17. November 2009, 14:42 Uhr

Das Sandmännchen im Polit-Thriller

Potsdam Es hat die DDR und seinen Konkurrenten aus dem Westen überlebt, macht niemals Urlaub und ist nie krank. Trotzdem wirkt das Sandmännchen kein bisschen gealtert. Dabei schickten die DDR-Oberen das Männchen mit Spitzbart, Knopfaugen und Zipfelmütze einst als Klassenkämpfer auf den Bildschirm.

Plattenbau-Abriss in Tutow
Der Sandmann grüßt vor einem Plattenbau aus DDR-Zeiten in der Gemeinde Tutow im Landkreis Demmin (Mecklenburg-Vorpommern). Foto: dpa

Kaum zu glauben, in welchen Polit-Thriller das harmlos-freundliche Sandmännchen 1959 verstrickt war. Als die Macher des staatlichen DDR-Fernsehens Wind von Plänen des Sender Freies Berlin bekommen, ab Dezember einen Sandmann mit Gutenachtgeschichten auf Sendung zu schicken, setzen sie alle Hebel in Bewegung: Binnen weniger Wochen entwickelt Regisseur Gerhard Behrendt für den Deutschen Fernsehfunk (DFF) eine Sandmännchenfigur und erweckt sie mit Hilfe von Trickfilmtechnik zum Leben. Wolfgang Richter komponiert die legendäre Titelmelodie „Sandmann, lieber Sandmann“ – der Legende nach an nur einem Abend.

Der Coup gelingt: Am 22. November 1959 – gut eine Woche vor der westdeutschen Konkurrenz – flimmert erstmals das Ost-Sandmännchen über die Bildschirme und erobert prompt die Herzen seiner Zuschauer. Als der müde Sandmann erschöpft an einer Straßenecke einschläft, bieten ihm Kinder in Briefen ihre Betten an.
 

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Erstellt am: 17. November 2009, 14:42 Uhr
Geändert am: 01. März 2012, 13:53 Uhr
Autor: AFP/wor

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