Eiskalte Jobs in Weißwasser
Wie Draußen-Arbeiter mit der klirrenden Kälte zurechtkommen / Angst vor Schneefall
Weißwasser Auch bei 15 Grad Minus will in Weißwasser Müll entsorgt, Häuser abgerissen, Zeitungen ausgetragen und auf dem Markt Frischware angeboten werden. Die RUNDSCHAU fragte nach, wie sich diese Jobs derzeit anfühlen.
Mit drei Hosen
Krause und Neumann gehören zu der Rückbau-Mannschaft einer Görlitzer Firma, die derzeit in Weißwasser gleich an mehreren Abriss-Objekten zu tun hat. In der Bagger-Kabine ist die Heizung natürlich ständig voll aufgedreht, sagt Krause. Kollege Neumann hat drei paar Hosen an und ebenso viele Pullover. Bewegen könne er sich aber trotzdem noch ganz gut. „Bewegung ist wichtig“, sagt er, „die wärmt.“ Neumann ist für das Sortieren zuständig. Er wirft Müll, Dachpappe, Styropor und Schrott auf separate Haufen, die der Bagger in dafür vorgesehene Container schaufelt.
Auf dem Markt von Weißwasser haben die Verkäufer keine Fahrzeugheizung. Auch viel Bewegung haben sie nicht. Christine Herrmann vom Backwaren-Stand verlässt denselben zwar manchmal, um ein bisschen über den Markt zu laufen. „Aber sehr weit kann ich nicht weg. Es könnten ja Kunden kommen.“ Die allerdings machten sich rar bei der Kälte. „Wer verlässt bei den Temperaturen schon gern das Haus.“
Zu diesen eher Wenigen gehört am Freitag Herrmann Eibenstein. Er ist Stammkunde bei Brathähnchen-Verkäufer Raik Möschk aus Rohne. Trotz seiner 81 Jahre mache ihm die Kälte nicht viel aus. In seinem Alter habe man schon einiges durch, da relativiere sich vieles. „Außerdem wohne ich in der Wolfgangstraße. Das sind nur 200 Meter.“
Aufwärmen am Grill
Als er das erzählt, packt ihm Raik Möschk sein Brathähnchen ein. Der 41-Jährige freut sich gerade bei dieser brutalen Kälte über jeden Kunden. „Erstens habe ich dann Bewegung, zweitens geht die Zeit schneller rum.“ Wenn er nicht bedient, hüpft Möschk von einem Bein aufs andere, kehrt mal die Rück-, mal die Vorderseite dem Grill zu. Was er nach der Arbeit vorhat? „Durch die Badewanne schwimmen.“
Wer draußen arbeiten muss, ist froh, dass die Kälte wenigstens trocken ist. Das sagt auch Andreas Lysk, Geschäftsführer der Niederschlesischen Entsorgungsgesellschaft. Am frühen Morgen bei minus 20 Grad auf dem Trittbrett eines Müllentsorgungsfahrzeugs zu stehen, sei kein Vergnügen. „Völlig normal“ sei es da, dass sich die Abfuhr-Männer öfter als sonst in der Fahrerkabine aufwärmen. „Ich ziehe den Hut vor dem, was meine Mitarbeiter gerade leisten“, so Lysk. Gefrorener Bio-Abfall, der innen an den Tonnen festklebt, mache ihnen den Job ja nicht leichter.
Aber es könnte noch schlimmer kommen. Wenn es anfängt, zu schneien nämlich und die Straßen glatt werden. Dann werde das Rangieren in engen Straßen zur Herausforderung und das Heranziehen der Tonnen zu den Fahrzeugen Schwerstarbeit, so Lysk.
Außerdem zieht nasse Kälte durch die Kleidung, worauf auch RUNDSCHAU-Zeitungsausträger Michael Boh keinen gesteigerten Wert legt. Ganz zu schweigen davon, dass er mit seinem Fahrrad bei Schnee nur schlecht vorankommt bei seiner Tour von 5 Uhr bis 6 Uhr durch die Innenstadt von Weißwasser. „Dann müsste ich noch früher los.“
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Erstellt am: 04. Februar 2012, 00:00 Uhr
Geändert am: 04. Februar 2012, 03:31 Uhr
Autor: Von Daniel Preikschat

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