Erste Risse im Deich - Oder-Hochwasser hat Scheitel erreicht

Ratzdorf Der Höhepunkt der Oderflut hat Deutschland so gut wie erreicht. Das Wasser stand am ersten Pegel hinter der polnischen Grenze, in Ratzdorf, am frühen Morgen bei 6,30 Meter. Es stieg aber nur noch langsam. Zugleich wurde in der Nacht zum Freitag in der Nähe an einem Altdeich ein erster Schaden entdeckt.

Hochwasserschutz in der Neuzeller Niederung
Feuerwehrmaenner sitzen am Donnerstag (27.05.10) auf dem mit Sandsaecken verstaerkten Oderdeich in der Neuzeller Niederung bei Neuzelle (Brandenburg). An den 163 Kilometer langen Oderdeichanlagen auf Brandenburger Seite werden die Vorsorgemassnahmen gegen das Hochwasser unterdessen fortgesetzt. An einem seit der Flut von 1997 noch unsanierten Deichabschnitt in der Neuzeller Niederung zwischen Ratzdorf und Eisenhuettenstadt stapeln Helfer seit Mittwochnacht (26.05.10) Sandsaecke auf, um den Damm zu sichern. (zu ddp-Text) Foto: Michael Urban/ddp Foto: Michael Urban (ddp)
Das Hochwasser der Oder hat im brandenburgischen Ratzdorf (Oder-Spree) seinen Höhepunkt erreicht. Am dortigen Pegel stand die Flut um 8.00 Uhr bei 6,28 Meter, nachdem es in der Nacht noch ein bis zwei Zentimeter mehr gewesen waren, wie das Hochwassermeldezentrum in Frankfurt (Oder) am Freitag mitteilte. Bei der verheerenden Flut 1997 lag der Höchststand bei 6,91 Meter. Zugleich wurde in der Nacht zum Freitag in der Nähe an einem Altdeich ein erster Schaden entdeckt. „Der Deich ist in seinem Wesen nicht gefährdet“, sagte Innenminister Rainer Speer (SPD) am Freitag. Laut Experten werden die Deiche halten.

Helfer seien dabei, den durch das Abrutschen einer Grasnarbe entstandenen Schaden zu beheben. Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) hatte Medienberichten zufolge von einem etwa 25 Meter langen Riss an dem Altdeich gesprochen. Laut Speer gibt es an anderen Deichen entlang der Oder nach derzeitigen Erkenntnissen keine weiteren ähnlichen Schäden. Mit Blick auf das anhaltende Hochwasser wird am frühen Nachmittag bei Schwedt (Uckermark) nördlich von Frankfurt (Oder) gezielt ein Polder geöffnet, um Druck von den Deichen zu nehmen.

In Brandenburg gilt bereits im Landkreis Oder-Spree, in dem auch Ratzdorf liegt, die höchste Alarmstufe 4. Es wurde damit gerechnet, dass sie im Laufe des Freitags auch für die Grenzstadt Frankfurt (Oder) ausgerufen wird. Dort ist nach Angaben der Stadt bereits ein besonders gefährdeter Straßenzug überschwemmt. In der Stadt wird der Flutscheitel erst im Laufe des Tages erwartet. Damit die Deiche dort nicht überflutet werden, sind Spundwände hochgezogen worden. Außerdem liegen tausende von Sandsäcken für den Notfall bereit.

Bei Slubice, der teilweise zwei Meter unter dem Fluss liegenden polnischen Nachbarstadt von Frankfurt (Oder), wurden bereits zwei Dörfer evakuiert. Schulen und Kindertagesstätten sind geschlossen. Bisher haben die Deiche aber auch dort gehalten. Der polnische Innenminister Jerzy Miller hält die Hochwasserlage am deutsch-polnischen Grenzfluss Oder für stabil. „Der Pegel ist hoch, aber nicht so hoch, dass dort Dammbrüche drohen würden“, sagte Miller am Freitag in Warschau. Das Wasser sei an einigen Stellen durch die Deiche durchgesickert, es drohe jedoch keine Katastrophe.

Dagegen bleibt die Lage am rechten Nebenfluss der Oder, der Warthe, angespannt. Hier bereitet sich die größte Stadt dieser Region, Posen (Poznan), auf den Hochwasserscheitel vor.


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Bilderstrecke Frankfurt (Oder) | 25.05.2010
Hochwasser an der Oder steigt
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Erstellt am: 28. Mai 2010, 11:25 Uhr
Geändert am: 31. Mai 2010, 07:03 Uhr
Autor: dpa/boc

dpa/boc

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