12. Oktober 2011, 00:00 Uhr

Boy & Co. wollen wieder Bronze

TURNEN Am Mittwoch WM-Mannschaftsfinale in Tokio / Cottbuser an fünf Geräten dabei

Tokio Am heutigen Mittwoch greifen die deutschen Turner um Mehrkampf-Vizeweltmeister Philipp Boy aus Cottbus in Tokio nach der ersten WM-Medaille. Im Team-Wettkampf ist Bronze wie im Vorjahr das Ziel. Mit dem wieder erstarkten Fabian Hambüchen ist die Motivation der Deutschen groß.

Das wichtigste WM-Ziel ist geschafft, nun wollen die deutschen Turner im Medaillenkampf der WM von Tokio mitmischen. „Die Jungs haben Spaß am Medaillensammeln. Ich gehe davon aus, dass sie das auch hier wollen“, sagte Wolfgang Willam, der Sportdirektor des Deutschen Turner-Bundes (DTB). Aber er schränkte ein: „Dazu muss aber alles passen. Im Vorkampf haben sie schon gezeigt, dass sie im Medaillen-Anschlussbereich sind.“

Die Erleichterung über den Einzug ins Teamfinale am Mittwoch (11 Uhr MESZ) war der gesamten deutschen Delegation anzumerken. Zwar konnte das laut Turn-Legende Eberhard Gienger „beste deutsche Team seit Jahren“ noch keinen Glanz im Tokio Metropolitan Gymnasium versprühen, mit Platz vier in der Qualifikation und der Olympia-Qualifikation für London lagen Philipp Boy, Fabian Hambüchen und Co. aber sogar einen Platz besser als vor einem Jahr in Rotterdam. Dort war nach Rang fünf im Vorkampf Bronze wie 2007 in Stuttgart herausgesprungen. Alle sind heiß auf den Wettkampf, doch ihr Ziel verkünden die Männer öffentlich nicht.

„Wir reden nicht über Medaillen. Wir wollen alle unser Zeug durchturnen, darauf kommt es an“, sagte Vize-Weltmeister Philipp Boy, der am Mittwoch fünfmal an die Geräte gehen wird. Genau wie der Lausitzer haben auch Fabian Hambüchen und Marcel Nguyen fünf Einsätze in dem Wettkampf, der nach anderem Modus ausgeturnt wird. Nur noch drei Turner gehen je Team an jedes Gerät, es gibt auch keine Streichwerte mehr. „Dieser Modus sollte uns eigentlich mehr liegen“, hofft der Unterhachinger Marcel Nguyen, der zwei Tage später wie Philipp Boy auch das Mehrkampffinale bestreitet. Bundestrainer Hirsch will im Endkampf eine „kämpferische Position mit viel Risiko“ eingehen. Dass diese durchaus Erfolg bringen kann, haben die beiden Bronzemedaillen der vergangenen Titelkämpfe bewiesen.

Neben dem Top-Trio erhalten Sebastian Krimmer und Eugen Spiridonov am Pauschenpferd sowie der seit dem Vorkampf angeschlagene Thomas Taranu an den Ringen je eine Einsatzchance. Eine Diagnose über Taranus Beinverletzung gibt es nicht, aber der Straubenhardter will trotz Schmerzen die Zähne zusammenbeißen und dabei sein, wenn es um die Medaillen geht.

Klarer Favorit ist das Team von Gastgeber Japan, das den Vorkampf überraschend deutlich vor den USA und Titelverteidiger China dominiert hatte. „An Japan und China kommen wir wohl nicht ran, aber die USA sind für uns der Maßstab. Zwischen Platz drei und Platz acht liegt alles dicht beisammen“, prophezeite Philipp Boy und lässt sich vom etwas schwächeren Auftritt der Chinesen im Vorkampf nicht blenden. Der Cottbuser geht davon aus, dass „wir unsere Klasse zeigen und unseren Kontrahenten USA schlagen“. Eine Medaille wäre für den 24-Jährigen die Krönung der WM, die trotz zweier Patzer in der Qualifikation „bisher so läuft, wie ich mir das vorgestellt habe“.

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Zum Thema Ronny Ziesmer erneut ZDF-WM-ExperteDer Cottbuser Ronny Ziesmer (32/Foto: dapd) wird am Samstag und Sonntag die WM-Entscheidungen von Tokio wieder als Experte im ZDF kommentieren. Seit 2007 arbeitet der frühere deutsche Mehrkampf-Meister, der seit seinem Turnunfall 2004 querschnittgelähmt ist, für den Sender. „Das ist immer wieder eine tolle Herausforderung“, sagt Ziesmer, der wohl auch zum ZDF-Team für die Olympischen Spiele 2012 gehören wird.Ziesmer über das Mannschaftsfinale: „Die Olympia-Qualifikation als Hauptziel ist geschafft. Alles, was jetzt kommt, ist Zugabe. Im Mannschaftsfinale kann alles passieren, da geht es von vorn los. Wichtig ist vor allem Stabilität. Fehler fallen im heutigen Wertungssystem viel mehr ins Gewicht als früher. Deshalb ist umso wichtiger, keine Fehler zu machen.“Ziesmer über Philipp Boy: „Philipp hat sein Umfeld so in den Griff bekommen, dass er optimale Leistungen bringen kann. Boy hat sich dazu auch mental gut entwickelt.“Ziesmer über den SC Cottbus: „Hier wird weiter eine gute Arbeit geleistet, die Bedingungen im Turn-Tempel im Sportzentrum sind optimal. Mit Christopher Jursch und Marc Krause gibt es zwei junge Turner, die in der Lage sein sollten, Anschluss an die deutsche Spitze zu halten.“ tus
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Erstellt am: 12. Oktober 2011, 00:00 Uhr
Geändert am: 12. Oktober 2011, 03:13 Uhr
Autor: Von Frank Thomasund Hanna Schmalenbach

Von Frank Thomasund Hanna Schmalenbach

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