Nur erschöpft oder wirklich krank?
Zur Begriffsverwirrung von Depression und Burnout
Sie werden schnell in einem Atemzug genannt, doch die Unterschiede zwischen einer Depression und dem, was als „Burnout“ bezeichnet wird, sind grundsätzlicher Natur. Und doch gibt es auch Gemeinsamkeiten. Drei Fragen an Prof. Dr. Ulrich Hegerl, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Deutsche Depressionshilfe:
Wo liegen die Unterschiede zwischen einer Depression und einem Burnout?
Prof. Hegerl: Von Depression spricht man, wenn Krankheitszeichen wie tiefsitzende Freudlosigkeit, Schwunglosigkeit, gedrückte Stimmung, Schuldgefühle, Schlafstörungen, Appetitstörungen, Hoffnungslosigkeit und einige andere für mindestens zwei Wochen vorliegen. Allgemein akzeptierte Kriterien für die Diagnose „Burnout“ existieren hingegen nicht. Oft ist damit „nur“ eine Erschöpfung wegen Überarbeitung gemeint. Dann hilft meist ein Urlaub und kürzer zu treten. Versteckt sich aber eine nicht erkannte Depression hinter dem klangvollen Namen „Burnout“, ist das irreführend und kann sogar gefährlich werden. Beispiel: Bei einer Depression ist langer Schlaf eher depressionsfördernd und Schlafentzug ein etabliertes Behandlungsverfahren. Auch ist dringend davon abzuraten, mit einer depressiven Erkrankung in den Urlaub zu fahren. Denn die Depression reist mit, und der seelische Zustand wird in der fremden Umgebung als noch unerträglicher erlebt.
Warum wird dann beides häufig in einen Topf geworfen?
„Burnout“ passt zur Lebenswirklichkeit vieler Menschen. Sie fühlen sich erschöpft und von dem Begriff angesprochen. Zudem gilt ein Burnout als in der Leistungsgesellschaft eher akzeptiert. Ein depressiv Erkrankter fühlt sich zwar auch erschöpft, es kommen aber weitere Krankheitszeichen hinzu. Zudem ist die Ursache meist nicht eine Arbeitsüberlastung sondern vielleicht ein Partnerschaftskonflikt oder ein Verlusterlebnis. Selbst positive Veränderungen im Leben wie ein Umzug, eine bestandene Prüfung oder eine Beförderung können Auslöser sein. Doch in vielen Fällen lässt sich gar kein Auslöser der Erkrankung identifizieren.
Was raten Sie Betroffenen?
Bei anhaltendem Erschöpfungsgefühl und Verlust der Lebensfreude sollte die Diagnose von einem Arzt gestellt werden. Hier ist neben dem Hausarzt der Nervenarzt oder Psychiater zuständig. Hinter Erschöpfungszuständen können auch Erkrankungen wie Schilddrüsenfunktionsstörungen oder chronische Infektionen stecken.
Die Stiftung Deutsche Depressionshilfe hat sich zum Ziel gesetzt, die Situation depressiv erkrankter Menschen zu verbessern. Sie fördert die Erforschung der Krankheit, bietet Betroffenen schnelle und kompetente Hilfe bei der Suche nach einer optimalen Behandlung an und verhilft dem Thema zu mehr Akzeptanz in der Gesellschaft. Auf der Internetseite der Stiftung finden Erkrankte und Angehörige wichtige Informationen, Kontaktadressen sowie die Möglichkeit, Informationsmaterial zu bestellen. Das Angebot umfasst auch eine Übersicht über regionale Beratungsstellen, Selbsthilfegruppen und Ansprechpartner im gesamten Bundesgebiet. Zur Finanzierung ihrer Arbeit ist die gemeinnützige Stiftung nicht zuletzt auf Spenden angewiesen. Wie Sie die Stiftung konkret unterstützen können, erfahren sie ebenfalls unter www.deutsche-depressionshilfe.de.
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Harald Schmidt, Schrimherr der Stiftung Deutsche Depressionshilfe |
Erstellt am: 09. Februar 2012, 15:40 Uhr
Geändert am: 09. Februar 2012, 16:11 Uhr
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