Donnerstag | 9. Februar | 21:34 Uhr
Such Icon

 
 
Schrift  
Panorama

Geprellte Anleger greifen zur Selbstjustiz

Traunstein Weil sie sich von ihrem Finanzberater um Millionen geprellt fühlten und zur Selbstjustiz griffen, müssen sich seit Montag vier Senioren vor dem Landgericht Traunstein verantworten.

09.02.2010
Die Staatsanwaltschaft wirft den zwei Männern und zwei Frauen vor, den zur Tatzeit 56-Jährigen aus Speyer entführt, mit dem Tod bedroht und um etwa 2,5 Millionen Euro erpresst zu haben.

Einer der Beschuldigten bestritt die Entführung.

Bei den Angeklagten im Alter von 60 bis 79 Jahren handelt es sich um zwei Ehepaare und einen früheren Mitarbeiter des Finanzberaters. Gegen einen der Ehemänner konnte der Prozess vorerst nicht eröffnet werden, da er erkrankt und nicht verhandlungsfähig ist. Hauptbeschuldigter ist ein 74-Jähriger. Dieser sagte dem Gericht zufolge am Montag aus, es habe sich nicht um eine Entführung gehandelt, sondern der Mann sei von ihnen zu einem „Urlaub“ in Oberbayern eingeladen worden.

Die zwei Ehepaare besitzen im US-Bundesstaat Florida Häuser und kamen dort mit ihrem späteren Opfer in Kontakt, auf dessen Anraten sie 1,4 Millionen US-Dollar anlegten. Der Berater hatte zunächst regelmäßig Zinsen für das Geld gezahlt, im Zuge der US-Immobilienkrise aber plötzlich nicht mehr. Der ehemalige Mitarbeiter hatte nach eigener Auffassung noch Geldansprüche an seinen Ex-Chef. Laut Anklage fassten die fünf gemeinsam den Entschluss, den deutsch-amerikanischen Berater zu entführen, da sie keine legale Möglichkeit besaßen, an ihr Geld zu kommen.

Zwei Rippen gebrochen

Am 16. Januar, dem Tag der Entführung, fuhren der 74-jährige Manfred K. und der 60-jährige Wilhelm D. zum Haus ihres Opfers in Speyer. Sie lauerten diesem der Anklage zufolge dort auf, fesselten ihn und verklebten seinen Mund mit Isolierband. Mit einer Sackkarre brachten die zwei Männer ihr Opfer demnach in einer aus Umzugskartons selbst gebauten Kiste ins Auto und legten diese in den Kofferraum. Bei einem Fluchtversuch während einer Rast schlug der 74-jährige K. laut Anklage so fest auf sein Opfer ein, dass diesem zwei Rippen brachen.

Drei Tage sollen die Angeklagten ihr Opfer in Chieming am Chiemsee dann in einem vorab präparierten Kellerraum gefangengehalten haben. In dieser Zeit habe sich der Finanzberater „einer Art Femegericht“ stellen müssen, in dem ihm klar gemacht worden sei, dass er umgerechnet etwa 2,5 Millionen Euro zahlen müsse. Dabei hätten alle Angeklagten im Halbkreis um das Entführungsopfer gesessen, in einem Wandregal habe eine durchgeladene Pistole Walter PPK griffbereit gelegen. K. habe dem Mann dann klargemacht, dass er umgebracht werde, wenn er nicht zahle.

Der verängstigte Mann wies der Anklage zufolge tatsächlich seine Banken zur Auszahlung hoher Summen an. Auf einen Überweisungsträger schrieb er allerdings „Sell 100 Call Pol.ICE – bitte heute!“. Der Bankmitarbeiter entschlüsselte die Aufforderung und alarmierte die Polizei, die den Mann befreite. Sollten die Beschuldigten wegen Geiselnahme und gefährlicher Körperverletzung verurteilt werden, drohen ihnen mindestens fünf Jahre Haft. Gegen den Anlageberater läuft wegen Betruges ein Verfahren. AFP/fxe

AFP/fxe
 
Lesen Sie täglich mehr in der Lausitzer Rundschau oder werden Sie ePaper-Abonnent. Jetzt hier bestellen...
Video
   

 
Jüngste Kommentare
Zu diesem Artikel sind noch keine Beiträge vorhanden
Überschrift max. 70 Zeichen
grinsen zwinkern traurig
Meine Meinung
Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie eingeloggt sein.

Benutzername  
Passwort  
     

Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie eingeloggt sein.
Sie haben noch keinen eigenen Account: Füllen Sie bitte die notwendigen Daten für eine Registrierung aus. Sie werden dann automatisch eingeloggt und ihr Beitrag wird gespeichert.

Geben Sie bitte folgende Daten ein, um sich zu registrieren und Ihren Kommentar zu speichern. Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet, und nicht ohne Ihre Zustimmung an Dritte weitergegeben werden!


gewünschter Benutzername:
gewünschtes Passwort:
Wiederholung Passwort:
Email:


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Was ist weiß: Milch oder Kaffee?: 
Was ist Twingly? Mehr über die Blog-Suche mit Twingly.
Such Icon