02. September 2010, 00:00 Uhr

Mit geklautem Traktor nach Polen

Polizei wird nach nächtlicher Verfolgungsjagd in Przewoz fündig / Dank an Anruferin

Klein Priebus Erneut Aufregung an der deutsch-polnischen Grenze bei Klein Priebus. Mittwoch gegen 2 Uhr hat es einen „Grenzdurchbruch“ im Neißeort Podrosche mit einem gestohlenen Traktor gegeben. Die Soko „Mobile“ der sächsischen Polizei ermittelt.

Stefan Hofmann, Barbara Pellart vor dem gestohlenen Traktor. Das kleine Foto zeigt die Spur der Verwüstung, die der Dieb u.a. auf dem Radweg zwischen Klein Priebus und Steinbach gezogen hat. Fotos: André Kurtas/aku1
Barbara Pellart aus Klein Priebus war gegegen 2 Uhr in der Nacht zum Mittwoch durch das Geknatter eines Traktors aufmerksam geworden, der über den Neißeradweg gedonnert ist. »Wir sind aufgestanden und sofort mit unserem Auto hinterher in Richtung Grenzübergang Podrosche. Und außerdem haben wir die polnische Polizei informiert. Als wir die Polizei am Grenzübergang gesehen haben, sind wir wieder nach Hause«, so die Klein Priebuserin.

Polizeisprecher Marcel Wita von der Polizeidirektion Oberlausitz-Niederschlesien bestätigt den Vorfall. »Dank eines Anrufes einer Frau aus der Region Lodenau gegen 1.30 Uhr haben wir einen Großeinsatz gestartet«, sagt er. An einer der hinteren Hallen des ehemaligen Polenmarktes in Przewoz habe die Polizei dann den Traktor gefunden. Doch von dem Dieb war nichts mehr zu sehen. Die polnische Polizei habe den Traktor übernommen und kriminaltechnisch untersucht. Der Traktor ist in Hähnichen gestohlen worden, den Fluchtweg des Diebes habe die Polizei bereits rekonstruieren können. »Wir hoffen, dass das Fahrzeug noch heute an die Eigentümer zurückgegeben werden kann«, so Wita. Die weiteren Ermittlungen zu diesem Diebstahl hat die Soko »Mobile« übernommen.

Am gestrigen Morgen waren dann Stefan Hofmann und Barbara Pellath aus Klein Priebus in Przewoz bei der polnischen Polizei. Die Klein Priebuserin ist gebürtige Polin und hatte in der Nacht noch zwischen deutscher und polnischer Polizei gedolmetscht.

»Der Traktor ist ein Fendt Vario Favorit 716 mit Kartoffelrodemaschine dran. Ein Riesenteil, das von einem Feld bei Hähnichen geklaut wurde, wie ich erfahren habe. Der Traktor hat einen Aufkleber mit dem Firmennamen Spreer Agrar- und Service GmbH Hähnichen.«

Als der Klein Priebuser dort gegen 8.30 Uhr anrief, hatte man den Diebstahl noch gar nicht bemerkt, so Hofmann. »Als ich dann das Kennzeichen gesagt habe, waren die völlig von der Rolle.« Seine Vermutung, dass der Dieb samt Landwirtschaftstechnik aus Richtung Steinbach über den Radweg gefahren kam - »nur so sind die Schäden ohne Ende zu erklären« - haben auch die ersten polizeilichen Ermittlungen bestätigt.

An einem Abend in der vorigen Woche habe eine Klein Priebuserin ebenfalls einen Traktor auf dem Radweg bemerkt. Daraufhin ist die Polizei alarmiert worden. »Das hat funktioniert, sogar einen Hubschrauber haben sie eingesetzt. Aber wer auch immer auf dem Traktor saß, muss was mitbekommen haben und ist umgedreht und in Richtung Rothenburg weg«, gibt Stefan Hofmann die Ereignisse wieder.

Nach Einbrüchen Mitte Juli auf Grundstücken und Diebstählen in Klein Priebus hatten die Einwohner in dem kleinen Neiße-Dorf in der Gemeinde Krauschwitz Alarm geschlagen. Sie fühlten sich damals von der Polizei alleingelassen und ergriffen deshalb Eigeninitiative, gingen nachts regelmäßig auf Streife und setzten gleichzeitig einiges in Bewegung, wie zum Beispiel stärkeren Polizeieinsatz. Auch der sächsische Landespolizeipräsident hatte sich zu einem Gespräch angemeldet. Doch dann hielt das August-Hochwasser erst einmal beide Seiten in Atem.

Zum Thema:
Die Polizei hat sich ausdrücklich bei der Anruferin aus Neusorge bedankt, die die Polizei auf die ungewöhnlichen Traktorgeräusche mitten in der Nacht aufmerksam gemacht hatte. Indes warnt Polizeisprecher Marcel Wita noch einmal ausdrücklich vor privaten Verfolgungsjagden. »Damit bringen sich die Menschen in höchste Gefahr. Die Täter können auch bewaffnet sein. Deswegen bei uns anrufen, wir sind jedem Hinweis ergeben.« Notruf: 110
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Erstellt am: 02. September 2010, 00:00 Uhr
Geändert am: 07. Mai 2012, 11:30 Uhr
Autor: Von Gabi Nitsche

Von Gabi Nitsche

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