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Regionale Wirtschaft

Dresdner Software erkennt weltweit Gesichter

„Big brother is watching you“ – in vielen Lebenslagen wird der Mensch heute von elektronischen Überwachungskameras erfasst. Videoüberwachung findet sich in Kaufhäusern, Supermärkten und Banken ebenso wie auf Bahnhöfen, Flughäfen und in Fußballstadien. Das wichtigste Ziel: die elektronische Identifizierung von Gesichtern. Dafür liefert seit einigen Jahren die Dresdner Firma Cognitec Systems GmbH hochwertige Software und hat sich damit weltweit einen Namen gemacht.

08.06.2005
Cognitec ist nach Angaben von Vizepräsident Jürgen Pampus 1995 aus der Dresdner Niederlassung von Siemens-Nixdorf hervorgegangen. Nach der Liquidation von Siemens-Nixdorf wurde dieser Spezialbereich an Plettac Electronic verkauft, für deren Überwachungskameras die Dresdner Software entwickelten. 2002 folgte mithilfe eines westdeutschen Investors der Sprung in die Selbstständigkeit. Heute hat Cognitec 25 Mitarbeiter und eine Niederlassung in den USA. 2004 wurden zwei Millionen Euro umgesetzt, die Firma schreibt nach eigenen Angaben seit zwei Jahren schwarze Zahlen, die genaue Höhe wird jedoch nicht genannt.
Erste Kunden waren Pampus zufolge Großunternehmen wie Infineon und Siemens, die für ihre sicherheitsrelevanten Bereiche eine biometrische Identifizierung als Zutrittskontrolle benötigten. Die Chipkarte allein genügte nicht mehr. Zu groß war die Gefahr, dass sich Unbefugte mit geliehenen oder gestohlenen Karten Zutritt verschaffen. Cognitec-Software identifizierte die Mitarbeiter und anderen Zutrittsberechtigten am Gesicht, das genau wie der Fingerabdruck bei jedem Menschen einmalig ist.
Vor drei Jahren kamen als zweites Standbein Kontrollgeräte für Grenzübergänge hinzu. Cognitec entwickelte nach eigenen Angaben das erste System weltweit zur biometrischen Identifikation von Passagieren auf Flughäfen. Auslöser war der 11. September 2002 und die verstärkte Jagd auf potenzielle Terroristen. Dieses System wurde mittlerweile weiterentwickelt. Die neuen EU-Pässe enthalten künftig spezielle Passfotos, von denen man elektronisch die wichtigsten Gesichtsmerkmale ablesen kann.

Hooligan-Identifizierung in Stadien
Drittes Standbein ist die Videoüberwachung. Ein Einsatzgebiet sind Fußballstadien, wo die Besucher von Kameras erfasst werden. Das Bild der Fans wird mit Datenbanken verglichen. Dadurch sollen Hooligans bereits vor dem Stadion abgefangen werden. Der Einsatz in Kaufhäusern etwa zur Jagd auf serienmäßige Langfinger, auf Bahn- und Flughäfen kommt hinzu.
Die Datenbanksuchsysteme etwa beim Bundesverwaltungsamt sind mittlerweile das vierte Standbein. So können Visaantragsteller auf eventuelle „schwarze Schafe“ hin überprüft werden. Da solche Systeme derzeit weltweit eingerichtet werden, sei dies ein Wachstumsmarkt mit Steigerungsraten von bis zu 100 Prozent im Jahr, erläutert Pampus.

Hoffen auf vorsichtiges Wachstum
Datenschutzbedenken hat der Cognitec-Chef nicht: „Wir halten uns streng an die gesetzlichen Vorgaben.“ Das Dresdner Unternehmen entwickelt seine Software zwar im Kundenauftrag und installiert diese dann in deren Rechnern. Es gibt allerdings bis dahin keine Rechnerverbindung zu den Datenbanken vor Ort. Mit anderen Worten: Bei Cognitec werden keine sensiblen Daten gelesen und gespeichert.
Cognitec hofft dank der guten Marktlage auf ein „vorsichtiges Wachstum“. Am Elektronik-Standort Dresden soll auch weiterhin festgehalten werden. Da das Unternehmen sehr spezielle und nicht serienmäßige Software entwickelt, hofft Pampus, dass man sich auch künftig auf dem Weltmarkt gegen die Elektronik-Riesen behaupten kann.
Von Ernst W. Raymund
 
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