Erste Risse im Deich - Oder-Hochwasser hat Scheitel erreicht
Ratzdorf Der Höhepunkt der Oderflut hat Deutschland so gut wie erreicht. Das Wasser stand am ersten Pegel hinter der polnischen Grenze, in Ratzdorf, am frühen Morgen bei 6,30 Meter. Es stieg aber nur noch langsam. Zugleich wurde in der Nacht zum Freitag in der Nähe an einem Altdeich ein erster Schaden entdeckt.
Helfer seien dabei, den durch das Abrutschen einer Grasnarbe entstandenen Schaden zu beheben. Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) hatte Medienberichten zufolge von einem etwa 25 Meter langen Riss an dem Altdeich gesprochen. Laut Speer gibt es an anderen Deichen entlang der Oder nach derzeitigen Erkenntnissen keine weiteren ähnlichen Schäden. Mit Blick auf das anhaltende Hochwasser wird am frühen Nachmittag bei Schwedt (Uckermark) nördlich von Frankfurt (Oder) gezielt ein Polder geöffnet, um Druck von den Deichen zu nehmen.
In Brandenburg gilt bereits im Landkreis Oder-Spree, in dem auch Ratzdorf liegt, die höchste Alarmstufe 4. Es wurde damit gerechnet, dass sie im Laufe des Freitags auch für die Grenzstadt Frankfurt (Oder) ausgerufen wird. Dort ist nach Angaben der Stadt bereits ein besonders gefährdeter Straßenzug überschwemmt. In der Stadt wird der Flutscheitel erst im Laufe des Tages erwartet. Damit die Deiche dort nicht überflutet werden, sind Spundwände hochgezogen worden. Außerdem liegen tausende von Sandsäcken für den Notfall bereit.
Bei Slubice, der teilweise zwei Meter unter dem Fluss liegenden polnischen Nachbarstadt von Frankfurt (Oder), wurden bereits zwei Dörfer evakuiert. Schulen und Kindertagesstätten sind geschlossen. Bisher haben die Deiche aber auch dort gehalten. Der polnische Innenminister Jerzy Miller hält die Hochwasserlage am deutsch-polnischen Grenzfluss Oder für stabil. „Der Pegel ist hoch, aber nicht so hoch, dass dort Dammbrüche drohen würden“, sagte Miller am Freitag in Warschau. Das Wasser sei an einigen Stellen durch die Deiche durchgesickert, es drohe jedoch keine Katastrophe.
Dagegen bleibt die Lage am rechten Nebenfluss der Oder, der Warthe, angespannt. Hier bereitet sich die größte Stadt dieser Region, Posen (Poznan), auf den Hochwasserscheitel vor.




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