Andrea Krause und Stephan Willenberg haben in der Blockwarte den neuen Block R genau im Blick. "Dass wir es hier mit der modernsten Technik zu tun haben, ist wirklich toll", freut sich der 24-jährige Jänschwalder. Seit seiner Lehre, die er 2004 begann, gehört er zum Vattenfall-Konzern. Schon seit 30 Jahren ist die Weißwasseranerin Andrea Krause dabei. Beide gehören zu den insgesamt 600 Mitarbeitern am Standort Boxberg. Mit dem Neubau des 675-Megawatt-Blocks sind es 50 Arbeitsplätze mehr.

Der Dampf zeigt jedem schon von Weitem, dass der Block R am Netz ist und Strom produziert.
Rund eine Milliarde Euro hat Vattenfall in den Neubau am Standort Boxberg investiert. "Das ist eine der größten Investitionen von Vattenfall in Deutschland", sagt Vorstand Hubertus Altmann. Sie sichere Arbeitsplätze und die Zukunft des Standortes. Dabei setze man auch bei technischen Parametern Meilensteine. "Ich sage nur 600 Grad Frischdampftemperatur und 285 Bar Frischdampfdruck – das ist das Beste, was die Kraftwerkstechnik zu bieten hat", so Altmann. Damit erreiche man beim Wirkungsgrad ein neues Niveau. Lag dieser vor 100 Jahren beispielsweise beim Kraftwerk Hirschfelde bei 22 Prozent, kann die neue Anlage in Boxberg 43,7 Prozent erreichen. Vorstand Hartmuth Zeiß sprach diesbezüglich von einem weltweit beachtlichen Wirkungsgrad. Boxberg ist mit seinem Block R damit ein wichtiger Baustein im Mosaik der Energieerzeugung in Sachsen, so Zeiß.
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Bilderstrecke Boxberg | 13.03.12
Netzschaltung im Kraftwerk Boxberg

Zweiter wichtiger Punkt ist die Flexibilität der Anlage. So kann der Block innerhalb einer Viertelstunde in einem Bereich zwischen 200 bis 250 MW hoch- und heruntergefahren werden. Insgesamt kann Vattenfall die Leistung seiner Grundlastkraftwerke (7420 MW) binnen 15 Minuten um mehr als 200 MW reduzieren, bei einer Stunde sogar um 4000 MW, wenn hohe Stromeinspeisungen aus Wind- und Sonnenergie das erfordern. Dieses "Lastflex" soll weiter ausgebaut werden. Vattenfall hat bereits 2011 ein entsprechendes Forschungsthema auf den Weg gebracht, hieß es Dienstag bei einer Pressekonferenz.

Nach der gelungenen ersten Netzschaltung, die Mitte Februar erfolgt ist, schließt sich nun ein mehrmonatiger Testbetrieb an. Dabei werden die Anlagen unter unterschiedlichen Lasten gefahren und weiter optimiert. Im Sommer folgt dann der Probebetrieb, bevor im Herbst 2012 der Dauerbetrieb anläuft. Diesen hatte Vattenfall allerdings schon ein Jahr eher angesteuert. Der einzige Wermutstropfen laut Altmann in der Bauzeit war, dass es Materialprobleme im Dampferzeuger gegeben hatte. Die Entscheidung fiel, Material auszutauschen. Rund 50 Millionen Euro Mehrkosten machte das aus.

Derweil noch getestet wird, wirft Boxbergs Bürgermeister Roland Trunsch (Freie Wähler) bei seinem Grußwort ein, dass noch genug Fläche am Standort vorhanden ist, um einen weiteren Kraftwerksblock zu bauen. Denn nach wie vor werde in Boxberg jeder Arbeitsplatz gebraucht. "Es verlassen noch immer junge Leute unsere Region", so Trunsch.

Der Kessel ist das Kernstück der neuen Anlage. Hier wird die Kohle aus Nochten und Reichwalde verbrannt.
Kreisbaudezernent Werner Genau erinnert Vattenfall an seine Verantwortung den Kommunen gegenüber. Die Restrukturierung im Konzern hatte für Steuereinbußen gesorgt. Deshalb sei es notwendig, dass künftig neue Kooperationsfelder zwischen Konzern und Kommunen erschlossen werden.

 


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