Durch den Unfall kurz vor Schleife blieb die Bahnstrecke Cottbus-Schleife für zirka fünf Stunden gesperrt. Foto: Gabi Nitsche Foto: Gabi Nitsche
Der schwarze BMW-Kombi, der nahe des Unfallorts am ehemaligen Bahnübergang „Bude 111“ gefunden wurde, half der Polizei, herauszufinden, zu wem die menschlichen Überreste im Gleisbett gehören. Der Zug aus Richtung Cottbus war um 14.27 Uhr ungefähr zwei Minuten vom Bahnhof Schleife entfernt, als sich das Unglück ereignete. „Der Lokführer hat den Mann gesehen und war dadurch in der Lage, ein Warnsignal abzugeben“, so Odeg-Pressesprecher Jörg Kiehn. Doch das laute Pfeiffen hielt den 54-Jährigen nicht von seinem Vorhaben ab – er rannte in den Zug, statt davon. Trotz sofort eingeleiteter Notbremsung kam die Regionalbahn erst nach gut 330 Metern zum Stehen.

Odeg-Sprecher Kiehn bedauert, dass Menschen, die mit Vorsatz handeln wie am Sonntag, „mindestens einen Unschuldigen mitbelasten“ – den Lokführer. Ihm gehe es „wie es einem geht, unter dessen Zug jemand gestorben ist“. Ihm wie auch der Servicekraft sei psychologische Hilfe angeboten worden. Ob die Kollegen diese in Anspruch nehmen, sei deren Entscheidung.

Beistand – den bieten auch die Notfallseelsorger vom Kriseninterventionsteam im Landkreis Görlitz an für die Einsatzkräfte der Schleifer Feuerwehrleute und für Jörg Tschammer aus Rohne – ein gestandener und erfahrener Feuerwehrmann, der alles mitansah. Er war zu diesem Zeitpunkt nur wenige Meter davon entfernt Pilzesammeln, wie die RUNDSCHAU in ihrer gestrigen Ausgabe bereits berichtete. „Die Mitglieder der Gruppe bemühen sich um die Betroffenen, reden mit ihnen über das Ereignis. Sie geben ihnen so das Gefühl, nicht allein zu sein im Unglück“, erklärt Ingelore Ruge, Sachgebietsleiterin Katastrophenschutz im Landkreis Görlitz. Sie appelliert an die Kameraden, das Angebot ruhig anzunehmen, mit sich reden zu lassen. „Denn nicht jeder Einsatz der Kameraden geht spurlos an diesen vorbei.“ Das unterstreicht auch der stellvertretende Kreisbrandmeister Henry Kossack. Er selbst spreche über tragische Ereignisse mit seiner Familie und mit Kameraden. „So habe ich in den langen Jahren gelernt, damit umzugehen.“

Für die Bergungsarbeiten und polizeilichen Untersuchungen musste die Strecke für etwa fünf Stunden gesperrt werden. Während dieser Zeit wurde zwischen Cottbus und Schleife ein Schienenersatzverkehr mit vier Bussen eingerichtet. Ab 19.30 Uhr konnte die Sperrung der Bahnstrecke wieder aufgehoben werden, so der Odeg-Sprecher.