Günther Ickelsheimer fragt, was die OB-Kandidaten dagegen unternehmen werden
Weißwasser
Bereits einen Tag nach dem großen Wahlforum haben sich die OB-Kandidaten am Donnerstagabend erneut getroffen. Denn der Jugendring Oberlausitz hatte ins Jugendzentrum W.C.B. geladen, um zu erkunden, was richtig und was schief läuft in der aktuellen Jugendarbeit. Leider waren kaum junge Leute gekommen.
Günther Ickelsheimer. Foto: vc Foto: vc
Ein wenig abgekämpft, aber sichtlich gelöst, nahmen die fünf der insgesamt sechs OB-Kandidaten unter der Diskokugel des W.B.C. Platz. Amtsinhaber Hartwig Rauh (parteilos)ließ sich entschuldigen. Er hatte die Einladung zu spät erhalten und nahm daher einen Termin zur Bürgersprechstunde wahr.
Als gemeinsamer Ausgangspunkt wurde zunächst festgehalten, dass die Jugendarbeit in Weißwasser gut und das Angebot zufriedenstellend sei. Vor dem Hintergrund der bevorstehenden finanziellen Kürzungen war sich die Runde schnell einig: „Wir müssen uns dafür einsetzen, dass die bisherigen Strukturen in der Jugendarbeit erhalten bleiben“, sprach Torsten Pötzsch (Klartext) auch im Sinne der anderen Diskussionsteilnehmer.
Danilo Hermann (parteilos), der Pötzsch gegenübersaß, nickte und stimmte ihm zu: „Die Jugendlichen sollten Priorität haben, denn sie sind unsere Zukunft.“ Leider verlassen aber viele von ihnen nach ihrer Ausbildung die Stadt. Als Oberbürgermeister von Weißwasser würde er sich deshalb vor allem darum bemühen, Arbeitsplätze für diese Jugendlichen zu schaffen. Daraufhin schlug Torsten Pötzsch vor, die Unternehmen vor der Tür, wie beispielsweise Vattenfall, noch stärker mit einzubinden.
Jens Greiner (parteilos) bemängelte jedoch die schlechte Zusammenarbeit im Bereich Jugendarbeit: „Wir brauchen nicht mehr Einrichtungen, sondern ein besseres Miteinander“, forderte er energisch und blickte in die Runde. Da klinkte sich Gudrun Hirschmann, Stadträtin von „Wir für hier“, ins Gespräch ein. Denn ihrer Erfahrung nach arbeiten die Jugendhilfe-Vereine gut zusammen. „Sie werden nur von der Stadt gegeneinander ausgespielt“, beklagte sie.
Dass momentan die Kommunikation in der Stadt nicht stimme, zu dieser Einsicht kam die Gruppe an diesem Abend im W.B.C. immer wieder. Und das habe sich gerade im Bereich Jugendarbeit gezeigt. Uwe Bücklein (Die Linke) verlangte: „Der Umgang untereinander muss sich verbessern.“ Er sieht große Defizite beim Kommunikationsfluss. Oft fehlten Berichte an den Stadtrat. „Außerdem müssen sowohl die Jugendlichen selbst als auch die Mitarbeiter in der Jugendarbeit unbedingt ernst genommen werden“, betonte er und erinnerte an das Beispiel „Station Junger Techniker“. Wie damals den Mitarbeitern die Kompetenz abgesprochen worden ist, sei wirklich schlimm gewesen.
Bernhard Waldau (CDU) machte in ruhiger Art darauf aufmerksam, dass der Landkreis für Bestimmungen in der Jugendarbeit zuständig ist. Ein Oberbürgermeister könne daher nicht direkt darüber entscheiden. Eins aber könne er tun: sich mit den Jugendvertretern an einen Tisch setzten. Und genau das möchte er schnellstmöglich tun, vorausgesetzt, er wird neuer OB von Weißwasser.
Wie lapidar teilweise Fragen an die Stadtverwaltung abgewickelt werden, las Torsten Pötzsch dann aus einem Antwortschreiben der Stadt vor. Gemeinsam mit dem Publikum kam die Runde zur Schlussfolgerung, dass es genau dieser Umgang mit Bürgeranfragen ist, der so viele Leute davon abhält, sich einzumischen. Und ein Blick in die Runde zeigte, dass das vor allem auf die Jüngeren zutrifft.
Konrad Frommelt war an diesem Abend der einzige Jugendliche im Raum. Er wünscht sich vor allem einen OB, der ein Vorbild ist, der bürgernah auftritt und Gesprächsrunden mit Jugendlichen auf Augenhöhe führt. „Genauso wie jetzt hier“, meinte der 21-Jährige. Schade nur, dass die Jugend bei der angeregten Diskussion nicht anwesend war.
Weißwasser hat ein Suchtproblem unter den Jugendlichen. Dieser Meinung ist Günther Ickelsheimer vom Fish-Verein. Viele junge Leute seien mit der Bierflasche in der Hand unterwegs, selbst Kinderwagen schiebend. Während des RUNDSCHAU-Wahlforums am Mittwoch fragte er die OB-Kandidaten, was diese gegen die Sucht der Jugendlichen unternehmen werden.
Bernhard Waldau: Sucht hat immer einen individuellen Hintergrund. Ich sehe die Hauptaufgaben für den OB und die Stadtverwaltung darin, die Vereinstätigkeit fördern und Bedingungen schaffen zum Erhalt der Arbeitsplätze.
Danilo Hermann: Wenn es so ist, dann würde ich zweisprachig auf die Jugendlichen zugehen und ihnen sagen, was möglich ist. Ich denke, dass sie oft nichts verstehen.
Uwe Bücklein: Suchtprobleme haben jene, die keine Perspektive haben. Ich beschäftige mich seit Jahren mit Jugendlichen mit Drogen- und Alkoholsucht. Wir müssen junge Leute in Arbeit bringen. Wer um 7 Uhr auf Arbeit sein muss, hat keine Zeit dafür, sich den Kopf vollzukübeln.
Hartwig Rauh: Für Eltern ohne Perspektive ist es schwer, Kindern eine Perspektive zu geben. Der Anfang ist gemacht, denn wir haben einen Mangel an Auszubildenden. Das Blatt dreht sich langsam um.
Jens Greiner: Das berührt mich sehr. Das ist Arbeit für die Streetworker. Wenn ich jemanden sehe, werde ich ihn darauf ansprechen. Es kommt immer darauf an, wie man redet.
Torsten Pötzsch: Die Sucht ist seit Jahren bekannt. Von meiner Mitarbeit im Verein Mobile Jugendarbeit weiß ich, was dagegen ehrenamtlich gemacht wird. Man muss die Ursachen bekämpfen. Wenn von 100 Jugendlichen mit Hauptschulabschluss in diesem Jahr 26 keine Lehrstelle erhalten haben, dann ist das die Keimzelle. ni
Der Fish-Lausitz-Verein unterstützt Menschen am Rand der Gesellschaft. Er bietet für Suchtkranke, vor allem Drogenabhängige, in Weißkeißel eine Wohn- und Lebensgemeinschaft für die schwierige Zeit zwischen Entgiftung und Therapiebeginn und als Angebot der Nachsorge.
Die Wiederholungen des Wahlforums der RUNDSCHAU in Zusammenarbeit mit Radio WSW finden bei Radio WSW am Dienstag, 31. August, um 11 Uhr und am Donnerstag, 2. September, um 17.30 Uhr statt.
Fotos und Video-Ausschnitte des Wahlforums unter www.lr-online.de/obwahlwwr
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