Warum es beim LHC Cottbus momentan nicht allzu gut läuft
Cottbus
Sieben Niederlagen nach neun Spieltagen, ein verletzter Regisseur, finanzielle Probleme und tiefe Verunsicherung: Der einstige Zweitligist LHC Cottbus hatte schon bessere Tage. Inzwischen droht dem Tabellen-14. der Handball-Regionalliga Nordost gar der Sturz in die vierte Liga. Die RUNDSCHAU analysiert, warum es beim LHC derzeit nicht läuft.
Nach dem überraschenden Auswärtssieg des stark angeschlagenen Teams vor zwei Wochen in Bramstedt wähnten sich manche Spieler und Fans schon hinweg über die Krise. Doch dann folgte der desolate Heimauftritt gegen den Tabellenletzten DHK Flensborg. Bei der 23:28-Niederlage wirkten die Spieler zuweilen alles andere als motiviert. Was ist nur los beim LHC Cottbus?
Personelle Lage: Nicht zu übersehen ist, dass die Mannschaft den langen Ausfall ihres verletzten Spielmachers Max Kröning (mit 21 noch einer der Ältesten im Team!) kaum kompensieren kann. „Ihn kann niemand ersetzen“, betont Trainer Norbert Thormeier immer wieder. Noch dazu sind Leistungsträger wie Robert Michling, Martin Robert oder Matthias Henow derzeit stark angeschlagen – fatal für die ansonsten weitgehend unerfahrene Mannschaft. „Die meisten Jungs sind eigentlich noch zu grün für diese Liga“, bringt es Thormeier auf den Punkt. Mangelnder Wille sei in seinen Augen nicht der Grund für die Erfolglosigkeit, eher das geringe Durchschnittsalter seines Teams.
Rahmenbedingungen: Nicht zu übersehen ist, dass auch die unklare finanzielle Lage beim LHC den Regionalliga-Spielern nicht sonderlich gut bekommt. Mitte diesen Jahres war der LHC ins Visier der Steuerfahnder geraten (die RUNDSCHAU berichtete). Laut Staatsanwaltschaft dauern die Ermittlungen an, Ausgang ungewiss. Im Mai 2008 waren zudem erhebliche finanzielle Löcher im Etat pu blik geworden. Nach dem Zweitliga-Abstieg wurde daher auf einen sparsamen Neubeginn mit jungen Eigengewächsen gesetzt. Profiverträge sollten der Vergangenheit angehören, stattdessen Aufwandsentschädigungen gezahlt werden. Doch selbst die lassen momentan auf sich warten, ebenso wie Komfort bei Auswärstfahrten. „Der Verein kämpft noch mit den Altlasten, solange das nicht geklärt ist, läuft vieles leer“, sagt Präsidiumsmitglied Dr. Torsten Kunze, Geschäftsführer der Gebäudewirtschaft Cottbus (GWC). Zu diesem „Leerlaufen“ gehören demnach auch ausgesetzte Zahlungen. „Ich weiß, dass das für die Sportler schwierig ist“, sagt Kunze, „aber im Vordergrund steht momentan die Absicherung des gesamten Spielbetriebs des LHC.“ Er sei jedoch optimistisch, noch „vor Weihnachten“ eine Lösung zu präsentieren. Mitte Dezember werde den Mitgliedern über ein Sanierungskonzept Bericht erstattet, so Kunze. Er betont zudem: „Es liegt uns stark am Herzen, den Handball am Leben zu erhalten.“
Ausblick: Gut möglich, dass vor allem Letzteres für einen kleinen Motivationsschub beim Regionalliga-Team sorgt. Trainer Thormeier ist zudem überzeugt davon, dass in dieser Liga „jeder jeden schlagen kann“. Das kommende Spiel am Samstag (18 Uhr) beim Tabellenfünften Preußen Berlin betrachtet der Coach aber als „Aufbauspiel“ für seine angeschlagene Mannschaft. In den folgenden vier Partien hat der LHC dann dreimal Heimrecht. „Diese Spiele sind richtungsweisend“, betont Thormeier.
Hoffnung macht zudem, dass die Cottbuser bislang ein Spiel weniger absolviert haben als die Konkurrenz. Zum rettenden Ufer sind es trotz aller Probleme nur vier Punkte.
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