Die Ruhezeit verkürzt zwar im Gegensatz zur Sperrzeit nicht die Anspruchsdauer auf Arbeitslosengeld (Alg) I, sondern zögert lediglich den Leistungsbeginn hinaus. Dennoch kann eine längere Ruhezeit teuer werden, da Arbeitslose bis zum Beginn der Arbeitslosengeldzahlung nicht nur ihre Lebenshaltungskosten, sondern auch die Beiträge für die Kranken- und Pflegeversicherung einschließlich des Arbeitgeberanteils selbst zahlen müssen. Angesichts der fälligen Beiträge zwischen zwölf und 15 Prozent vom letzten Bruttogehalt ist dieser Posten keineswegs zu vernachlässigen.

Schwierige Berechnung
Wie lange der Ruhezeitraum dauert, ist nicht leicht zu berechnen. Bei Abschluss eines Aufhebungsvertrages ruht der Anspruch auf Arbeitslosengeld längstens bis zu dem Datum, zu dem eine fristgerechte Kündigung möglich gewesen wäre. Der Ruhezeitraum ist allerdings auf maximal ein Jahr begrenzt. Außerdem verkürzt sich der Ruhezeitraum, wenn die anrechenbare Abfindung niedriger ist als das Arbeitsentgelt, das der Arbeitnehmer normalerweise im Ruhezeitraum verdient hätte. Welcher Teil der Abfindung bei der Berechnung berücksichtigt wird, richtet sich sowohl nach dem Alter als auch der Dauer der Betriebszugehörigkeit. Die Regeln lassen sich im Merkblatt 17 der Bundesarbeitsagentur nachlesen (www.arbeitsagentur.de, Link Veröffentlichungen, Merkblätter).
Ausgangspunkt für die Berechnung des Ruhezeitraums ist die Kündigungsfrist, die bei einer ordentlichen Kündigung hätte eingehalten werden müssen. Ist die ordentliche Kündigung des Arbeitnehmers zeitweilig ausgeschlossen, etwa weil der Arbeitnehmer Betriebsratsmitglied ist, gilt für die Berechnung des Ruhezeitraums die Frist, die der Arbeitgeber bei der Kündigung eines vergleichbaren, nicht besonders geschützten Mitarbeiters hätte einhalten müssen. Ist eine Kündigung ausgeschlossen, geht die Arbeitsagentur von einer fiktiven Kündigungsfrist zwischen zwölf und 18 Monaten aus. Die Kündigungsfrist läuft ab dem ersten Tag nach Abschluss des Aufhebungsvertrags.
Hat beispielsweise ein kündbarer Arbeitnehmer eine Kündigungsfrist von sechs Monaten, schließt jedoch einen Aufhebungsvertrag mit einer Frist von zwei Monaten, ruht der Anspruch auf Arbeitslosengeld nach Vertragsauflösung für höchstens vier Monate. Um die tatsächliche Ruhedauer herauszufinden, muss in einem Zwischenschritt die Höhe der anrechenbaren Abfindung ermittelt werden. Der maximale Anrechnungsbetrag von 60 Prozent der Abfindung gilt für Arbeitnehmer unter 40 Jahren und weniger als fünf Jahren Betriebszugehörigkeit.

Geldanspruch ruht
Ältere und/oder länger im Betrieb Beschäftigte profitieren von einem geringeren Anteil, mindestens angerechnet werden aber 25 Prozent der Abfindung. Der Anspruch auf Arbeitslosengeld ruht nun bis zu dem Zeitpunkt, an dem das Arbeitsentgelt bei Weiterbeschäftigung so hoch gewesen wäre wie der anrechenbare Teil der Abfindung.
Ein Beispiel: Ein 45-jähriger Arbeitnehmer unterzeichnet nach zehn Jahren im Betrieb einen Aufhebungsvertrag und bekommt dafür eine Abfindung von 10 000 Euro. Der anrechenbare Teil der Abfindung beläuft sich auf 40 Pro zent beziehungsweise 4000 Euro. Zuletzt verdiente der Arbeitnehmer 3000 Euro brutto, entsprechend 100 Euro je Kalendertag. Die Abfindung ist rechnerisch nach 40 Tagen (4000 Euro dividiert durch den Tagesverdienst von 100 Euro) aufgebraucht, sodass auch die Ruhezeit 40 Tage nach Ende des Arbeitsverhältnisses ausläuft.