Ivica Banovic: „Ich bin bestimmt nicht lieb und nett“
FUSSBALL Energie-Profi Ivica Banovic über den Trainerwechsel und die neuen Anforderungen unter Rudi Bommer
Ivica Banovic (31) gehört zu den Routiniers bei Energie Cottbus. Im RUNDSCHAU-Interview spricht Banovic vor dem Testspiel am Sonntag (13.30 Uhr, Stadion der Freundschaft) gegen den tschechischen Zweitligisten FC Zbrojovka Brno über die Auswirkungen des Trainerwechsels beim FCE.
Wissen Sie, ich spiele seit zwölf Jahren im deutschen Profifußball. Solche Situationen sind nichts Ungewöhnliches für mich. Rudi Bommer ist jetzt mein Chef. Ihm will ich beweisen, dass ich meinen Stammplatz im Team auch weiterhin verdient habe.
Beschreiben Sie doch mal Ihre ersten Eindrücke vom Neuanfang unter Rudi Bommer?
Dafür ist es noch zu früh. Deshalb möchte ich da jetzt keine Sprüche raushauen. Wir müssen ihn kennenlernen und er muss uns kennenlernen. In jedem Fall eilt Rudi Bommer der Ruf voraus, dass er ein guter Typ ist. Aber auch er wird als Trainer letztlich an den Ergebnissen gemessen.
Was läuft unter Bommer anders als unter Wollitz?
Jeder Trainer hat seine eigenen Methoden. Es gibt keine einheitliche Erfolgsformel. Bei dem einen Trainer ist die Farbe Schwarz auch wirklich Schwarz, beim anderen Trainer ist Schwarz eher Weiß. Was ich damit sagen will: Wir trainieren natürlich jetzt etwas anders als unter Wollitz. Aber am Ende kommt es darauf an, dass wir im Spiel möglichst immer drei Punkte holen.
Pressing – das ist unter Bommer das Schlagwort bei Energie. Was ändert sich konkret für Sie als Mittelfeldspieler?
Wir wollten auch unter Wollitz früh attackieren. Aber vielleicht waren wir in taktischer Hinsicht noch nicht so weit. Ich hoffe, wir bekommen das jetzt besser hin. Pressing bedeutet aber auch nicht, dass wir den Gegner 90 Minuten lang jagen. Es kommt auf den richtigen Rhythmuswechsel an. Wenn der Gegner einen Rückpass spielt, dann kann das ein Signal für uns sein, als Team geschlossen draufzugehen.
Warum ist dieses Pressing so wichtig?
Weil es die Voraussetzung ist, um Bälle zu erobern. Insgesamt müssen wir viel mehr Balleroberungen haben als früher. Wir haben zwar einen schönen Kurzpass nach dem anderen gespielt, aber wir sind zu selten in den gegnerischen Strafraum gekommen. Wir hatten zu wenige Abschlüsse.
Sie haben schon viele Trainer und verschiedene Systeme erlebt. Wie lange wird es dauern, bis die Mannschaft dieses neue System verinnerlicht hat?
Diese Frage ist schwer zu beantworten. Es hängt alles vom Ergebnis ab: Wenn wir die ersten vier Spiele gewinnen, dann werden alle unser super Pressing loben. Wenn nicht, wird man unser Pressing kritisieren. Wie gesagt, Fußball ist ein Ergebnissport.
Nach dem Heimspiel gegen Duisburg im Dezember sagten Sie: „Wir haben auch mal einfache Pässe gespielt. Das ist der richtige Weg.“ Hat Energie vorher zu kompliziert gespielt?
Ja, wir als Mannschaft haben zu kompliziert gespielt. Wir haben viele Spielertypen, die den Ball gut zirkulieren lassen können. Als ich nach Cottbus gekommen bin, war ich überrascht vom überragenden Passspiel, das hier gepflegt wird. Da hat die Mannschaft wirklich eine hohe Qualität.
Aber?
Den Abschluss zu suchen, das ist auch eine Qualität einer Mannschaft. Wir haben trotz des vielen Ballbesitzes zu wenig Tore geschossen. Und am Ende zählt nicht, wie lange du den Ball hattest, sondern es zählen die Tore. Wir müssen geil auf Balleroberungen sein, aber eben auch geil auf Tore. Duisburg war die einzige Partie in dieser Saison, wo wir klare Pässe ins Zen trum zu den Stürmern gespielt haben.
Rudi Bommer hat gleich bei seiner ersten Pressekonferenz in Cottbus gesagt, dass die Mannschaft zu lieb sei. Hat er Recht?
Wir sind eine junge Mannschaft. Ich habe irgendwie Verständnis dafür, dass ein 22 oder 23 Jahre alter Spieler nicht immer zu einhundert Prozent konzentriert ist. Das war früher bei mir auch so. Das muss sich entwickeln. Als junger Spieler willst du vor allem Spaß haben. Vielleicht wirkt das manchmal dann nett und lieb.
Was glauben Sie, wie ist Ihre Außenwirkung?
Also, ich bin auf dem Rasen ganz bestimmt nicht lieb und nett.
Kann man Spaß haben und dazu auch noch Erfolg?
Auf jeden Fall. Es ist doch das Größte im Fußball, wenn du Spaß hast und gleichzeitig noch Erfolg. Es gibt kein schöneres Gefühl – außer vielleicht Vater zu werden. Die Frage ist aber immer: Wie viel Spaß darf sein, ohne den Erfolg zu gefährden? Es ist ein ganz schmaler Grat.
Sind Sie mit Ihrer persönlichen Bilanz in Cottbus zufrieden?
Ich bin nie mit mir zufrieden. Es geht immer noch ein Stück besser. Letztlich ist meine Leistung so zu bewerten, wie die Leistung der gesamten Mannschaft: Und als Tabellenzehnter ist das im Moment nur Mittelmaß.
Aber Sie haben trotzdem noch viel Spaß am Fußball, oder?
Ja, ich fühle mich im Moment sehr fit, bin noch aggressiver und quirliger als früher. Ich freue mich einfach auf jedes Training und will mich weiter verbessern. Mal schauen, wie lange ich es noch aushalte.
Nehmen Sie die Spiele heute als erfahrener Profi anders wahr als früher?
Absolut. Meine Wahrnehmung ist eine ganz andere geworden. Ich kann mich jetzt viel mehr konzentrieren und habe es auch gelernt, mich nach dem Spiel zu entspannen. Wenn ich diese Erfahrungen mit 22 Jahren gehabt hätte, wäre vieles anders gelaufen. Aber das ist wie in jeder anderen Branche – sicher auch bei Ihnen als Journalist. Man lernt nie aus.
Werfen wir zum Schluss einen Blick voraus: Was ist für Energie Cottbus in der laufenden Saison noch möglich?
Wir stehen derzeit im Niemandsland. Die fünf Mannschaften an der Tabellenspitze sind weit weg. Deshalb bringt es nichts, sich unrealistische Ziele zu setzen. Wir wollen uns jetzt mit dem neuen Trainer einspielen und einfach viel besser abschneiden als in der Hinrunde.
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Artikel-Aktualisierungen:
Erstellt am: 28. Januar 2012, 00:00 Uhr
Geändert am: 28. Januar 2012, 10:23 Uhr
Autor: Mit Ivica Banovic sprach Frank Noack

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