Turnier der Meister: Philipp Boy verpasst am Reck Top-Platzierung / Drei Weltcup-Siege für deutsches Team
Cottbus
Philipp Boy war am gestrigen Sonntag untröstlich. Als Qualifikationsbester war der Lokalmatador beim 34. Turnier der Meister ins Reckfinale eingezogen. Doch der Cottbuser verpatzte am „Königsgerät“ den Abgang und wurde am Ende nur Sechster, während sich Vize-Weltmeister Epke Zonderland aus den Niederlanden als Gewinner feiern ließ. Weltcup-Siege bejubeln durften in der Lausitz-Arena drei andere Turner des Turnteams Deutschland: Marcel Nguyen (Boden), Oksana Chusovitina (Sprung) und Matthias Fahrig (Sprung).
Landung auf dem Hosenboden: Ohne dieses Missgeschick hätte Philipp Boy gute Chancen auf eine Medaille gehabt. Foto: Behnke Foto: Behnke
Völlig ungläubig schaute Philipp Boy nach seiner unsanften Landung auf dem Hosenboden immer wieder auf seine rechte Hand und schüttelte tief enttäuscht den Kopf. Kurz zuvor hatte er zunächst eine Spitzen-Übung sauber durchgeturnt und sich dann mit der missglückten Landung schließlich alle Medaillenchancen verbaut. „Ich hab' mich kurz vor dem Abgang schon gefreut, doch dann hatte ich plötzlich keinen Halt mehr, irgendwas war da mit der Stange, ich bin richtig rausgeschmiert“, blickte Boy später zurück. „Ausgerechnet in Cottbus beim Heimturnier, vor Freunden und Bekannten“, habe er noch auf der Matte sitzend gedacht. Die Übung an sich hat der 22-Jährige nur wenige Wochen vor der Europameisterschaft in Birmingham schon richtig gut drauf. „Umso ärgerlicher ist es, dass es so ein Ende genommen hat“ haderte Boy.Turnier-Direktor zufriedenEin Platz auf dem Podium hätte tatsächlich das I-Tüpfelchen auf dem Cottbuser Turnier sein können. Darauf hatten nicht nur die knapp 2000 Zuschauer in der sehr gut gefüllten Lausitz-Arena gehofft. Auch Turnier-Direktor Mirko Wohlfahrt hatte sich diese „Krönung für uns als Gastgeber“ sehr gewünscht. Dennoch zeigte er sich zufrieden mit der 34. Auflage des traditionsreichen Turniers. „Das war das am besten organisierte Turnier aller Zeiten“, freute sich Wohlfahrt. „Alles hat reibungslos geklappt, ich bin sehr stolz auf das Organisationsteam. Es war eine rundum gelungene Veranstaltung.“Einen gelungenen Auftritt legten auch die deutschen Teilnehmer hin. 14 Finalplätze hatten sie sich erturnt und immerhin drei Siege sowie einen dritten Platz eingefahren. Den holte Marie Sophie Hindermann aus Tübingen bereits am Samstag. Keine Mühe mit ihrem Sieg beim Sprung hatte Oksana Chusovitina angesichts des recht schwachen Teilnehmerfeldes.Erster Sieg für NguyenAm Samstag legte auch Marcel Nguyen die beste Boden-Übung hin und konnte sich anschließend über seinen ersten Weltcup-Sieg freuen. „Das kam schon überraschend für mich. Ich war zwar gut vorbereitet, aber das war eine schwere, neue Übung“, sagte der Unterhachinger, der zudem Vierter an den Ringen und Sechster am Barren wurde. „Eher am Boden als am Sprung“ hatte sich Matthias Fahrig „was ausgerechnet“. Dass der EM-Zweite von 2009 am Boden in Cottbus letztlich beim Sprung gewann, nahm der Hallenser gern in Kauf. In Richtung EM blickend und auf seine Medaille zeigend, meinte er: „Wenn dabei nochmal sowas rausspringt, wär das okay.“ Fahrig, Nguyen und auch Philipp Boy haben in Cottbus ganz sicher bewiesen, dass bei der EM mit ihnen zu rechnen ist. Eine kleine Kampfansage schickte Nguyen auch an Teamkollege Fabian Hambüchen, der auf das Turnier in Cottbus zugunsten des American Cups verzichtet hatte: „Der Fabian wird schon wissen, dass es in Deutschland nicht nur ihn allein gibt.“ Die Zuschauer in Cottbus haben sich davon auf jeden Fall überzeugen können. Ab 2011 wird es eine Neuordnung der Weltcup-Serie geben. Das bestätigte der RUNDSCHAU am gestrigen Sonntag Wolfgang Willam, Sportdirektor des Deutschen Turner-Bundes (DTB). „Ab der kommenden Saison gibt es zwei verschiedene Weltcup-Serien, eine A- und eine B-Serie“, so Willam. Das Turnier in Cottbus wird demnach Letzterer mit dem Namen Challenge-Serie zugeordnet. Die A-Serie sei künftig zudem zweigeteilt. In vier Wettkämpfen werde ausschließlich Mehrkampf geturnt (maximal acht Turner ohne Qualifikation). In den weiteren vier seien die zwölf besten Spezialisten an den Einzelgeräten gefragt (mit Qualifikation). Dass es für Cottbus nicht zum A-Status reicht, erklärt Willam mit Verweis auf „gewisse Standards“, die nötig seien. Demnach ist zum Beispiel eine Halle mit einem Fassungsvermögen von mindestens 4000 Zuschauern erforderlich. Willam betont jedoch, dass auch die B-Serie attraktiv sei. „Damit auch hier sehr gute Turner am Start sind, haben wir ein Auf- und Abstiegssystem organisiert, das eine gewisse Dynamik mit sich bringt“, sagt der DTB-Sportdirektor. Heißt: Die besten zwei Turner aus der B-Serie steigen zur nächsten Saison in die A-Serie auf, umgekehrt steigen von dort zwei Turner ab. Der Cottbuser Turnier-Direktor Mirko Wohlfahrt betont, dass sich qualitativ nichts am Turnier der Meister ändern würde, sofern man den Zuschlag für die B-Serie erhalte. Eig. Ber./jam
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Artikel-Aktualisierungen:
Erstellt am: 15. März 2010, 00:00 Uhr
Geändert am: 15. März 2010, 01:34 Uhr
Autor: Von Mirjam Hecht
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