04. Februar 2012, 00:00 Uhr

Nicht jedes Gratiskonto ist auch kostenlos

Finanztest-Umfrage: 1610 Banken angeschrieben, etwa 800 antworteten / Nur 73 erfüllten Kriterien

Berlin Nur knapp fünf Prozent der Sparkassen und Genossenschaftsbanken bieten ihr Girokonto gratis an. Das ergab eine Umfrage der Zeitschrift Finanztest unter 1610 Banken, die in der aktuellen Ausgabe dokumentiert ist. Die Experten der Stiftung Warentest zeigen auch, wie Kunden günstigere Alternativen finden.

Angeblich kostenlose Konten sind oft an Bedingungen gebunden: etwa ein Mindestgeldeingang. Experten von Finanztest geben Tipps, wo und wie Verbraucher tatsächlich Gratiskonten finden. Foto: fotolia Foto: fotolia
Viele Bankkunden zahlen Gebühren für ihr Girokonto und obendrein hohe Dispozinsen. Ist es fehlende Konkurrenz oder Trägheit, die Kunden bei ihrer Bank hält? Finanztest wollte wissen, ob Bankkunden vor Ort ein Gratiskonto finden können. Der Test zeigte, dass das gar nicht so leicht ist. Vor allem, wenn die Kunden gelegentlich in eine Filiale gehen wollen, ist die Auswahl dürftig. Aber auch für sie gibt es Alternativen.



Nur ein Bruchteil erfüllt Kriterien. So viele Banken wie noch nie hat Finanztest gefragt, ob sie ein kostenloses Girokonto anbieten: Alle Banken in Deutschland, die Gehalts- und Rentenkonten anbieten – insgesamt 1610 – bekamen Post. Neben dem Gratiskonto fragten die Tester auch ab, wie viel die Bank verlangt, wenn fremde Kunden an ihren Automaten Geld abheben. Knapp über 800 Banken haben geantwortet. Viele gaben an, sie hätten ein kostenloses Girokonto. Die meisten waren Sparkassen und Genossenschaftsbanken. Nur ein Bruchteil davon bietet wirklich kostenlose Konten, nämlich 73 Sparkassen, Genossenschafts- und PSD-Banken sowie Groß- und Direktbanken.



Maßstab für „kostenlos“. Kostenlos heißt nach dem Maßstab von Finanztest, dass die Bank keine monatliche Kontoführungsgebühr verlangt, keine Kosten für die Girocard in Rechnung stellt und auf Vorgaben wie eine Mindesthöhe für den Geldeingang verzichtet. Ob der Kunde das Konto in der Filiale oder online oder per Telefon führen muss, spielt keine Rolle.

Vor allem bei den Sparkassen und den Volks- und Raiffeisenbanken ist es dem Test zufolge schwer, ein gebührenfreies Konto zu bekommen. Nur 20 Sparkassen erfüllen die Vorgaben mit einem ihrer Konten – von mehr als 300 Sparkassen, die geantwortet haben. Unter anderem ist auch die Sparkasse Spree-Neiße mit dem Online-Konto „Giro direct“ darunter. Bei den Volks- und Raiffeisenbanken fanden sich 44 Gratiskonten. Es gibt aber auch rund dreimal so viele Genossenschaftsbanken wie Sparkassen, schreibt Stiftung Warentest. Positiv erwähnt werden hier etwa die Dresdner Volksbank Raiffeisenbank mit dem „Privatkonto Direkt“ und die PSD Berlin-Brandenburg mit „Giro-Direkt“ .



Mehr Auswahl bei Onlinekonten. Größer wird die Auswahl für den, der sich entschließt, seine Bankgeschäfte nur per PC zu führen und auf einen Ansprechpartner vor Ort verzichtet. Finanztest hebt Onlinekonten vor allem für diejenigen hervor, die auf dem Land wohnen, und deren Auswahlmöglichkeiten an unterschiedlichen Banken dadurch eingeschränkt sind. Erste Überlegung wäre laut Finanztest die norisbank, die Direktbanktochter der Deutschen Bank. Das Girokonto ist kostenlos für alle Kunden mit Gehalts- oder Renteneingang, eine Höhe ist nicht vorgeschrieben. Kunden können das Konto online oder über die Filiale führen. Die norisbank hat bundesweit 91 Filialen. Auch Kunden, die sonst online agieren, können dort mal etwas klären.



Beim Bankwechsel an günstige Bargeld-Automaten denken. Neben dem Preis für ein Girokonto ist es wichtig, dass der Kunde ohne viel Mühe kostenlos an Bargeld kommt. Preisvorteile gehen sonst am Geldautomaten verloren. Kostenlos ist Geldabheben immer an den Automaten der eigenen Bank.



Sparkassen, Volksbanken und PSD-Banken mit dichtem Netz. Den Sparkassenkunden stehen bundesweit rund 25 700 Geldautomaten aller deutschen Sparkassen zur Verfügung. Besser geht es nicht.

Kunden der Volksbanken und der PSD Banken können immerhin an knapp 19 300 Automaten des Bankcard Servicenetzes der Volks- oder Raiffeisenbanken kostenlos Geld abheben.



Überregionale Groß- und Direktbanken mit kleinerem Automaten-Pool. Ein Konto bei einer der überregionalen Groß- und Direktbanken bringt dagegen Einschränkungen. Das Automatennetz Cash Group hat rund 9000 Geldautomaten. Dazu gehören Großbanken und ihre Direktbanktöchter wie die Berliner Bank, Commerzbank (comdirect), Deutsche Bank (norisbank), Hypovereinsbank und Postbank. Ähnlich heißt das zweite Netz, der Cashpool, dessen Stamm Targobank, Santander Consumer Bank und die Sparda-Banken bilden. Dieser Pool hat nur 2800 Geldautomaten.

Banken wie die Ing-Diba und Wüstenrot Bank erweitern die Abhebemöglichkeiten, indem sie zum Girokonto eine Visa-Kreditkarte ausgeben. Ihre Kunden erhalten an allen Automaten mit Visa-Zeichen kostenlos Geld – das sind 50 000 Geräte in Deutschland.



Achtung beimFremdabheben“: günstig bis extrem teuer. Wenn Verbraucher außerhalb des Automatenverbundes ihrer Bank Geld ziehen, kommen sie nach Prüfung von Finanztest bundesweit bei den privaten Banken und den PSD-Banken günstig weg – mit höchstens 1,95 Euro. Bei Sparkassen und Volksbanken zahlen Fremdkunden um die vier Euro, im Extremfall sogar 7,50 Euro. Ausführlich in Finanztest von Stiftung Warentest, Heft 02/12 Das Online-Girokonto „Giro direct“ der Sparkasse Spree-Neiße hat in der bundesweiten Umfrage von Finanztest besonders gut abgeschnitten. Es ist eins der oben erwähnten 73 Konten, die nach den Kriterien der Zeitschrift Finanztest kostenfrei sind – ohne Sternchen im Kleingedruckten – also ohne Bedingungen. „Unsere Kunden können sich auf die Transparenz des Angebotes verlassen“, betont Vorstandsmitglied Ralf Braun.

Anja Schroschk, zuständig für Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit, sagt, dass das von Finanztest hervorgehobene Angebot über die Online-Dienstleistungen hinausgeht und auch das Service-Angebot der 44 Geschäftsstellen in der Region beinhaltet.

In einem weiteren Test hat Finanztest bei 77 Banken und Sparkassen untersucht, bei welchen Kreditinstituten das Geld auf dem Girokonto am meisten Zinsen bringt. Je nach Anbieter und Kontomodell unterscheidet sich der Guthabenzins deutlich. Finanztest rät dazu, die Zinsen vor einem Wechsel genau zu vergleichen.

Nicht immer muss man gleich die Bank wechseln, wenn die Konto-Bedingungen nicht stimmen. Einige Anbieter kommen langjährigen Kunden entgegen. Wenn man mit dem Berater darüber spricht, lassen sich in einigen Fällen Gebühren nach unten verhandeln.



Den Test gibt es im Internet auch zum Download oder als Online-Version. Mehr Informationen unter www.finanztest.de

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Erstellt am: 04. Februar 2012, 00:00 Uhr
Geändert am: 08. April 2012, 03:03 Uhr
Autor: pm/gzn

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