29. Mai 2008, 00:00 Uhr

Entscheidung im Rost-Poker erst nach der EM?

Timo Rost macht den Abflug – vorerst allerdings nur in den Urlaub nach Kreta. Ob sich der Kapitän von Energie Cottbus auch beruflich verändern wird, steht dagegen weiterhin in den Sternen. Und ein Ende des Pokers um den 29-Jährigen, dem Kontakte zum 1. FC Nürnberg nachgesagt werden, ist nicht in Sicht. Eine endgültige Entscheidung wird vermutlich erst nach der Fußball- Europameisterschaft im Juni fallen.

Timo Rost,
Weitermachen oder Wechsel? Timo Rost lässt seine Zukunft offen. Foto: Wende
Eigentlich wollte Timo Rost sein Handy nach der Ankunft auf Kreta ja umgehend ins Meer werfen und mit Ehefrau Saskia und Söhnchen Fabio die Ruhe in Griechenland genießen. Doch daraus dürfte vermutlich nichts werden. Denn es deutet viel daraufhin, dass bis zur Klärung seiner Zukunft noch diverse Telefonanrufe geführt werden. Im Moment ist Rost auf Tauchstation gegangen. Öffentliche Erklärungen zum Poker um seine Person mag er nicht abgeben. Sein Berater verweist derweil darauf, dass man sich «nicht an Spekulationen beteiligen» möchte. Energie-Manager Steffen Heidrich erklärt unterdessen fast schon gebetsmühlenartig, dass beim Verein keine offizielle Anfrage für Rost oder einen anderen Spieler vorliegt.
Deshalb hängt im Moment alles von der Frage ab: Wie ernsthaft ist das Interesse des 1. FC Nürnberg an einer Rückkehr des gebürtigen Franken zum «Club» unter den gegebenen Rahmenbedingungen? Die Vertragslage spricht eindeutig für Energie. Rost hat in Cottbus noch einen Zweijahres- Vertrag bis 2010. Da die in seinem Kontrakt vereinbarte Ausstiegsklausel nur im Falle des Abstieges greift, müssen interessierte Vereine vermutlich tief in die Tasche greifen. Die Ablösesumme für einen deutschen Spieler seiner Qualität mit Führungsstärke und Erfahrung im Abstiegskampf dürfte im unteren siebenstelligen Bereich anzusiedeln sein.
Geld, das demnächst in die Kassen des 1. FC Nürnberg gespült werden könnte. Aber eben auch erst demnächst. Denn nach dem Abstieg steht die Mannschaft des «Club» vor dem üblichen Umbruch. Bei der bevorstehenden EM werden sich mit Torhüter Jaromir Blazek, Kapitän Tomas Galasek, Jan Koller, Angelos Charisteas und Ivan Saenko gleich fünf Spieler für andere Vereine anbieten und mit guten Leistungen auf der europäischen Bühne die Ablösesumme weiter in die Höhe treiben. Sie alle kann Nürnberg per Option zwar für die 2. Liga binden, müsste ihnen dann aber weiter ein erstklassiges Gehalt zahlen. Diese Option kann der «Club» bis zum 30. Juni ziehen – und bis dahin dürfte auch unklar bleiben, ob und wie tief man für einen möglichen Rost-Transfer in die Tasche greifen kann.
Im Moment, so wird aus Nürnberger Vereinskreisen kolportiert, sei die Verpflichtung in finanzieller Hinsicht nur schwer darstellbar. Während sich die sportliche Leitung um Manager Martin Bader und Trainer Thomas von Heesen beim Thema Neuzugänge branchenüblich zurückhält, macht der mächtige Vereins-Chef Michael A. Roth keinen Hehl daraus, dass er Rost gern zurückholen würde. Ein solcher Kämpfer habe der eigenen Mannschaft im Abstiegskampf gefehlt, erklärte Roth und ließ gleichzeitig durch blicken, dass er sich den Franken auch als Integrationsfigur in der 2. Liga sehr gut vorstellen könne.
Es ist menschlich verständlich, dass derartige Avancen den in Lauf an der Pegnitz geborenen Profi nicht unberührt lassen. Die FCE-Verantwortlichen verweisen ihrerseits auf den vorzeitig verlängerten Vertrag. Dass Timo Rost bislang ein eindeutiges Bekenntnis vermissen lässt, macht den Poker nicht gerade überschaubarer. Sein Abtauchen ist in gewisser Weise aber wenigstens konsequent. Denn so mancher Spieler hat trotz eines Bekenntnisses später dann doch den Verein verlassen.
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Erstellt am: 29. Mai 2008, 00:00 Uhr
Geändert am: 29. Mai 2008, 12:16 Uhr
Autor: VON FRANK NOACK

VON FRANK NOACK

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