Tarifwechsel mit Fallstricken
Die Preise für Internet und Handy fallen ständig. Es vergeht kaum eine Woche, in der DSL-Provider und Mobilfunkanbieter nicht mit neuen Niedrigstpreisen um die Gunst der Kunden werben. Das freut die Wechselwilligen. Nur wer mitten in der Vertragslaufzeit steckt, hat meist wenig von den erneuten Kostensenkungen. Einen vorzeitigen Wechsel des Tarifs müssen sich Bestandskunden in der Regel durch eine Vertragsverlängerung erkaufen.
Kunde muss sich erneut binden
Dafür berechnet E-Plus jedoch eine einmalige Gebühr von 24,95 Euro. Keine Gebühr wird fällig, wenn der Kunde vom kleineren in das größere Paket wechselt. Es gibt aber noch einen Haken: „Grundsätzlich ist der Tarifwechsel mit einer Vertragsverlängerung verbunden“, erklärt Müller. Das heißt, der Kunde bindet sich erneut für 24 Monate an den Anbieter. Das gilt auch für einen Tarifwechsel, den Kunden der E-Plus-Marke Base vollziehen. Hier ist der Wechsel jedoch frühestens nach 18 Monaten möglich.
Bei Vodafone würden entsprechende Kundenwünsche individuell geklärt, sagt Sprecher Heiko Witzke in Düsseldorf. „Wenn jemand erst eine Woche vorher unterschrieben hat, ist das natürlich schwierig für uns.“ Ist der Kunde schon länger bei Vodafone, stehe einem Tarifwechsel grundsätzlich nichts im Wege. Das sei dann meist auch kostenlos möglich, so Witzke. Und der Tarifwechsel gehe auch nicht zwangsläufig mit einer Verlängerung des Vertrages einher.
Der Wechsel innerhalb der Vertragslaufzeit sei ein „kompliziertes Thema“, sagt Albert Fetsch, Sprecher bei O2 in München. Handy-Kunden von O2 können frühestens vom 19. Monat an wechseln, das dann aber kostenlos – wofür jedoch wieder ein neuer Vertrag unterzeichnet werden muss. So lautet zumindest der Grundsatz: Wer früher den Tarif wechseln möchte, sollte laut Fetsch ruhig mal nachfragen, allerdings frühestens nach sechs Monaten. Ob O2 dann einem Wechsel zustimmt, und ob dabei eine Gebühr für den Kunden anfällt, sei abhängig vom Wert des subventionierten Handys.
Für das DSL-Angebot von O2 gilt das gleiche Prinzip. Da die DSL-Verträge jedoch nur eine Laufzeit von einem Jahr haben, kann hier schon früher gewechselt werden. Ein Upgrade ist jederzeit möglich und kostet nichts. Wer allerdings ein Downgrade will, also etwa von einer Bandbreite von acht auf vier Megabit pro Sekunde wechseln möchte, muss dafür eine Gebühr von 29 Euro zahlen.
Zum 4. Juni hatte die T-Com ihre DSL-Preise für Neukunden gesenkt. Seitdem bietet das Unternehmen DSL-Verträge nur noch mit einer Laufzeit von 24 Monaten an. Vorher musste der Kunde nur für ein Jahr unterzeichnen. Insgesamt gebe es die Vertragsbindung bei T-Com erst seit etwas mehr als einem Jahr, so ein Sprecher des Unternehmens in Bonn. Wer noch einen Vertrag aus der Zeit davor hat, kann ohnehin mit einer Frist von sechs Arbeitstagen zum Monatsende kündigen. Für die anderen gilt: Die T-Com gewährt den Tarifwechsel auch während des laufenden Vertrages – wenn ein neuer Vertrag unterzeichnet wird.
Der in Hamburg ansässige DSL-Anbieter Hansenet tat es T-Com mit seiner Marke Alice nach und senkte die Preise. Allerdings handele es sich bei dem Hansenet-Angebot um eine zeitlich begrenzte Aktion, so Sprecherin Sonja Schaub. Diese gelte nur für Neukunden. Ansonsten könnten die Kunden immer und ohne Einschränkung die Alice-Produkte wechseln. Für jeden Wechsel berechnet Hansenet eine Gebühr von zehn Euro. Viel schwerer darf es Hansenet seinen Kunden auch nicht machen, denn die haben eine im Vergleich zu vielen anderen Anbietern kurze Kündigungsfrist von einem Monat. So gesehen haben es Kunden bei Hansenet gut, sagt Dirk Malitzki von der Verbraucherzentrale Hamburg.
Rechtlich wenig Chancen
Wer einen Vertrag über ein oder zwei Jahre unterschrieben hat, habe schlechtere Karten, wenn es um Tarifänderungen während des laufenden Kontraktes geht. „Da haben Verbraucher rechtlich gesehen wenig Chancen“, sagt Thomas Lapp, ein auf das Recht der Informationstechnologie spezialisierter Rechtsanwalt in Frankfurt am Main.
Der Kunde ist auf die Kulanz des Anbieters angewiesen. Und die ist eben doch begrenzt, wenn der Kunde nicht willens ist, einen neuen Vertrag abzuschließen. „Da ist kaum etwas zu machen“, sagt Björn Brodersen, Tarifexperte beim Telekommunikationsportal teltarif.de in Berlin. Seine Erkenntnis stützt sich auch auf das tel tarif-Forum, in dem Verbraucher von entsprechenden Erfahrungen mit ihren DSL- oder Mobilfunkanbietern berichten. Dirk Malitzki bringt es auf den Punkt: „Kunden mit einem Zwei-Jahres-Vertrag haben Pech gehabt.“
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Artikel-Aktualisierungen:
Erstellt am: 04. Juli 2007, 00:00 Uhr
Geändert am: 01. August 2007, 02:32 Uhr
Autor: Von Sven Appel
