02. September 2010, 17:11 Uhr

Neues Breitbandnetz soll Lausitzer Internet-Löcher stopfen

Mobilfunkanbieter starten zur IFA den Live-Betrieb der vierten Handynetz-Generation LTE

Cottbus Kein Anschluss unter dieser Nummer: Diese Meldung bekommen viele Handy- und DSL-Besitzer in der Lausitz angezeigt. Noch immer klaffen große Lücken im Versorgungsnetz für schnelle Mobilfunk- und Internetanschlüsse. Mit der vierten Handynetz-Generation LTE sollen einige dieser Löcher jetzt aber gestopft werden.

Sven Hübner ist der Chef von Hübner Computerservice (HCS) in Cottbus. Er richtet zum Beispiel Kanzleien oder Steuerbüros das Büro-Netzwerk ein, übernimmt die Fernwartung und bietet den Zugriff auf Serversysteme an, auf denen die sensiblen Kunden-Daten lagern. Der gesamte Datenstrom läuft über das Internet – eine schnelle Verbindung ist für Hübner enorm wichtig. An seinem zweiten Firmensitz in Hänchen, Luftlinie nur drei Kilometer außerhalb von Cottbus, klafft allerdings schon eines der Breitband-Löcher. Hübner: „Ich habe dort zwar DSL, aber nur mit einer 1 Megabit pro Sekunde-Leitung. Für bestimmte Dienstleitungen ist das nicht tragbar. Vor allem für Firmen im IT-Bereich oder Ingenieurbüros, die oft mit Zeichnungen und damit großen Datenmengen arbeiten, ist das ein klarer Standortnachteil.“

Das nächste Problem zeigt sich, wenn er in der Region bei Kunden unterwegs ist: Kommt ein Notruf, weil ein System in einem anderen Büro hängt, muss er mit dem Laptop und per Mobilfunknetz UMTS darauf zugreifen. Aber auch darin klaffen große Lücken. „Ich bin immer mit mehreren UMTS-Karten von verschiedenen Mobilfunk-Anbietern unterwegs. Aber das ist natürlich nicht im Sinne des Erfinders“, sagt Sven Hübner.

So wie dem HCS-Chef geht es vielen Lausitzer Unternehmern. Doch jetzt könnte Bewegung in das digitale Datennetz in der Region kommen. Die Deutsche Telekom und Vodafone haben am Montag mit dem Aufbau der vierten Mobilfunk-Generation in Deutschland begonnen. Vor allem im Osten sollen damit viele weiße Flecken beseitigt werden. 500 Telekom-Standorte werden bis Jahresende mit dem neuen Funkstandard LTE (Long Term Evolution) ausgestattet. Darunter nach RUNDSCHAU-Informationen auch schon ungefähr 15 Stationen in Südbrandenburg und Nordsachsen. Wo genau in der Lausitz das Netz schon verfügbar sein wird, wollte die Telekom allerdings noch nicht verraten – aus Angst vor Wettbewerbern, die dann ihre Antennen vielleicht früher anbringen könnten.

So wie Vodafone, die am Donnerstag auf der Internationalen Funkausstellung (IFA) bereits erste Lausitzer Standorte bekannt gaben: In Briesensee, Bronkow, Freiwalde, Lamsfeld, Schlepzig, Schönwalde und Weißack werden bis Weihnachten die Mobilfunkmasten mit dem Vodafone-LTE-Netz ausgestattet.

Ob LTE wirklich zum Stopfen der Breitband-Löcher taugt, wird letztendlich vom Preis abhängen. Vodafone hat auf der IFA erste Paketpreise vorgestellt. Für 40 Euro gibt es eine Datenflatrate mit der Geschwindigkeit von 7,2 Megabit pro Sekunde und zehn Gigabyte Datenvolumen inklusive. Für die nächst schnellere Leitung mit 21,6 Megabit pro Sekunde wären 50 Euro fällig. Die Telekom wollte noch keine Angaben zu Tarifen und Preisen machen. Denn ein Problem ist nicht gelöst: Es mangelt noch an LTE-fähigen Endgeräten wie USB-Sticks oder Modems. Bei der Telekom wird deswegen mit dem Marktstart nicht vor dem 1. Quartal 2011 gerechnet. Vodafone hofft noch auf den Start zum Weihnachtsgeschäft.

Die etwas längere Wartezeitr würde aber Sven Hübner nicht stören: „Alles was schneller ist als bisher, ist schon ein Gewinn. Damit könnten wir natürlich besser arbeiten.“
Zum Thema: LTE gegen UMTS Gegenüber dem Vorgängernetz UMTS hat LTE einige große Vorteile: LTE ist mit einer Geschwindigkeit von bis zu 50 Megabit pro Sekunde und einem Minimum von 2 Megabit pro Sekunde zehn bis zwanzig Mal schneller als UMTS. Darüber hinaus ist auch die Reichweite deutlich besser: Während UMTS nur in einem Radius von maximal einem Kilometer rund um einen Mobilfunkmast empfangbar ist, sind es bei LTE zehn Kilometer. Nachteil bleibt allerdings, dass sie sich das Netz mit anderen Nutzern teilen müssen. Je mehr sich einloggen, umso niedriger die Geschwindigkeit.
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Erstellt am: 02. September 2010, 17:11 Uhr
Geändert am: 02. September 2010, 17:14 Uhr
Autor: Sven Bock

Sven Bock

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