Lausitzer bilden Kampfgemeinschaft mit Hertha BSC Berlin II / Erster Heimauftritt am 18. Dezember
Cottbus
Nach fast 17 Jahren im Boxsport will der fünffache deutsche Amateur-Meister Enrico Wagner aus Cottbus künftig den Schwerpunkt verstärkt auf seine berufliche Entwicklung legen. Boxen soll zwar weiter ein wichtiger Lebensinhalt des 26-Jährigen bleiben, aber unter veränderten Vorzeichen.
Enrico Wagner hat die Folgen eines Überfalls in Cottbus verwunden, kann wieder boxen. Foto: Behnke Foto: Behnke
„Ich bin jetzt 26 und werde national wie international sportlich nicht mehr ganz oben rankommen, so wie ich mir das mal erhofft hatte“, sagte Wagner, der kürzlich seine Ausbildung zum Industriekaufmann abgeschlossen hat, momentan aber auf Stellensuche ist. Priorität habe künftig für ihn der Beruf, auch Gedanken an eine Familiengründung gebe es immer öfter. Die letzten Wochen habe er genutzt, um einige grundlegende Entscheidungen für seine Zukunft zu treffen. „Ich habe deshalb auch die Teilnahme an der Israel-Reise des BCC abgesagt“, erklärte Wagner gegenüber der RUNDSCHAU.
Nachdem erste Weichenstellungen im Umfeld vorgenommen sind, wäre Wagner nun wieder bereit, für den BCC zu boxen. In der beginnenden Oberliga-Saison möchte er für die neu gebildete Kampfgemeinschaft Hertha BSC II/BC Cottbus in den Ring steigen – trifft aber auf Widerstand seines langjährigen Heimtrainers Dietmar Schnieber. Für den Auftakt in Straubing (siehe unten) ist Wagner (noch) kein Thema, er ist aus privaten Gründen verhindert. Zur Heimpremiere gegen Chemnitz am 18. Dezember will der Weltergewichtler aber den dritten Kampf nach seiner schweren Kopfverletzung bestreiten. Dazu müssen aber zunächst Meinungsverschiedenheiten mit Schnieber ausgeräumt werden. Derzeit macht Wagner einen Bogen um dessen Trainingsgruppe, bereitet sich allein vor. Für Dietmar Schnieber völlig unakzeptabel: „Ich stelle Enrico Wagner nur auf, wenn er auch bei mir trainiert. Ich habe schließlich eine Verantwortung für die Boxer.“
Die Vorsicht des BCC-Trainers liegt in der Vorgeschichte Wagners begründet. Im Mai 2008 wurde er vor dem Cottbuser Glad-House Opfer eines schweren Flaschen-Attentats (die RUNDSCHAU berichtete), musste danach lange um seine Gesundheit bangen. Im Herbst schaffte Wagner nach vielen Mühen die Rückkehr in den Boxring und qualifizierte sich für die deutschen Meisterschaften in Berlin. Ein Karriereende hat Wagner in dieser Zeit nie ernsthaft erwogen, aber jetzt kann er Gedanken ans Aufhören nicht mehr komplett zur Seite schieben. Wagner: „Wenn sich Boxen mit dem Beruf vereinen lässt, wäre das schön. Wenn nicht, werde ich den Beruf vorziehen.“
Der Boxclub Cottbus (BCC) startet am Samstag mit dem Auswärtskampf beim BC Straubing (20 Uhr/Ejadonhalle) in die neue Oberliga-Saison – als Kampfgemeinschaft mit Hertha BSC II (die RUNDSCHAU berichtete). Die Berliner werden in der Regel die drei höchsten Gewichtsklassen besetzen, für die der BCC keine eigenen Kämpfer zur Verfügung hat.
„Gegen Straubing haben wir schon in der vergangenen Saison geboxt. Da ist damit zu rechnen, dass wir gegen eine Bayern-Auswahl antreten, da die Münchner als einziger Club Bayerns in einer Box-Liga dabei sind“, sagte BCC-Trainer Dietmar Schnieber. Für die Cottbuser stehen zur Verfügung: Marko und Marten Lebeda, Artjom Dashyan, Phillipp Kussey sowie der kürzlich bei den internationalen deutschen Jugendmeisterschaften erfolgreiche Tom Tran. Ob auch Philipp Nsingi, der bei den Meisterschaften Silber gewann, dabei sein kann, ist noch offen. Nsingi wird erst im Februar 17 Jahre alt und wäre erst dann startberechtigt. Der BCC bemüht sich aber um eine Sonderregelung. Der fünffache Leichtgewichtsmeister Enrico Wagner fehlt zum Oberliga-Auftakt (siehe Extra-Text).
Geboxt wird in der 3. Liga in acht Gewichtsklassen mit Hin- und Rückkampf. Neben dem BCC und Straubing gehören der UBV Schwedt und der Chemnitzer BC der Staffel an. Den ersten Heimkampf bestreiten die Cottbuser am 18. Dezember in der Lausitz-Arena (Beginn: 20 Uhr) gegen Chemnitz. Eig. Ber./vdb
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