Stadthaushalt wird zum Albtraum für Cottbuser Finanzchef
Haushaltsdebatte wird zum Streichkonzert / Gesetzgeber schließt Pleite aus
Cottbus Tiefrote Zahlen werden dieser Tage den Cottbuser Stadtverordneten präsentiert. Streich- statt Wunschkonzert – schon vor der Debatte über den Haushalt für das Jahr 2010 ist die Richtung klar. Kann angesichts der düsteren Prognosen auch eine Stadt pleitegehen? Dieser Frage ist die RUNDSCHAU nachgegangen.
Beim Blick auf die prognostizierte Entwicklung von Schlüsselzuweisung, Gewerbesteuern und Einkommens- sowie Umsatzsteuer spricht Finanzbürgermeister Holger Kelch von „einem Albtraum“. Aus eigener Kraft sei das Schiff nicht mehr auf Kurs zu bringen. Deshalb hat Oberbürgermeister Frank Szymanski den brandenburgischen Kabinettsmitgliedern eine detaillierte Aufstellung der Entwicklung der Finanzkraft, der Schulden der Stadt Cottbus und Belastung der Kommune durch vom Bund und Land nicht ausfinanzierte Pflichtaufgaben übergeben. Auch die Landtagsabgeordneten aus der Region standen auf dem Verteiler. Cottbus schließe sich den Forderungen des Deutschen Städtetages an, „bei allen Maßnahmen, die sich auf die kommunalen Einnahmen und Ausgaben auswirken, die Folgen für die Leistungsfähigkeit der Kommunalverwaltung stärker zu beachten“. Passiert nichts, beliefe sich Ende des Jahres 2013 die Schuldenlast auf 400 Millionen Euro. Selbst ein Verzicht auf alle freiwilligen Ausgaben brächte lediglich eine Ersparnis von 23 Millionen Euro. Wuppertal wäre dann nicht mehr weit. Eine Privatperson hätte in einer solchen Situation schon längst Insolvenz angemeldet. Kann also auch eine Stadt pleitegehen? Holger Kelch überlegt kurz. „Eigentlich nicht“, antwortet er. Allerdings habe es bei vergleichbaren Situationen in der Geschichte schon Reaktionen der Politik gegeben. „Dann wurden einfach ein paar Nullen gestrichen und das Ganze Währungsreform genannt“, so der Cottbuser Finanzbürgermeister.

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