Schleife Wenn die Reparaturen wie geplant laufen, dann kann der Odeg-Zug, der am Sonntagabend in Schleife gegen einen Pkw gerammt ist (die RUNDSCHAU berichtete), am Mittwoch wieder zwischen Zittau und Cottbus eingesetzt werden. Die Schäden an dem Schienenfahrzeug hat Odeg-Eisenbahnbetriebsleiter Jörg Kiehn mit etwa 20 000 Euro beziffert. Der Pkw von Paul D., der in einer Schneewehe im Gleisbett steckte und vom Zug erfasst wurde, muss dagegen verschrottet werden.
09.02.2010
Nach bisher vorliegenden Informationen ist über die „110“ zum einen die Polizei informiert worden. Zum anderen hat der Zugführer bei Fahrdienstleiterin Viola Meyer in Schleife per Funk Alarm geschlagen. „Sie hat es dann an unsere Notfallleitstelle in Berlin gemeldet, die sich sofort mit der Rettungsleitstelle in Weißwasser in Verbindung setzte“, erklärt Jörg Kiehn. Von dort aus sind die Kameraden der Feuerwehr Schleife und der Rettungsdienst alarmiert worden. Schon nach gut zehn Minuten waren diese vor Ort und kümmerten sich um die Insassen des Pkw und des Zuges. „Der Zugführer ist vorsichtshalber untersucht worden, denn bei dem Aufprall hätte er sich ja verletzen können. Doch das war nicht der Fall“, berichtet der ebenso herbeigeeilte Notfallmanager der Deutschen Bahn, der die Bahnanlagen gehören. Gabi Katzer von der Freiwilligen Feuerwehr Schleife bemüht sich deweil um den 83-jährigen Paul D.
und dessen Frau, denen das Missgeschick mit dem Pkw passiert ist. „Wissen Sie, ich war Kraftfahrer, bin Lkw gefahren, und jetzt das“, ärgert sich der Schleifer über sich selbst. „Wichtig ist doch nur, dass Ihnen und auch den Fahrgästen nichts passiert ist“, beruhigt die Feuerwehrfrau das Ehepaar, derweil ihre Kameraden Schnee schaufeln. „Gleich kommen die Kameraden aus Weißwasser. Sie haben die Technik, um das Auto mit der Seilwinde aus dem tiefen Schnee im Gleisbett zu holen“, erklärt Einsatzleiter Mike Besch. Weder er noch andere Kameraden aus Schleife haben bisher einen Zugunfall erlebt. „Da war heute viel, viel Glück dabei“, schätzt Besch ein. Auch Kameradin Doreen Greksch ist froh, dass bei diesem Unfall niemand verletzt wurde. Wenn man hört, da sind Zug und Auto zusammengestoßen, muss man ja mit dem Schlimmsten rechnen. „Eigentlich wollten wir heute mit der Familie schön Abendbrot essen“, so die junge Frau.
Auch ihr Freund René Mittelstedt gehört zur Schleifer Feuerwehr und ist beim Einsatz am Bahnübergang Hoyerswerdaer Straße dabei. Mit den Weißwasseranern hat sich auch Kreisbrandmeister Henry Kossack mit auf den Weg gemacht und schaut sich das an, was nach dem Crash noch vom Pkw, dem Ford Mondeo, übriggeblieben ist. Mit Hilfe eines Stromaggregates ist die Unfallstelle gut ausgeleuchtet. „Seid ihr zufrieden mit dem Gerät?" Von den Kameraden kommt ein deutliches Ja, denn das Aggregat, das noch ziemlich neu ist, hat eine Leistung von 8000 Watt. „Das ist richtig gut“, so die Kameraden.Kurz darauf ist der im vorderen Bereich durch den Aufprall total zerdrückte Pkw geborgen worden. Willi Jarsetz von der gleichnamigen Autowerkstatt in Schleife beobachtet die Bergung. „Ich soll das Auto fortschaffen“, berichtet er. Polizei und Bundespolizei haben längst ihre Ermittlungen zum Unfallhergang aufgenommen.
Der DB-Notfallmanager weist indessen den 27-jährigen Zugführer mit Lichtzeichen ein – er soll den Zug ein Stück zurückfahren, so dass die Fahrgäste in Höhe Straße trockenen Fußes aus- und in den bereitstehenden Bus umsteigen können. Zwei Stunden hatten die mehr als 80 Reisenden geduldig darauf gewartet. „Ja, was macht man in solch' einer Situation? Ruhe bewahren, für die Fahrgäste da sein . Alles ist gut gegangen, aber jetzt bin ich doch ganz schön aufgeregt“, gesteht sie eine Zigarette rauchend, nachdem „ihr“ Zug leer ist und feststeht, dass er gleich in Richtung Werkstatt Görlitz fahren soll. Das Fazit des DB-Notfallmanagers nach dem Einsatz: „Alle haben Hand in Hand gearbeitet.“ Das Notfallprgramm hat funktioniert. Seite 3
Die Fahrgäste steigen nach zwei Stunden Wartezeit im Zug in einen Bus um, der sie nach Cottbus bringt. Fotos: J. Rehle
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