12. Dezember 2008, 00:00 Uhr

Angelov und Rangelov wollen FC Energie verlassen

Bei Energie Cottbus kehrt auch kurz vor Weihnachten keine Ruhe ein. Vor dem letzten Hinrundenspiel bei Bayer Leverkusen am Samstag haben die beiden bulgarischen Spieler Dimitar Rangelov und Stanislav Angelov die Vereinsführung in bulgarischen Medien massiv attackiert. Beide wollen den FC Energie zur Winterpause verlassen.

Das ist starker Tobak, was da aus Bulgarien nach Cottbus dringt: Nach dem sie bestraft worden waren, weil sie die offizielle Vereins-Weihnachtsfeier vorzeitig verlassen hatten, haben sich Rangelov und Angelov in den bulgarischen Medien heftig über die FCE-Führung beschwert. Der Tenor in allen Fernseh- und Zeitungsstatements ist nach RUNDSCHAU-Recherchen sehr eindeutig: Die beiden Bulgaren fühlen sich zutiefst beleidigt und wollen den FC Energie so schnell wie möglich verlassen. Am liebsten in Richtung Bulgarien. Dort genießen die Nationalspieler offensichtlich weiter einen guten Ruf. Die Tageszeitung "Standart" schreibt jedenfalls: "Durch ein einziges Vergehen wurden Dimitar Rangelov und Stanislav Angelov von den beliebtesten zu den verhassten Fußballspielern bei Energie Cottbus."

Von Hass kann allerdings keine Rede sein, vielmehr von Hilflosigkeit. "Wir haben in diesem Herbst einiges erlebt. Uns stresst nichts mehr", hatte FCE-Trainer Bojan Prasnikar mit zuckenden Schultern zu dem leidigen Thema am Donnerstag auf der Pressekonferenz gesagt. Da wusste er zwar noch nichts von den deftigen Aussagen der beiden Bulgaren, sah aber dennoch schon reichlich gestresst aus. Tatsächlich hatte der Slowene in der Hinrunde der Saison immer wieder Disziplinlosigkeiten im Team erlebt – Angelov oder Rangelov waren häufig dabei. Kürzlich waren Angelov und Ervin Skela im Training aneinander geraten. Negativer Höhepunkt war jedoch die Auseinandersetzung zwischen Rangelov und Skela in der Mannschaftskabine gewesen. Dort hatte der Angreifer nach den Worten Angelovs im bulgarischen "TV2" "einen Mitspieler verprügelt und dafür 5000 Euro Strafe bekommen".

Für Angelov ist es nun schwer nachzuvollziehen, dass er 10 000 Euro – die Strafe ist offenbar doppelt so hoch wie bisher angenommen – "für nichts" zahlen müsse. Beide Bulgaren beklagen, dass sie nichts von der Ehrung zum "Energie-Fußballer des Jahres" gewusst und deswegen die Feier vorzeitig verlassen hätten. Rangelov erklärt in der Tageszeitung "Trud": "Vor mir war die Hälfte des Teams auch gegangen, aber keiner hat sich über die anderen aufgeregt." Diese Beobachtungen decken sich allerdings nicht mit denen der anderen Gäste, darunter auch zahlreiche Medienvertreter. Schließlich waren die Spieler-Tische zum Zeitpunkt der Ehrung noch voll besetzt und leerten sich erst, als Gewinner Gerhard Tremmel seinen Präsentkorb entgegengenommen hatte.

Bei Energie will man das neuerliche Quertreiben der beiden Spieler kaum mehr kommentieren. Manager Steffen Heidrich, von der RUNDSCHAU mit den Äußerungen konfrontiert, sagte nur: "Die Vereinsstrafe am Montag für die beiden war ausreichend hoch. Wir wollen jetzt zur Tagesordnung übergehen. Beide haben sich in dieser Woche im Training professionell verhalten. Die Sache ist für uns erledigt."

Diese gemäßigte Haltung überrascht zwar, aber nur auf den ersten Blick. Scheinbar haben die FCE-Verantwortlichen hinter den Kulissen schon eine neue Marschroute festgelegt. Demnach geht es wohl nun darum, den Marktwert der beiden Nationalspieler nicht durch eine vorzeitige Suspendierung zu senken. So könnte Energie wenigstens noch eine vernünftige Ablösesumme kassieren. Denn dass das offensichtlich zerschnittene Tischtuch noch einmal reißfest zusammengenäht werden kann, bleibt wahrscheinlich nur ein frommer Weihnachtswunsch.

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Erstellt am: 12. Dezember 2008, 00:00 Uhr
Geändert am: 12. Dezember 2008, 17:57 Uhr
Autor: VON JAN LEHMANN und DILYANA LAMBREVA

VON JAN LEHMANN und DILYANA LAMBREVA

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