) und in Guben (Spree-Neiße). Am preisgünstigsten ist Strom in Strausberg (195,78 Euro/MWh). Zu den günstigen Südbrandenburger Städten gehören Senftenberg mit 203,69 Euro je MWh sowie Finsterwalde (206,64 Euro/MWh) und Lübbenau (212,61 Euro/MWh) Der Verband hat nach eigenen Angaben über 6,5 Millionen Daten zu Betriebskosten von Wohnungen in Berlin und Brandenburg ausgewertet und weist darauf hin, dass es sich bei allen Preisen um Bruttomischpreise handelt, die für ein Musterobjekt errechnet worden sind. Dabei handelt es sich um ein Mehrfamilienhaus mit 30 Wohnungen und 2000 Quadratmetern Gesamtwohnfläche. Beim Strom wurde der Tarif des günstigsten lokalen Versorgers aufgenommen, beim Gas Angaben der BBU-Unternehmen und der Versorger. Von Beate Möschl