Rüstig, wissbegierig, ausgebucht
Immer mehr Senioren besuchen Vorlesungen und Kurse an den Lausitzer Hochschulen in Cottbus und Senftenberg
Cottbus/Senftenberg Von wegen Schattendasein – die Senioren haben in den vergangenen Jahren die Lausitzer Hochschulen erobert. Hoch motiviert und bestens vorbereitet sitzen wöchentlich etwa 400 betagte Studenten in Cottbus und Senftenberg in eigens für sie veranstalteten Vorlesungen, Kursen oder Projektgruppen. Einige schnuppern in Vorlesungen der „normalen“ Studenten hinein. Die Anmeldelisten für Seminare und Exkursion platzen aus allen Nähten. Ebenso die Terminkalender der Senioren.
Auch Regina (71) und Horst Sabbath (73) aus Ruhland sind schon da. Die ehemalige Grundschullehrerin, und der diplomierte Maschinenbauer, der viele Jahre im Synthesewerk und dann bei der BASF gearbeitet hat, kommen seit zehn Jahren fast jede Woche nach Senftenberg. „Wir hatten in der RUNDSCHAU davon gelesen und wollten einfach geistig fit bleiben“, berichtet Regina Sabbath. Die beiden sind des Lobes voll über die Seniorenakademie. Während sich Horst Sabbath vor allem für die technischen Vorträge begeistert – besonders interessant fand er den im März über Home-Netzwerke – sind es bei seiner Frau die Themen Ernährung und Gesundheit. „Wir erfahren viele aktuelle Dinge, die wir nicht wussten“, sagen sie. „Am schönsten sind die Exkursionen. Vor Kurzem waren wir im Dresdner Flughafen und bekamen dort Dinge gezeigt, die wir sonst nie sehen würden.“
Beeindruckt von Professoren
Auch Renate Gottwald (74) aus Senftenberg, die „nebenbei“ auch noch aktiv im Kinderschutzbund, im Frauenbund und im Theaterförderverein ist, schwärmt von der Seniorenakademie. „Ich bin neugierig, will wissen, was in der Region los ist – und bin beeindruckt von den gescheiten Professoren, die hier die Vorträge halten“, erzählt die ehemalige Deutsch-Lehrerin.
Einer davon ist Prof. Bernhard Glück, der jetzt unten im Hörsaal mit seiner eigens für die Senioren aufbereiteten Vorlesung zum Thema „Fotovoltaik oder Fotothermie“ beginnt. Schon öfter hat er die betagten Studenten unterrichtet und ist jedes Mal begeistert von deren Disziplin und Interesse. „Das ist schon anders als bei den jungen Studenten“, findet er. Und so ist es auch mucksmäuschenstill, als Prof. Glück die Strahlkraft der Sonne erklärt, nach wenigen Minuten kommt die erste Frage aus dem Rund.
Das freut Dr. Wolfgang Friedrich natürlich besonders. Der 72-Jährige, der zuletzt an der Hochschule als Wirtschaftswissenschaftler gearbeitet hat und Direktor der Vorgängerhochschule, der Ingenieurschule für Bergbau und Energetik war, gehörte vor elf Jahren zu den Gründungsvätern der Seniorenakademie. Noch heute kümmert er sich um seine „Schützlinge“. „Der Frauenanteil ist auf 43 Prozent angestiegen“, sagt er stolz. „Es gibt bei uns keine Altersgrenze, von 58 bis 82 ist alles vertreten.“ Besonders freut er sich darüber, dass zunehmend Teilnehmer der Seniorenakademie selbst Vorträge halten, wie beispielsweise jüngst Dietmar Ziller, ehemaliger Direktor des Gymnasiums Schwarzheide, zum Thema „Hochbegabung – Segen oder Fluch?“
Chronik und Homepage
„Häufig sind Kurse sofort ausgebucht, egal ob traditionelle oder neu aufgenommene Veranstaltungen“, berichtet sie. Eine Herausforderung anderer Art sind die Projektgruppen, in denen das klassische Schüler-Lehrer-Verhältnis aufgehoben ist und die Senioren unter wissenschaftlicher Anleitung selbst aktiv werden. „Eine Projektgruppe gestaltet gerade eine Chronik der Seniorenuniversität, die wir 2011 zum zehnjährigen Bestehen publizieren möchten“, sagt Uta Galow. „Eine andere Gruppe arbeitet an einer Homepage für die Seniorenuniversität – die Grundlagen dafür haben sie im Computerkurs gelernt.“
In Senftenberg hat Prof. Glück inzwischen seine Vorlesung beendet, und glücklich entschwinden die Senioren in den sonnigen Nachmittag. Renate Gottwald hat nicht alles verstanden. Dennoch verkündet sie augenzwinkernd, sich eine Solaranlage aufs Dach zu bauen. „Zumindest bin ich beruhigt, dass es auch in Zukunft Energie geben wird“, fügt die 74-Jährige ernsthaft hinzu.
Zahlen Fakten und Kontakte:
Die Seniorenakademie der Hochschule Lausitz (FH) startete im Januar 1999 und wuchs von etwa zwei Dutzend Zuhörern auf inzwischen etwa 150 Senioren. In jedem Semester gibt es mittwochs von 14.30 bis 16 Uhr eine Vorlesung und meist zwei Exkursionen. Alle Senioren bekommen einen Gasthörerausweis. Kosten: 45 Euro pro Semester, pro Einzelveranstaltung 7,50 Euro. Anmeldung und Kontakt über Marlies Hennig, Telefon: 03573 85278, E-Mail: marlies.hennig@hs-lausitz.de, Internet: www.ifw-fhl.de
Die Seniorenakademie der Hochschule Lausitz (FH) startete im Januar 1999 und wuchs von etwa zwei Dutzend Zuhörern auf inzwischen etwa 150 Senioren. In jedem Semester gibt es mittwochs von 14.30 bis 16 Uhr eine Vorlesung und meist zwei Exkursionen. Alle Senioren bekommen einen Gasthörerausweis. Kosten: 45 Euro pro Semester, pro Einzelveranstaltung 7,50 Euro. Anmeldung und Kontakt über Marlies Hennig, Telefon: 03573 85278, E-Mail: marlies.hennig@hs-lausitz.de, Internet: www.ifw-fhl.de
Die Seniorenuniversität der BTU Cottbus begann 2001 mit 87 Gasthörern. Inzwischen ist die Zahl der Interessenten auf zirka 450 angestiegen, über die Hälfte nimmt derzeit aktiv teil. Im Angebot sind wissenschaftliche Vortragsreihen (Seniorenkolleg, Ringvorlesungen), die kostenfrei sind. Für Seminare, Kurse, Workshops, Projektgruppen, Exkursionen, Sportangebote oder Gasthörerschaft wird eine Gebühr von derzeit 30 Euro pro Semester erhoben. Kontakt: Uta Galow, Telefon: 0355 693615, E-Mail: weiterbildung@tu-cottbus.de, Internet: www.tu-cottbus.de/weiterbildung
Der Cottbuser Seniorenbeirat bietet in Zusammenarbeit mit dem Carl-Thiem-Klinikum ebenfalls eine Vortragsreihe an, die 1998 zusammen mit der damaligen Fachhochschule Lausitz entstand. Es gibt meist drei Vorträge im Halbjahr im Hörsaal-Altbau in der Thiemstraße, so auch am heutigen Dienstag, 16 Uhr, zum Thema „Gesunde Ernährung im Alter“. Ansprechpartner ist Eberhard Karwinski von Karwin, Vorsitzender des Seniorenbeirats, unter Telefon: 0355 6122989
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Erstellt am: 11. Mai 2010, 00:00 Uhr
Geändert am: 01. März 2012, 15:13 Uhr
Autor: Von Steffi Schubert

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