Das Neufert-Wohnhaus in der Hegelpromenade war vorübergehend ein Kindergarten und wird heute privat genutzt. Foto: Preikschat Foto: Preikschat

Wobei diese Antwort streng genommen auch nicht ganz richtig ist, wie die Bauingenieurin, zugleich Mitglied in der Denkmal-Kommission der Stadt Weißwasser, selbst einschränkte.

Neben dem auffallenden Sechsgeschosser in der Schmiedestraße hat Neufert auch ein Wohnhaus Ecke Hegelpromenade/Rosa Luxemburg-Straße konzipiert, außerdem ein Wannen-Gebäude, das heute auf dem Stölzle-Gelände in der Berliner Straße steht, sowie mehrere Holzhäuser.

Längst verschwunden sind lediglich die Holzhäuser, so Anne Petrick weiter. Wie viele es genau waren, habe die Denkmal-Kommission noch nicht herausgefunden. Fest stehe jedoch, dass sie in den Vierziger Jahren in der Heinrich-Heine-Straße in Fertigbau-Weise errichtet worden sind. Ausgebombte Berliner fanden dort vorübergehend eine Bleibe.

Das Wannengebäude, das Neufert für seinen damaligen Arbeitgeber, die Vereinigten Lausitzer Glaswerke (VLG), geplant hat, trage deutlich seine Handschrift: durchgehende Lichtbänder, Glasbaustein-Segmente, insgesamt eine klare Linie.

Ausgestattet mit einigen Raffinessen indes war das Wohnhaus, das eigens für den damaligen Glaswerke-Produktionsleiter Bruno Kindt in den Dreißiger Jahren erdacht und erbaut wurde, so Anne Petrick. So ließ sich das vier Meter breite Wohnzimmer-Fenster im Boden versenken. Vom Obergeschoss führte ein Wäsche-Schacht in den Keller. Die waagrecht verlaufenden Gartenzaun-Bretter ließ Ernst Neufert schräg setzen, damit sie neben einer Sicht- auch eine Lärmschutz-Funktion erfüllten, erklärt die Architektin. VLG-Produktionsleiter Bruno Kindt erfreute sich allerdings nicht allzu lange seines Heims. Nach Recherchen der Denkmal-Kommission Weißwasser starb der Kapitän-Leutnant bereits im Oktober 1939 in einem deutschen U-Boot. Nach dem Zweiten Weltkrieg bewohnten Wehrkreis-Kommandant Harry Luck und ein Krankenhaus-Arzt die beiden Etagen. In den Sechziger Jahren zog dann ein Kindergarten in das Neufert-Haus ein. Damals soll das Gebäude auch einen Anbau bekommen haben. Vor allem während dieser Zeit nahmen die Weißwasseraner das Haus wahr. Heute, so Anne Petrick, werde es privat genutzt.