Den deutschen Piloten Matthias Dolderer plagen vor dem Air Race-Finale Zukunftssorgen
Klettwitz
Klettwitz. Der EuroSpeedway Lausitz ist bereit, seit Mittwoch sind die Piloten und ihre Flugzeuge da, es kann losgehen. Am Sonntag steht der Finallauf 2010 der Red Bull Air Race-Weltmeisterschaft auf dem Programm. Matthias Dolderer kann in die WM nicht mehr eingreifen. Den einzigen Deutschen im Feld beschäftigt vielmehr seine Zukunft.
Matthias Dolderer
Um Fünf nach Zwölf eröffnete Bernd Loidl, CEO der Red Bull Air Race GmbH, in der Boxengasse den bis Sonntag andauernden Event. Das Red Bull Air Race zelebriere am EuroSpeedway Lausitz eine »Weltpremiere, denn traditioneller Motorsport trifft auf eine neue Dimension«, schwärmte Loidl. Das 50. Rennen findet am Lausitzring erstmals auf einer permanenten Rennstrecke statt. Bis zum Sonntag werde »Motorsport und Unterhaltung total« geboten.
Während der Ansprache stand Matthias Dolderer die meiste Zeit mit verschränkten Armen daneben, bemühte sich höflich, die meist belanglosen Fragen zum Kurs oder zu seinem Flugzeug zu beantworten. »Es ist schon ein cooles Gefühl, auf einer Rennstrecke zu landen«, war fast so etwas wie ein Gefühlsausbruch des Tannheimers. Eine Stunde zuvor, um 11.05 Uhr, hatte Dolderer die Ehre gehabt, beim sogenannten »Fly in« mit seiner neuen Edge 540 V3 auf der provisorischen, 550 Meter langen Landebahn im Infield des EuroSpeedway Lausitz als Erster zu landen.
Neues Flugzeug gekauft
Beim Pitlane-Walk mit den Journalisten entlang der bunten Hangars, die bis Sonntag die Flugzeuge beherbergen, schwand allmählich die gute Laune des einzigen deutschen Piloten im Feld. Die eine oder andere Sorgenfalte machte sich stattdessen im Gesicht des 39-Jährigen breit. 400 000 Dollar - umgerechnet rund 315 000 Euro - hat Dolderer kürzlich über den Tisch geschoben, um beim Flugzeug-Hersteller Zivko in den USA ein neues, leistungsstärkeres Fluggerät zu erwerben. Seit Kurzem weiß Dolderer, das 50. Rennen der Air Race-Serie in der Lausitz ist auch vorerst das letzte. Die Saison 2010 wurde um die Rennen in Portugal und Ungarn verkürzt, für 2011 hat sich das Red Bull Air Race eine strategische Pause verordnet. Entscheidungen, die für den sympathischen Piloten ebenso spät wie überraschend kamen.
»Ich habe in dieses neue Flugzeug alles reingehängt, was ich habe«, erzählt Dolderer im kleinen Kreis. »Die Serie hat sich in den vergangenen fünf Jahren toll gemacht. Aber die Entwicklung jetzt ist natürlich eine große Enttäuschung. Hätte ich um die Zukunft der Serie gewusst, hätte ich das Flugzeug nicht bestellt.« Zukunftssorgen machen sich breit, immerhin betreibt Dolderer einen kleinen Flughafen in Tannheim und beschäftigt ein kleines, aber feines Team. »Wir versuchen uns jetzt, auf das Rennen zu konzentrieren. Dann sehen wir weiter«, sagt Dolderer.
Warten auf Antworten
Eine Rückkehr des Air Racers in die Kunstfliegerei sei für ihn keine Option. »Das ist Geld-Vernichtung«, sagt Dolderer. Kunstflug habe keine Plattform im Fernsehen, zudem sei es viel schwieriger, Partner zu finden. Ob ein deutscher Autobauer, seit Kurzem Sponsor, an Bord bleibe, sei jetzt angesichts der Auszeit für das Red Bull Air Race in 2011 unklar. »Wenn wir nicht wissen, dass es 2012 weitergeht, können wir das nicht überbrücken.«
Mehr als Weltmeisterschafts-Punkte erhofft sich Dolderer deshalb bei seinem »Heimrennen« Antworten auf die bohrenden Fragen nach der Zukunft der WM. Für Dolderer ist es längst Fünf nach Zwölf.
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