18. Oktober 2008, 00:00 Uhr

Ronaldo(vic) gesucht

Wenn Energie Cottbus am heutigen Samstag beim 1. FC Köln antritt (15.30 Uhr, RheinEnergie-Stadion), dann steht vor allem die Offensiv-Abteilung auf dem Prüfstand. Denn der Verein hat verkündet, dass er nach neuen Stürmern Ausschau hält. Sie sollen für mehr Tore sorgen und den Konkurrenzkampf anheizen. Die große Frage ist jedoch, wie tief der FCE für Neuverpflichtungen in die Kasse greifen kann und will.

Wenn erwachsene Männer über den Fußball reden, dann kommen sie schon mal ins Träumen. Da macht auch das jüngste Pressegespräch von Energie-Trainer Bojan Prasnikar mit den Journalisten keine Ausnahme. Schließen wir also für einen Moment unsere Augen und stellen uns vor – Cristiano Ronaldo stürmt im Trikot von Energie Cottbus. Jener Cristiano Ronaldo, der Manchester United mit 31 Treffern in 34 Partien der Premier League zur englischen Meisterschaft geschossen hat. Und der nicht nur über eine außergewöhnliche Technik verfügt, sondern auch im strömenden Regen noch aussieht wie aus einem Werbeprospekt für Haargel. Ronaldo wechselt also nach Cottbus und schießt Energie zum Klassenerhalt? Bitte die Augen wieder öffnen! Was wir sehen, ist nicht Ronaldo, sondern die Realität. Also magere drei FCE-Tore in sieben Partien.

Sie zeugen einerseits von einer beachtlichen Effizienz. Immerhin wurden mit diesen drei Toren respektable fünf Punkte eingestrichen. Andererseits sprechen sie eine klare Sprache. "Wir haben im Spiel nach vorn ein Problem", sagt Trainer Bojan Prasnikar. Denn kein anderes Team der Bundesliga hat weniger Treffer erzielt als Energie.

Deshalb bekennt sich der Verein ganz klar zu seinen Plänen in der Winterpause. Neben dem Mittelfeld soll vor allem der Angriff verstärkt werden. Zumal auch Prasnikar mit der zuletzt oftmals defensiven Ausrichtung seiner Mannschaft nicht wirklich zufrieden ist. Der Slowene war früher selbst Stürmer und mehrfach Torschützen-König seines Heimatlandes. "Mein Ziel ist es, nach vorn zu spielen", bekennt er.

Dass die FCE-Verantwortlichen mit ihren Transferplänen nicht hinter dem Berg halten, ist auch ein klares Signal an die schwächelnde Offensiv-Abteilung. Die Botschaft: Es muss deutlich mehr kommen! Lediglich Branko Jelic und Ivica Iliev konnten zuletzt einigermaßen überzeugen. Dimitar Rangelov dagegen stellte sich mit seinen Ego-Trips selbst ins Abseits. Stiven Rivic hatte wochenlang mit einem hartnäckigen Virus zu kämpfen. Die Stärken von Dennis Sörensen liegen eher im läuferischen Bereich als im Torabschluss. Neuzugang Emil Jula hatte sich inzwischen zwar ans Team herangekämpft, wird jetzt allerdings durch einen Muskelfaserriss ausgebremst. Danny Galm, der ebenfalls neu in die Lausitz kam, muss sich genau wie der talentierte Marc Zimmermann in der Regionalliga erst noch beweisen.

Wie immer in solchen Fällen kursieren längst die ersten Namen in der Öffentlichkeit. Zum Beispiel der Name Albert Bunjaku vom FC Rot-Weiß Erfurt. Der Angreifer aus dem Kosovo mit Schweizer Pass erzielte in dieser Saison schon fünf Tore für den Drittligisten. In der vergangenen Saison waren es 16 Treffer. Und natürlich der Name Sergiu Radu. Immerhin hat der schnelle Rumäne bereits sehr erfolgreich für den FCE gespielt und wurde anschließend weder beim VfL Wolfsburg noch jetzt beim heutigen Kontrahenten 1. FC Köln in sportlicher Hinsicht glücklich. Finanziell ist Radu jedoch längst in einer Liga angekommen, die für Energie unerschwinglich zu sein scheint.

"Natürlich würden wir gern einen Cristiano Ronaldo verpflichten", lächelt FCE-Manager Steffen Heidrich. "Aber unsere große Stärke war bisher immer der Realitätssinn. Wir müssen auch in Zukunft versuchen, das Beste aus unseren Möglichkeiten zu machen." Soll heißen: Bei der Stürmersuche geht der Blick wohl erneut nach Osteuropa, wo Energie in der Vergangenheit schon so oft fündig geworden ist, wie die Namen Antun Labak, Marko Topic oder eben Sergiu Radu beweisen.

Der Ronaldo könnte also durchaus Ronaldovic heißen. "Wir suchen wie alle anderen Vereine auch einen Stürmer, der groß, schnell und kostenlos ist", formuliert Heidrich das natürlich nicht ganz ernst gemeinte Anforderungsprofil. Angesichts des beschränkten Budgets wird der Manager nicht müde, die hohen Erwartungen an Neuzugänge in realistische Bahnen zu lenken. "Einen Stürmer, der uns 15 Tore pro Saison garantiert, den kriegen wir leider nicht", sagt Heidrich. Stattdessen heißt die Devise auch in Zukunft, für vergleichsweise kleines Geld einzukaufen und die Stürmer dann möglichst zu Toptorjägern auszubilden.

Wie viel Geld der Verein dafür in der Winterpause in die Hand nehmen will, lässt Heidrich offen. Er dementiert die kursierende Summe von rund einer Million Euro. "Es gibt keinen festgelegten Rahmen." Letztlich dürfte das Engagement auf dem Transfermarkt auch von den noch ausstehenden Partien bis zur Winterpause abhängen. Bis dahin können sich also auch Rangelov & Co. wieder ins Blickfeld schießen.

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Erstellt am: 18. Oktober 2008, 00:00 Uhr
Geändert am: 09. November 2008, 15:07 Uhr
Autor: VON FRANK NOACK

VON FRANK NOACK

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