Das muss Satan höchstpersönlich sein
Spiel mit Animationen, drei desillusionierte Männer und Balkankrieg am zweiten Wettbewerbstag
„Mit Crulic – Der Weg ins Jenseits“, „Gromozeka“ und „Der Feind“ sind am Donnerstag die nächsten drei Spielfilme in den Wettbewerb um den mit 20 000 Euro dotierten Hauptpreis gestartet.
Die rumänische Regisseurin Anca Damian, die schon 1999 und 2008 mit Arbeiten in Cottbus vertreten war, hat sich dieses Themas angenommen und ihren zweiten abendfüllenden Spielfilm daraus gemacht: „Crulic – Der Weg ins Jenseits“ ist eher eine Dokumentation denn ein Spielfilm. Eine eigenwillige Arbeit zudem, denn Damian nutzt Mittel des Zeichentricks, Collagen aus Fotografien, Knetfiguren, Computeranimationen, gelegentlich auch Realaufnahmen, die leicht verfremdet zum Einsatz kommen. „Crulic – Der Weg ins Jenseits“ ist ein einziges Spiel mit technischen Möglichkeiten – aber dieses Spiel scheint irgendwie nicht dem Thema angemessen. Vielleicht spricht hier aber auch der Traditionalist, und die 1962 geborene Anca Damian, die an der Akademie für Theater und Filmkunst Bukarest ihren Doktor machte, hat hier das Kino der Zukunft angedeutet?
Als sie noch Teenager waren, spielten die drei zusammen in der Band Gromozeka. Jetzt, über 30 Jahre später, sind sie angeblich im besten Alter, sie sitzen in der Sauna und erzählen sich, wie sie leben. Alle drei Männer versichern anfangs, ihnen ginge es gut. Dann aber sehen wir, dass der Polizist Vasya nicht mehr für den Dienst auf der Straße taugt. In der Ehe ist auch nichts mehr los. Taxifahrer Mozerov ist längst von seiner Frau verlassen worden, und dann muss er auch noch erfahren, dass seine Tochter im horizontalen Gewerbe tätig ist. Chirurg Eduard kann sich nicht zwischen seiner Ehefrau und seiner Geliebten entscheiden, die aber nun ein Kind von ihm erwartet. Und dann wirft ihn die Diagnose Krebs um.
Auch Regisseur Vladimir Kott aus Russland ist kein Unbekannter in Cottbus. 2008 ist er hier für „Mukha“ mit dem Preis für den besten Debütfilm geehrt worden. Mit „Gromozeka“ hat er nun einen Spielfilm am Start, der einerseits desillusionierte Männer zeigt, aber nicht ohne Wärme und auch Witz daherkommt. Ansehnlich!
Das gilt auch für den dritten Beitrag des zweiten Wettbewerbstages: Es ist der siebente Tag des Waffenstillstandes in Bosnien 1995. Eine kleine Pionierarbeit soll unter Aufsicht der Ifor-Friedenstruppen das Gelände im Nirgendwo von Minen räumen, die sie vor Kurzem noch selbst gelegt haben. Erst fahren die Friedenstruppen fort und erscheinen nicht wieder, dann reißt der Funkkontakt zur Außenwelt ab, die längst überfällige Wachablösung bleibt aus. Die Nerven und die Seelen haben ohnehin im Krieg gelitten. Dann finden die Soldaten in einer Fabrikruine in einem zugemauerten Keller einen Mann. Der scheint weder Müdigkeit noch Hunger oder Durst zu kennen. Das ist äußerst unheimlich. Das gibt's doch gar nicht. Das muss Satan höchstselbst sein . . .
„Der Feind“ von Dejan Zecevic (Serbien / Montenegro) ist fesselnd bis zum Schluss. Der Regisseur klärt das Publikum nicht auf, es kann sich ruhig seine Gedanken machen zu dem, was ihm da in kalten Farben serviert wird. Eine hervorragende Idee, den Teufel – der nicht getötet werden darf, sonst ist das Ende der Welt nah – heraufzubeschwören! Der Krieg ist beendet, aber immer noch hält er tödliche Ernte. Aber der Teufel rührt doch eigentlich keinen Finger – ist er nicht doch nur ein Sinnbild?
Ein eindrucksvoller Film!
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Erstellt am: 04. November 2011, 00:00 Uhr
Geändert am: 01. März 2012, 14:02 Uhr
Autor: Von Peter Blochwitz

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