Helmut Vogel (links unten) spielt seit fast vier Jahrzehnten in der Schalmeienkapelle. Foto: Verein Foto: Verein
„Damals waren wir noch 25 – allein aus Pechern“, sagt Vogel. Er spielt seit Mitte der 60er Jahre in der Schalmeienkapelle des Ortes. Die Schalmei ist ein Blasinstrument mit Röhren, die wage an grazile Lilien erinnern. Vogel begleitet die Kapelle auf der Trommel. „Das klingt dann zusammen wie schottische Musik“, sagt der Lausitzer und lächelt froh, als hätte er den Klang im Ohr.

Dann fallen die Mundwinkel wieder nach unten. Heute sind nur noch zwei Mitglieder aus Pechern im Verein, die anderen zwei Dutzend stammen aus Bad Muskau, Cottbus, Lauta. „Wir mussten uns alle zusammentun, damit überhaupt was übrig bleibt.“ Die Entwicklung der Mitgliederzahlen macht Helmut Vogel traurig. Und doch sagt er: „Ich bleibe dabei, bis es gesundheitlich nicht mehr geht.“

Angefangen hat die musikalische Geschichte des Lausitzers als Teenager. Der ehemalige Leiter der Kapelle, Walter Just, war damals in der Schule sein Musiklehrer. „Er fragte uns, ob wir mitmachen“, erinnert sich Vogel. „Und das war durchaus reizvoll. Viele junge Leute wollten unbedingt eintreten.“ Es lockten gemeinsame Ausflüge, festliche Auftritte und das musikalische Erlebnis. „Das hat uns mitgerissen.“

Heute sind die meisten Musiker in der Kapelle über 50 Jahre alt. „Das alles wird mal sterben“, prognostiziert Vogel düster. Er macht die demografische Entwicklung für das schwindende Interesse verantwortlich. Aber auch den Staat. „In der DDR wurde man einfach freigestellt für Konzerte und wichtige Proben“, sagt Vogel. „Heute leistet sich das kein Chef mehr.“ Zudem koste eine Schalmei zwischen 1000 und 3000 Euro – zu viel für Neueinsteiger.

Trotzdem genießt Vogel jedes Konzert, das er mit der Kapelle und dem heutigen Leiter, Wolfgang Just, spielen darf. Das nächste findet am 9. Juni dieses Jahres in Ploda bei Leipzig statt. „Dort spielen wir mit gut 15 anderen Kapellen“, sagt Vogel und lächelt wieder. „Das ist ein Erlebnis. Da bekommt man Gänsehaut. Ich freue mich schon.“