Weißwasser
In drei Teilen wird sich unser Autor Lutz Stucka in den nächsten Wochen mit dem Thema Militär beschäftigen. Los geht es zu Napoleons Zeiten.
Schlesische Landwehr um 1815.
Die Folgen der napoleonischen Kriege in Deutschland, besonders die verheerende Niederlage der preußischen Armee bei Jena und Auerstädt, brachte Militärreformer wie Scharnhorst und Gneisenau dazu, nicht mehr nur freiwillige Söldner für den Militärdienst zu gewinnen, sondern es sollte ein jeder eine gewisse militärische Ausbildung absolvieren und sich bei einer Mobilmachung bereitstellen, um das Vaterland zu verteidigen. Diese Pflichtarmee wurde Landwehr genannt. Es wurden also junge Burschen entsprechend der erreichten Jahrgänge aufgefordert, sich zur Musterung einzufinden, um für den Militärdienst als tauglich befunden und für eine Waffengattung eingeteilt zu werden. Als nach dem Krieg Sachsen an der Seite Napoleons Kriegsverlierer war, musste es unter anderen den nördlichen Teil der Oberlausitz an Preußen abtreten. Die hinzu gekommenen Gebiete, darunter auch die Standesherrschaft Muskau mit Weißwasser, hatten jetzt Soldaten für die preußische Armee zu stellen.
Es ist anzunehmen, da der hinzu gekommene nördliche Teil der Oberlausitz der bestehenden preußischen Provinz Schlesien angegliedert wurde, dass auch die hier ausgehobenen Rekruten für die neuaufgestellten schlesischen Landwehr-Regimenter bestimmt waren. Diese obligatorischen Truppen bestanden neben den regulären Freiwilligen Einheiten der Armee zusätzlich. Sie waren nur für die Verteidigung der Heimat vorgesehen. Angriffskriege hatten, wie bisher, nur die freiwilligen Söldner zu bestreiten. Die schlesischen Landwehrleute waren anfangs sehr spärlich ausgerüstet. Sie trugen einen blauen Rock, die Farbe der Preußen, mit zwei Knopfleisten (Lithewka) mit Aufschlägen und Kragen in Farbe der Provinz Schlesien, in Gelb. Dabei konnte in den sorbischen Gebieten die Uniformjacke gespart werden, denn den jungen Burschen wurde einfach, wenn sie sich zum Militärdienst stellten, auf den landesüblichen blauen Bauernrock ein gelber Kragen genäht und die Uniform war fertig.
Einen Mantel und einen Tornister gab es nach und nach zum Winter. Aus Mangel an Gewehren trugen die Kämpfer anfangs nur Spieße, Feuerwaffen konnten nur zögerlich beschafft werden. Säbel führten vorerst nur die Unteroffiziere. Im Laufe der Zeit und auch nach mehreren Umstrukturierungen verschmolzen die Landwehrtruppen mit den regulären Einheiten und auch die Ausrüstung glich sich an. Neugliederungen und Umunterstellungen der alten Regimenter zu neuen Verbänden führten schließlich dazu, dass die Rekrutenaushebestelle Muskau dem 1. Westpreußischen Landwehr Regiment Nr. 6 unterstand. Dieses Regiment wurde am 14. Oktober 1772 aufgestellt und hatte seine Garnison in Posen. Es gehörte bis 1914 dem V. Armeekorps der 10. Division an und dort zur 19. Infanterie-Brigade. Es ist nicht auszuschließen, dass erstmals freiwillige und Landsturmleute aus der Umgebung von Muskau im Bestand des Infanterie-Linien-Regiments (1. Westpreußisches) Nr.
6 im Preußisch-Österreichischen Krieg 1866 bei Nachod, am 4. August 1870, während des Deutsch-Französischen Krieges, im Gefecht bei Weißenburg und am 6. August 1870 in der Schlacht bei Wörth teilnahmen. Die zahlreichen Umstrukturierungen erschweren genaue Nachforschungen. Im Bestand des jetzt folgenden Kaiserlich Deutschen Heeres wurde im Jahr 1889 das 1. Westpreußische Infanterie-Regiment in das Grenadier-Regiment Graf Kleist von Nollendorf (1. Westpreußisches) Nr. 6 umbenannt.
Zeittafel
1885, März
Als Bezirksoffizier des Landwehrbezirkes Muskau handelt Major Sommerlatte. Im November 1897 wird Hauptmann Lobeck in diesem Amt erwähnt. Neben dem Bürgermeister und dem Grafen Arnim ist der Offizier die nächst höher gestellte Persönlichkeit in der Stadt.
1886
Befördert wird der Sekonde-Liutenant John von der Landwehr-Infanterie des 2. Bataillon (Muskau) 1. Westpreußisches Landwehr-Regiment Nr. 6 wegen vorbildlichen militärischen Verhaltens.
1886, 14. Mai
Am Abend treffen Se. Exellenz der Divisionskommandeur General-Luitenant von Brandenstein mit Adjudant Rittmeister von Hagen in Muskau, Hotel "Stadt Berlin" ein. Am Morgen 9.00 Uhr beginnen beide mit der Inspizierung der Montierungskammer, des hiesigen Landwehr-Bataillons ("Muskauer Bataillon") und dessen Stamm-Mannschaften (Unteroffiziere und Offiziere). Mittags reisen beide Offiziere weiter nach Lauban zu der dortigen Visitation.
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