Statt wie gewohnt seinen Dienst als Kommandeur des Einsatzführungsbereiches 3 (EFB 3) am Standort Schönewalde/Holzdorf zu versehen, wird Franz Sauerborn für sechs Monate der Führer deutscher Kräfte in Kabul.

Diesen Sommer werden es dreißig Jahre, dass er in die Bundeswehr eintrat. Drei Jahrzehnte, in denen er es aufgrund seiner Fähigkeiten bis zum Oberst brachte und auch den Generalslehrgang bestand. Zahlreiche Standorte und Verwendungen deklariert seine militärische Vita, unter anderem zweimal Schönewalde/Holzdorf.

Mit Kabul kommt nun eine weitere hinzu. Für den Offizier ist es der erste Auslandseinsatz. Und ein schwieriger zudem. Denn als Führer deutscher Kräfte in Kabul obliegt ihm nicht nur die Verantwortung über mehrere Hundert Soldaten; während seiner Zeit in Afghanistan hat er auch den Umzug des Kontingents vom derzeitigen Camp Warehouse am Stadtrand ins Zentrum an den Kabul International Airport zu leiten. Zugleich wird Sauerborn als Verbindungsoffizier ins afghanische Verteidigungsministerium tätig.

Mental vorbereiten konnte er sich auf dieses Aufgabenpaket gerade einmal fünf Wochen. "Die Anfrage kam relativ kurzfristig. Mein soldatisches Verständnis sagt mir aber, dass ich diesen Befehl auszuführen habe, auch wenn ich mit dem Zeitpunkt nicht sonderlich glücklich bin", betont er. Ausschließlich deshalb, weil das EFB 3 und der Fliegerhorst Holzdorf, dessen Standortältester er ist, sich derzeit in einem starken Umbruch befinden. Neues Fluggerät wird in Holzdorf einziehen, mit dem auch ein Personalwechsel vonstatten geht. Mit der Auflösung des Schwesterverbandes Meßstetten wird darüber hinaus der Aufgabenbereich des EFB 3 bei der Überwachung des deutschen Luftraumes erheblich erweitert und künftig von Puttgarden bis nach Bayern reichen. Ein ausgedehntes Verantwortungsgebiet, das Anfang 2014 eine neue Personalstruktur erhält. - Die es aber jetzt schon vorzubereiten gilt.

Dieses Werk umzusetzen, obliegt damit nun Sauerborns Stellvertreter, Oberstleutnant Wiland Oerter. Soweit möglich, werde er Oerter jedoch nach Kräften von Kabul aus unterstützen, sagt Sauerborn. Dass er sich auf seinen Stellvertreter verlassen kann, weiß er. Um so bedauerlicher sei es, dass auch Oerter den Verband Ende September verlässt.

Da sich mit ihm und Major Mario Herzer gleich zwei der drei Führungskräfte des EFB 3 im Auslandseinsatz befinden, setzt Franz Sauerborn darauf, dass seine ihm hier unterstellten Soldaten diese Lücke mit besonderem Einsatz soweit möglich schließen. Was übrigens auch für die Repräsentationspflichten im zivilen Umland des Standortes gilt. "Ich hatte mir auch in diesem Punkt viel vorgenommen für 2013. Das werde ich nun auf nächstes Jahr verschieben müssen", sagt Sauerborn.

Um sich von seiner Frau Andrea und dem gemeinsamen Sohn Stefan zu verabschieden, bleiben Franz Sauerborn nur vier Tage Zeit. Jede Stunde wolle er davon intensiv nutzen, betont er. Aktuelle Meldungen über Selbstmordanschläge in Kabul erschweren den Abschied um ein Vielfaches. Denn um seine Aufgaben erfüllen zu können, wird Sauerborn oft mit dem Fahrzeug in Kabul unterwegs sein.

"Ich habe Respekt vor der Gefahrenlage", sagt er. Aber auch eine gespannte Erwartungshaltung. Wie sieht es dort aus, was haben die ISAF-Kräfte bisher bewirkt und wie wird es nach dem Ende der Mission 2014 in Afghanistan weitergehen?, fragt er sich schon jetzt.

Antworten darauf wird ihm sein Ende März beginnender Einsatz geben. Sein Fokus aber liege in der Arbeit. Oberstes Ziel sei es, dass die ihm unterstellten Soldaten alle wieder gesund nach Hause kommen, so Franz Sauerborn. Sollte es für ihn einmal zum Ernstfall kommen, so hoffe er, glückliche und gute Entscheidungen zu treffen.